Mit Alters­teil­zeit ist ein entspann­terer Ausstieg aus dem Job möglich.

Alters­teil­zeit ermöglicht einen gleitenden Über­gang vom Job in die Rente. Sie kann auch genutzt werden, um früher aus dem Job auszusteigen. Vorteil der Alters­teil­zeit: Gehalt und Renten­ansprüche sind höher als bei „normaler“ Teil­zeit. In vielen Betrieben ist sie noch möglich – einen Anspruch auf Alters­teil­zeit gibt es aber nicht. Hier lesen Sie alle Infos und finden einen Rechner zur ungefähren Berechnung Ihres Teil­zeit-Gehalts. Aktuell: Ansprüche bestehen auch während Kurz­arbeit weiter.

Alters­teil­zeit – Was ist das?

Alters­teil­zeit ist für ältere Arbeitnehmer eine Möglich­keit für einen gleitenden Über­gang vom Job in die Rente, die in vielen Betrieben angeboten wird. Einen recht­lichen Anspruch auf Alters­teil­zeit gibt es nicht.

Früher Jobausstieg möglich mit Block­modell

Frühestens mit 63 Jahren können Versicherte von der gesetzlichen Renten­versicherung eine Alters­rente bekommen. Ausnahmen gibt es nur für Menschen mit Schwerbehinderung. Mit Alters­teil­zeit über den Betrieb ist aber auch heute noch ein Ausstieg aus dem Job deutlich vor 63 möglich – mit dem sogenannten Block­modell. Beschäftigte reduzieren beispiels­weise für vier Jahre ihre Arbeitszeit, arbeiten in den ersten zwei Jahren voll und in den folgenden zwei Jahren gar nicht mehr. Ihr Teil­zeit­gehalt wird ihnen aber in beiden Blöcken gleich hoch ausgezahlt. In der zweiten Variante der Alters­teil­zeit, dem Gleich­verteilungs­modell, ist die Arbeits­zeit konstant über den vereinbarten Zeitraum aufgeteilt.

Eine individuelle Verteilung der Arbeits­zeit auf verschiedene Jahre ist ebenfalls möglich, solange die Arbeits­zeit während der Gesamt­dauer der Alters­teil­zeit im Durch­schnitt 50 Prozent beträgt.

Tipp: Alles zum früheren Renten­eintritt finden Sie in unserem Special So klappt die Rente mit 63.

Alters­teil­zeit – in Tarif­verträgen geregelt

Die staatliche Förderung der Alters­teil­zeit, wie in den 2000er-Jahren, gibt es heute nicht mehr. Aber es gibt immer noch in vielen Tarif­verträgen und Betriebs­ver­einbarungen Rege­lungen zur Alters­teil­zeit. Auch individuelle Vereinbarungen mit dem Arbeit­geber sind möglich. Doch dann kann das Block­modell höchs­tens für drei Jahre vereinbart werden. Interes­sierte erfragen am besten bei ihrer Personal­abteilung oder bei ihrem Betriebsrat die geltenden Regeln. Häufig ist zum Beispiel die Anzahl der Beschäftigten begrenzt, die Alters­teil­zeit machen können. Die Rege­lungen für eine Alters­teil­zeit basieren auf dem Altersteilzeitgesetz.

Voraus­setzungen für die Alters­teil­zeit

Um eine Alters­teil­zeit in Anspruch nehmen zu können, müssen Beschäftigte mindestens 55 Jahre alt sein, sie müssen noch mindestens drei Jahre bis zur Rente haben und müssen inner­halb der letzten fünf Jahre vor Beginn der Alters­teil­zeit mindestens 1 080 Kalendertage (drei Jahre) sozial­versicherungs­pflichtig beschäftigt gewesen sein. Dazu zählen auch Zeiten, in denen man Krankengeld bezogen hat oder arbeitslos war.

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Vorteile von Alters­teil­zeit

Der große Vorteil der Alters­teil­zeit gegen­über der „normalen“ Teil­zeit­arbeit: 50 Prozent weniger Arbeit heißt hier nicht 50 Prozent weniger Gehalt. Beschäftigte bekommen einen Aufstockungs­betrag von mindestens 20 Prozent – egal ob die Person das Block­modell gewählt oder ihre Arbeits­zeit durch­gehend um 50 Prozent reduziert hat. Manche Tarif­verträge sind sogar noch großzügiger.

Aber natürlich müssen sich Interes­sierte über­legen, ob sie mit dem geringeren Gehalt klar­kommen. In der passiven Phase ohne Arbeit können zudem keine weiteren Alters­vorsorgeleistungen fließen, die an den Renten­eintritt geknüpft sind – etwa andere Renten oder Kapital­auszah­lungen. Auch für die Rente ist Alters­teil­zeit deutlich besser als „normale“ Teil­zeit: Der Arbeit­geber zahlt 90 Prozent der Rentenbeiträge des Voll­zeit­gehalts – auch wenn nur 50 Prozent gearbeitet wird. Je nach Tarif­vertrag können die Beiträge höher sein. Dadurch ist die Rente aufgrund der Alters­teil­zeit nur wenig geringer.

Den Aufstockungs­betrag und die höheren Rentenbeiträge muss der Arbeit­geber allerdings maximal sechs Jahre zahlen.

