Steuer­vorteile für ältere Menschen gibt es nicht nur für Rentner: Wer Anfang des Jahres 64 war, erhält einen Frei­betrag für Einkünfte wie Gehalt, Zinsen, Mieten, Riester-Rente. Egal, ob im Job oder in der Rente.

Alters­entlastung – das Wichtigste in Kürze

Unser Rat

Voller Vorteil. Sie haben Anspruch auf den vollen Alters­entlastungs­betrag Ihres Jahr­gangs – auch wenn Sie die voll steuer­pflichtigen Einkünfte wie Gehalt, Mieten, Kapital­erträge nur einige Monate erhalten. Der Frei­betrag geht von der Summe dieser Einkünfte im Jahr ab.

Sofort wirk­sam. Die Entlastung muss der Chef beim Lohn­steuer­abzug oder das Finanz­amt bei der Steuererklärung je nach Geburts­datum von sich aus berück­sichtigen. Für Kapital­einkünfte greift der Frei­betrag aber erst über Ihre Steuererklärung, wenn Sie die Güns­tiger­prüfung in Anlage KAP ankreuzen.

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Steuer­vorteil für Ältere

Älter zu werden, kann derzeit bei der Steuer Vorteile bringen. Dafür muss Frau oder Mann noch nicht mal im Ruhe­stand sein. Es genügt, dass sie Anfang des Jahres 64 waren. Dann erhalten sie einen Alters­entlastungs­betrag für voll steuer­pflichtige Einkünfte wie Gehälter oder Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung.

Wie bekomme ich den Alters­entlastungs­betrag?

Sind Sie berufs­tätig und waren am 1. Januar 64 Jahre alt, berück­sichtigt Ihr Arbeit­geber bei der Gehalts­abrechnung auto­matisch einen Alters­entlastungs­betrag. Dadurch müssen Sie weniger Lohn­steuer zahlen und Ihr Netto­gehalt steigt.

Im Ruhe­stand muss das Finanz­amt den Alters­entlastungs­betrag von sich aus in Ihrer Steuererklärung von voll steuer­pflichtigen Einkünften wie Mieten oder Pacht abziehen, sodass Sie weniger Einkommen versteuern müssen und Steuern sparen.

Waren Sie am 1. Januar 2019 64 Jahre alt, beträgt für 2019 Ihr Alters­entlastungs­betrag 17,6 Prozent von voll steuer­pflichtigen Einkünften, maximal 836 Euro. Wurden Sie allerdings erst am 2. Januar 1955 geboren, steht Ihnen erst für das Steuer­jahr 2020 ein Entlastungs­betrag zu (Tabelle Aktuelle Freibeträge).

Geht der Alters­entlastungs­betrag von allen meinen Einkünften ab?

Nein. Müssen Sie zum Beispiel nur Ihre gesetzliche Rente versteuern, wirkt er sich für Sie über­haupt nicht aus, weil es hier einen extra Rentenfrei­betrag gibt. Das gilt auch für Pensionen, weil hier ein Pensions­frei­betrag abgeht. Aber für alle voll steuer­pflichtigen Einkünfte kommt der Entlastungs­betrag jeweils zum Zuge – bis der Maximal­betrag erreicht ist. Und zwar bei diesen Einkünften:

  • aus aktiver Berufs­tätig­keit,
  • aus Vermietung und Verpachtung,
  • voll steuer­pflichtige Renten wie Riester-Rente und betriebliche Renten oder Teile davon, die Sie voll versteuern müssen,
  • aus selbst­ständiger Tätig­keit und
  • aus Kapital­erträgen.

Wie hoch ist mein Alters­entlastungs­betrag?

