Altersteilzeit Meldung

Nur bis Ende 2009 fördert die Arbeitsagentur den gleitenden Übergang in die Rente. Ob es danach noch eine Chance auf Altersteilzeit gibt, entscheiden die Tarifpartner. test.de gibt einen Überblick.

Was bedeutet Altersteilzeit?

Das Altersteilzeitgesetz soll Beschäftigten ab dem 55. Geburtstag einen gleitenden Übergang in den Ruhestand ermöglichen, indem sie ihre Arbeitszeit in den Jahren vor der Rente reduzieren dürfen. Das ist das ursprüngliche Ziel des seit 1996 geltenden „Gesetzes zur Förderung eines gleitenden Übergangs in den Ruhestand“. Rund 90 Prozent der Arbeitnehmer in Altersteilzeit haben sich jedoch für das „Blockmodell“ entschieden. Sie haben also nicht ihre wöchentliche Arbeitszeit gleichmäßig reduziert. Vielmehr arbeiten sie in der ersten Hälfte der Altersteilzeit wie bisher Vollzeit. In der zweiten Hälfte, der „Freistellungsphase“, bleiben sie dann ganz zuhause. Sie nutzen die Altersteilzeit nicht für einen gleitenden Übergang, sondern für einen vorzeitigen Ruhestand.

Wie viel Geld bekommt ein Arbeitnehmer in Altersteilzeit?

Der Arbeitnehmer in Altersteilzeit bekommt mehr als 50 Prozent seines Gehalts. Laut Gesetz sind es 70 Prozent. Und die Beiträge zur Rentenversicherung sind so bemessen, als ob der Arbeitnehmer 80 Prozent seines vollen Gehalts bekäme. In vielen Branchen haben die Tarifpartner höhere Gehälter und höhere Rentenbeiträge vereinbart als vom Gesetz vorgeschrieben. So bekommt ein Beschäftigter in der Metallindustrie 82 Prozent seines ursprünglichen Nettoverdienstes, in der Versicherungsbranche wird das Gehalt auf 75 Prozent aufgestockt.

Wie fördert der Staat die Altersteilzeit?

Der Staat fördert die Altersteilzeit in zweierlei Hinsicht:

  • Der Betrag, mit dem das Teilzeitgehalt aufgestockt wird, ist von Steuern und Sozialabgaben befreit.
  • Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt die Mindestaufstockung des Gehalts um 20 Prozent unter einer Bedingung: Der Arbeitgeber muss den freiwerdenden (Teilzeit-)Arbeitsplatz mit einem Arbeitslosen oder einem zuvor Ausgebildeten besetzen.

Zurzeit übernimmt die Bundesagentur für Arbeit für 105 000 der rund 420 000 Arbeitnehmer in Altersteilzeit die Aufstockung des Gehalts.

Wie lange läuft die staatliche Förderung noch?

Ein Teil der staatlichen Förderung läuft Ende 2009 aus: Für neue Verträge ab Januar 2010 bekommt der Arbeitgeber keinen Zuschuss mehr für das Gehalt des Arbeitnehmers in Altersteilzeit. Die Beträge, mit denen der Arbeitgeber das Gehalt aufstockt, sind jedoch weiterhin von Steuern und Sozialabgaben befreit.

Der Aufstockungsbetrag muss – wie auch jetzt schon – in der Einkommensteuererklärung angegeben werden. Er zählt zum Einkommen, wenn das Finanzamt den jeweiligen Steuersatz des Arbeitnehmers feststellt. Mit diesem Satz wird dann aber nur das Einkommen ohne die Aufstockung besteuert.

Wann muss die Altersteilzeit beginnen, damit sie noch wie bisher staatlich gefördert wird?

Entscheidender Stichtag ist der 31. Dezember 2009. Bis dahin muss die Altersteilzeit spätestens begonnen werden. Es reicht nicht, wenn sie bis zu diesem Termin beantragt worden ist.

Ist Altersteilzeit auch nach 2009 noch möglich?

Möglich ist sie. Allerdings haben Arbeitnehmer – wie bereits jetzt schon – keinen Rechtsanspruch auf Altersteilzeit, wenn sie nicht in einem Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung geregelt ist.

Die Tarifverträge zur Altersteilzeit sind zum großen Teil bereits gekündigt. Gewerkschaften und Arbeitgeber verhandeln derzeit über eine Vereinbarung.