Tipp: Mit unserem Altersteilzeitrechner können Sie Ihr Netto-Gehalt während der Alters­teil­zeit annäherungs­weise berechnen.

Aktuell: Kurz­arbeit und Corona

Die Deutsche Renten­versicherung weist darauf hin, dass die Aufstockungs­beiträge auch während Kurz­arbeit weiter fließen müssen: „Dabei spielt es keine Rolle, ob während der Kurz­arbeit noch tatsäch­lich gearbeitet wird. Der Arbeit­geber muss die Aufstockungs­leistungen in dem Umfang zahlen, als hätte der Arbeitnehmer die ohne Kurz­arbeit vereinbarte Arbeits­zeit gearbeitet.“ Ausführ­liche Informationen gibt es auf der Seite Fragen und Antworten zum Thema „Corona und Altersteilzeit“ der Deutschen Renten­versicherung.

Beispiel­rechnung für die Rente

Unser Musterfall Olaf Müller hat immer über­durch­schnitt­lich verdient und könnte 2021 mit 63 Jahren in Rente gehen.

Angenommen, er hätte die drei Jahre vor seinem Renten­eintritt in Alters­teil­zeit gearbeitet und würde dann eine Rente für lang­jährig Versicherte beantragen, bekäme er eine Bruttorente von 1 660 Euro.

Hätte er keine Alters­teil­zeit gemacht und weiter voll gearbeitet, bekäme er statt­dessen 1 677 Euro.

Die Auswirkungen von drei Jahren Arbeits­teil­zeit auf die Rente sind also minimal.

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Rechner Alters­teil­zeit

Mit unserem Rechner können Sie Ihr Netto­gehalt in der Alters­teil­zeit näherungs­weise berechnen.

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Bitte beachten Sie, dass Ihre tatsäch­liche Steuerbelastung von vielen Komponenten abhängt und dieser Rechner nur einen ersten Über­blick verschaffen kann.

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Alters­teil­zeit und Steuern

Auf das Teil­zeit­einkommen müssen Steuern und Sozial­abgaben gezahlt werden. Nur der Aufstockungs­betrag ist steuer- und sozial­abgabenfrei. Ganz raus ist das Finanz­amt aber auch hier nicht. Der Aufstockungs­betrag an sich ist zwar steuerfrei, unterliegt aber dem „Progressions­vorbehalt“, er erhöht also den Steu­ersatz für das Einkommen, das Angestellte versteuern müssen. Da das Finanz­amt während des Jahres nur für den Lohn Steuern erhält, fordert es das Geld für die Aufstockung nach der Steuererklärung, es kommt also zu einer Steuer­nach­zahlung.

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Alters­teil­zeit nehmen – Schritt für Schritt

Sie benötigen:

  • Eine tarif­vertragliche oder betriebliche Alters­teil­zeit­regelung oder die Zustimmung des Chefs
  • Einen formlosen Antrag

Schritt 1

Über­legen Sie mit Mitte 50, ob Sie in Alters­teil­zeit gehen möchten und ob Sie sich die damit verbundenen finanziellen Einbußen leisten können und wollen. Alters­teil­zeit können Sie frühestens mit 55 Jahren in Anspruch nehmen. In vielen Branchen ist sie erst ab 57 Jahren oder später möglich.

Schritt 2

Informieren Sie sich beim Betriebs- oder Personalrat oder in der Personal­abteilung, ob Alters­teil­zeit in Ihrem Betrieb möglich ist. Dies ist dann der Fall, wenn ein entsprechender Tarif­vertrag oder eine Betriebs­ver­einbarung für Ihren Betrieb gilt. Einen Tarif­vertrag zur Alters­teil­zeit gibt es beispiels­weise in der Metall- und Elektro­industrie und im öffent­lichen Dienst. Gibt es weder eine tarif­vertragliche noch eine betriebliche Alters­teil­zeit­regelung, können Sie eine individuelle Vereinbarung mit Ihrem Chef schließen. Auf seine Zustimmung haben Sie in diesem Fall aber keinen Anspruch.

Schritt 3

Entscheiden Sie sich für eine der beiden Formen: Entweder können Sie Ihre Arbeits­zeit in der gesamten Alters­teil­zeit um 50 Prozent reduzieren oder Sie entscheiden sich für das Block­modell. Es besteht aus zwei gleich großen Blöcken. Im ersten arbeiten Sie zunächst voll weiter, beziehen aber nur das halbe Gehalt, das vom Chef um mindestens 20 Prozent aufgestockt wird. Im zweiten Block arbeiten Sie gar nicht mehr, beziehen aber weiter Ihr Alters­teil­zeit­gehalt. In vielen Branchen bekommen Alters­teil­zeitler auch mehr als gesetzlich vorgeschrieben, denn die Tarif­partner haben höhere Gehälter vereinbart.

Schritt 4

Die Alters­teil­zeit beantragen Sie mit einem formlosen Schreiben mit den besprochenen Details (Art des Modells, Datum, Dauer) an die Personal­abteilung. Häufig haben Unternehmen dafür Vordrucke.

Dieses Special ist im September 2009 auf test.de erschienen. Wir haben es im Mai 2020 grund­legend über­arbeitet.

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