Die Höhe hängt von Ihrem Geburts­jahr ab, denn für jeden neuen Jahr­gang sinkt der Alters­entlastungs­betrag. Erhalten Sie ihn für 2020 das erste Mal, sind 16 Prozent Ihrer voll steuer­pflichtigen Einkünfte steuerfrei, maximal 760 Euro im Jahr. Waren Sie am 1. Januar 2005 bereits 64 Jahre, bekommen Sie höchs­tens 40 Prozent, maximal 1 900 Euro. Für jüngere Jahr­gänge wird es immer weniger, bis der Frei­betrag ab 2040 ganz abge­schmolzen ist. Wer ab dem 2. Januar 1975 geboren ist, wird keinen mehr bekommen.

Können Ehepartner den Entlastungs­betrag zusammen nutzen?

Leider nein. Sie können zwar gemein­sam eine Steuererklärung einreichen, aber der Alters­entlastungs­betrag wird separat berechnet. Das Amt stellt für jeden Partner individuell Prozent­satz und Höchst­betrag fest und rechnet den individuellen Frei­betrag auf die Einkünfte des jeweiligen Part­ners an.

Schöpft einer den Entlastungs­betrag in einem Jahr nicht aus, lässt sich der verbliebene Teil nicht auf den anderen Partner über­tragen, sondern er verfällt.

Tipp: Mehr zum Thema Steuern und Rente finden Sie auf unserer Themenseite Steuertipps für Rentner.

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Aktuelle Frei­beträge

Wer zu Jahres­beginn 64 Jahre alt war, hat je nach Geburts­datum Anspruch auf einen Alters­entlastungs­betrag. Der Frei­betrag geht von diesen Einkünften ab: Gehälter, Kapital­erträge, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, aus selbst­ständiger Tätig­keit, aus privaten Veräußerungs­gewinnen, aus Riester-Renten, voll steuer­pflichtigen Zahlungen aus Pensions­fonds oder Pensions­kassen.

Geburt vor dem

Alters­entlastungs­betrag1

(Prozent)

Maximal (Euro)

Geburt vor dem

Alters­entlastungs­betrag1

(Prozent)

Maximal (Euro)

2. Januar 1941

40,0

1 900

2. Januar 1942

38,4 

1 824

2. Januar 1943

36,8 

1 748

2. Januar 1944

35,2 

1 672

2. Januar 1945

33,6 

1 596

2. Januar 1946

32,0

1 520

2. Januar 1947

30,4 

1 444

2. Januar 1948

28,8 

1 368

2. Januar 1949

27,2

1 292

2. Januar 1950

25,6

1 216

2. Januar 1951

24,0 

1 140

2. Januar 1952

22,4 

1 064

2. Januar 1953

20,8 

  988

2. Januar 1954

19,2

  912

2. Januar 1955

17,6 

  836

2. Januar 1956

16,0 

 760
(ab Steuer­jahr 2020)

    • 1 Beträge entsprechend der Tabelle in § 24 a S. 5 EStG.
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    Drei Beispielfälle

    Noch keine Lust auf Ruhe­stand?

    Sie sind noch berufs­tätig und waren zu Beginn des Jahres 64? Dann muss Ihr Arbeit­geber bei der monatlichen Gehalts­abrechnung einen Alters­entlastungs­betrag berück­sichtigen. Das erhöht Ihr Netto­gehalt.

    Beispiel. Anna Ebers (Jahr­gang 1955) denkt noch nicht an Rente. 2020 ist sie weiter in ihrem Job voll berufs­tätig. Weil sie Ende Dezember 2019 ihren 64. Geburts­tag gefeiert hat, erhält sie ab Januar 2020 einen Alters­entlastungs­betrag. Der beträgt 16 Prozent ihrer Gehalts­einkünfte, maximal 760 Euro im Jahr. Ein Zwölftel davon muss ihr Chef seit Januar bei ihrer monatlichen Gehalts­abrechnung berück­sichtigen: Statt rund 565 Euro Lohn­steuer inklusive Soli auf ihr monatliches Brutto­gehalt von 3 500 Euro werden durch den Entlastungs­betrag nur rund 544 Euro fällig.