Vom Erfolg dieser Tarifverhandlungen hängt es ab, ob Altersteilzeit auch künftig für viele möglich ist. Sie kann aber auch nach 2009 immer noch individuell zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart werden.

Wer darf in Altersteilzeit gehen?

Arbeitnehmer, die mindestens 55 Jahre alt sind und innerhalb der letzten fünf Jahre vor Beginn der Altersteilzeit mindestens 1 080 Tage (also rund drei Jahre) sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren, können ihre Arbeitszeit um die Hälfte reduzieren.

Welche Varianten der Arbeitszeitreduzierung sind möglich?

Neben der gleichmäßigen Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit und dem „Blockmodell“ sind andere Varianten möglich. Bedingung ist lediglich, dass die Arbeitszeit während der Gesamtdauer der Altersteilzeit im Durchschnitt halbiert wird.
Beispiel: Ein Arbeitnehmer, der sechs Jahre Altersteilzeit vereinbart hat, arbeitet im ersten Jahr voll. Im zweiten Jahr reduziert er seine Arbeitszeit auf 70 Prozent, im dritten auf 50 Prozent, im vierten und fünften jeweils auf 40 Prozent und im sechsten Jahr bleibt er ganz zuhause. Im Durchschnitt dieser sechs Jahre hat er seine Arbeitszeit auf 50 Prozent der ursprünglichen Regelarbeitszeit reduziert.

Wie lange darf die Altersteilzeit insgesamt dauern?

Sie kann von der Vollendung des 55. Lebensjahres bis zum Beginn der Regelaltersgrenze vereinbart werden. Das gilt für alle Varianten der Altersteilzeit, wenn sie zum Beispiel in einem Tarifvertrag geregelt sind. Für individuelle Vereinbarungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber gibt es dagegen eine Einschränkung: Das Blockmodell können sie nur für bis zu drei Jahre vereinbaren. Soll die Gesamtzeit von Arbeits- und Freistellungsphase länger dauern, ist ein Tarifvertrag erforderlich. Individuelle Vereinbarungen über eine gleichmäßige Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit sind nicht eingeschränkt. Sie dürfen vom 55. Lebensjahr bis zum Renteneintritt vereinbart werden.
Beispiel: Wer 1953 geboren wurde und im Jahr 2008 mit 55 Jahren in Altersteilzeit geht, kann mit 65 Jahren und 7 Monaten die Regelaltersrente beanspruchen. Er kann Altersteilzeit also für 10 Jahre und 7 Monate vereinbaren und die ganze Zeit zu 50 Prozent arbeiten.

Ist nach Altersteilzeit auch ein vorzeitiger Rentenbeginn möglich?

Ja, allerdings nur für die, die vor 1952 geboren wurden. Wer 1952 oder später geboren wurde, kann nach der Altersteilzeit gar nicht mehr vorzeitig in Rente gehen. Für die Jahrgänge 1946 bis 1948 wird die Altersgrenze für die vorzeitige Altersrente nach Altersteilzeit stufenweise von 60 auf 63 Jahre angehoben. Die Jahrgänge 1949 bis 1951 können die gesetzliche Altersrente frühestens mit 63 Jahren beziehen und müssen einen Rentenabschlag von 7,2 Prozent in Kauf nehmen.

Können auch Teilzeitbeschäftigte in Altersteilzeit gehen? 

Ja, allerdings muss die Teilzeitbeschäftigung versicherungspflichtig sein.

Ist bei Ehepaaren ein Wechsel der Steuerklasse sinnvoll, bevor einer der Partner in Altersteilzeit geht?

Ja, wenn der Altersteilzeitler in Steuerklasse V oder IV war. Wechselt er vor der Altersteilzeit in die Steuerklasse IV oder III, erhöht sich der Nettolohn. Dadurch fällt der Zuschuss des Arbeitgebers höher aus, mit dem das Gehalt je nach Tarifvertrag auf 75 Prozent, 82 Prozent oder mehr des letzten Nettogehalts aufgestockt wird.

Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts ist der Steuerklassenwechsel aber nur möglich, wenn der Arbeitnehmer in Altersteilzeit immer noch mehr verdient als sein Partner. Ein Wechsel allein wegen eines höheren Lohnzuschusses sei ein Missbrauch des Wahlrechts zulasten des Arbeitgebers (Az. 9 AZR 554/02).

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