    Fazit. Durch den Alters­entlastungs­betrag spart Ebers im Monat genau 21,45 Euro Lohn­steuer und Soli. Im Jahr hat sie dadurch immerhin 257 Euro (12 x 21,45 Euro) Plus.

    Tipp: Verbrauchen Sie – anders als die Frau im Beispiel – nicht den kompletten Alters­entlastungs­betrag, kann Ihr Arbeit­geber den restlichen Frei­betrag von Ihren anderen Einkünften wie Urlaubs- und Weihnachts­geld, Abfindungen oder Tantiemen steuer­mindernd abziehen.

    Entlastung auch für den Ehepartner?

    Sie und Ihr Ehepartner haben Einkünfte aus Vermietung oder Verpachtung? Dann senkt der Alters­entlastungs­betrag Ihre Steuerlast.

    Beispiel. Hans Heinig (Jahr­gang 1939) und seine Frau Erika (Jahr­gang 1950) werden 2020 voraus­sicht­lich 42 421 Euro Rente erhalten. Zudem vermieten sie eine Eigentums­wohnung, die beiden jeweils zur Hälfte gehört. Sie rechnen mit 6 000 Euro Miet­einkünften (nach Abzug der Werbungs­kosten): Hans erhält für seine anteiligen 3 000 Euro 1 200 Euro (40 Prozent) Alters­entlastungs­betrag, bei Erika gehen von ihren 3 000 Euro Einkünften 720 Euro (24 Prozent) Frei­betrag ab.

    Beispiel. Ohne Alters­entlastungs­betrag würde das Ehepaar rund 533 Euro mehr Steuern zahlen. Ihren maximalen Entlastungs­betrag würden beide ausschöpfen, wenn jeder 4 750 Euro Miet­einkünfte im Jahr erzielte: Erika bekäme 1 140 Euro Frei­betrag und Hans 1 900 Euro. Damit würden sie rund 831 Euro Steuern sparen.

    Tipp: Schöpfen Sie den vollen Entlastungs­betrag aus. Eventuell lohnt es, etwa Kapital­einkünfte (siehe Beispiel rechts) unter den Ehepart­nern neu zu verteilen. Über­tragen sollten Sie auf Ihren Ehepartner aber nur Vermögen bis zum Schenkungs­frei­betrag von 500 000 Euro.

    Zu hohe Abgeltung­steuer bezahlt?

    Sie erzielen 2020 mehr als 801 Euro (Ehepaare 1 602 Euro) Kapital­erträge wie Zinsen, Dividenden oder Kurs­gewinne? Dann kann ein Alters­entlastungs­betrag Steuern sparen.

    Beispiel. Andreas Kühn (Jahr­gang 1954), der seit 2017 in Rente ist, rechnet 2020 mit voraus­sicht­lich 19 977 Euro Bruttorente. Zudem wird er 1 801 Euro Zinsen erhalten: 801 Euro davon sind steuerfrei, auf die verbleibenden 1 000 Euro werden inklusive Soli 263,75 Euro Abgeltung­steuer fällig. Kühn muss seine Kapital­erträge nicht in der Steuererklärung angeben, sollte es aber tun. Beantragt er dort die Güns­tiger­prüfung, zieht das Finanz­amt von seinen 1 000 Euro steuer­pflichtigen Zinsen 176 Euro (17,6 Prozent) Alters­entlastungs­betrag ab.

    Beispiel. Kühn spart durch den Antrag auf die Güns­tiger­prüfung 86,75 Euro, weil sein Steu­ersatz nied­riger ist als die 25 Prozent Abgeltung­steuer. Auch wenn er noch nicht den Alters­entlastungs­betrag bekäme, würde er rund 48 Euro Steuern sparen.

    Tipp: Beantragen Sie die Güns­tiger­prüfung in Anlage KAP, Zeile 4, dann kommt statt der 25 Prozent Abgeltung­steuer Ihr persönlicher Steu­ersatz zum Zuge – aber nur, wenn dieser nied­riger ist als 25 Prozent und Sie keinen Nachteil dadurch haben.

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