Berufs­bild Fach­kraft Alten­pflege: Arbeit gibt es mehr als genug

Sichere Jobs in Hülle und Fülle. Weil tausende Fach­kräfte fehlen, können auch Ältere noch quer­einsteigen. Doch Interes­sierte müssen wissen: Die Arbeit ist heraus­fordernd und der Verdienst eher nied­rig.

1. Wie und wo arbeiten Fach­kräfte in der Altenpflege?

Alten­pfleger betreuen und pflegen hilfs­bedürftige ältere Menschen und nehmen pflegerisch-medizi­nische Aufgaben wahr. Sie arbeiten in Pflege- und Rehabilitationskliniken, Kurz­zeit­pfle­geeinrichtungen, Krankenhäusern, Tages- und Hauskranken­pflege­diensten. Sie können aber zum Beispiel auch für ambulante Dienste oder in Senioren­wohn­einrichtungen arbeiten oder in Pfle­gestütz­punkten beraten.

2. Welche Aufgaben haben Alten­pfleger?

Sie arbeiten in der Grund­pflege, auch direkte Pflege genannt, reichen zum Beispiel Essen. Der zweite Aufgaben­bereich ist die Behand­lungs­pflege, auch spezielle Pflege genannt. Darunter fällt zum Beispiel das Verabreichen von Injektionen. Sie haben aber auch psycho­sozial-pflegerische Aufgaben, etwa Gespräche mit Angehörigen, und sind organisatorisch tätig, dokumentieren zum Beispiel den Pfle­gepro­zess.

3. Welche Voraus­setzungen muss jemand mitbringen?

Voraus­gesetzt werden der Real- oder ein erweiterter Haupt­schul­abschluss, also eine zehnjäh­rige Schul­bildung, oder ein gleich­wertig anerkannter Bildungs­abschluss. Eine Alternative sind ein einfacher Hauptschul­abschluss und eine mindestens einjährige Ausbildung als Kranken- oder Alten­pfle­gehelfer oder eine sons­tige zweijährige Berufs­ausbildung. Interes­senten sollten körperlich belast­bar und psychisch stabil sein. Schließ­lich müssen sie unter hohem Zeit­druck viele, zum Teil schwer kranke und auch sterbende Menschen betreuen. Sie sollten bereit sein, Verantwortung zu über­nehmen, team­fähig, konfliktfähig und freundlich sein und gut kommunizieren können.

4. Wie wird man Fach­kraft in der Alten­pflege?

Die Ausbildung zur Fach­kraft ist seit 2003 bundes­weit einheitlich geregelt. Sie dauert in Voll­zeit drei Jahre und in Teil­zeit bis zu fünf Jahre. Die theoretische Ausbildung findet an Berufs­fach­schulen, Fachseminaren und Fach­schulen statt, die Praxis selbst lernen die Schüler in Alten­pfle­geeinrichtungen. Neben einem Alten­pfle­geheim, also einer stationären Alten­pfle­geeinrichtung, sind auch ambulante Dienste berechtigt, den praktischen Teil der Ausbildung zu über­nehmen. In Einzel­fällen lässt sich die Ausbildung mit einem weiteren Abschluss oder einem Hoch­schul­studium kombinieren. Auch die zweijäh­rige Ausbildung zum Pfle­geassistenten ist eine Berufs­ausbildung. Sie löst die bisher einjährige Ausbildung zum Pfle­gehelfer ab. Nicht voll­wertige Berufs­ausbildungen dagegen sind die unzäh­ligen zwei- bis zwölfmonatigen Qualifizierungen im Pflege- und Betreuungs­bereich.

5. Wie sind die Berufs­chancen in der Alten­pflege?

Die Berufs­chancen sind auch für fach­fremde Personen sehr gut. Prognosen zufolge wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2050 von derzeit 2,4 Millionen auf etwa 4 Millionen fast verdoppeln. Aufgrund des steigenden Anteils an hoch­betagten, über 80 Jahre alten Menschen wächst die Nach­frage in ambulanten und teil­stationären Versorgungs­einrichtungen auch nach Personal für die Pflege und Betreuung dementer Menschen.

6. Was verdienen Arbeits­kräfte in der Alten­pflege?

Das ist sehr unterschiedlich und hängt von der jeweiligen Funk­tion und Betriebs­zugehörig­keit ab. Es gibt keinen allgemein verbindlichen Tarif­vertrag. Öffent­liche Träger, etwa Kommunen, wenden in der Regel den Tarif­vertrag für den öffent­lichen Dienst (TVöD) an. 2008 verdiente demnach ein Berufs­anfänger etwa 1 800 Euro brutto, jemand mit 15 Jahren Berufs­erfahrung etwa 2 600 Euro. Einige private Träger haben einen eigenen Haus­tarif und kirchliche Träger vergüten meist nach eigenen Arbeitsvertrags­richt­linien (AVR). Seit Mitte 2010 gibt es einen Mindest­lohn für über­wiegend in der Pflege Tätige – auch für an- und ungelernte Arbeits­kräfte. Er liegt in den alten Bundes­ländern derzeit bei 8,50 Euro pro Stunde, in den neuen bei 7,50 Euro.

7. Ist es möglich, auch in höherem Alter quer­einzusteigen?

Ja. Anders als in vielen anderen Branchen kann es in der Alten­pflege durch­aus von Vorteil sein, Erfahrung aus anderen Branchen oder der Familien- oder Pfle­gearbeit mitzubringen. Eine Studie des Bremer Instituts für Public Health und Pflegeforschung kam zu dem Ergebnis, dass ältere Umschüle­rinnen besser auf die physischen und psychischen Belastungen des Jobs vorbereitet sind als jüngere Berufs­einsteiger. Ausbilder führen das auch darauf zurück, dass ältere Umschüler im Laufe ihres Lebens bereits mit so schwierigen Inhalten des Berufs wie Krankheit und Tod in Berührung gekommen sind.

8. Fördert die Bundes­agentur für Arbeit die Berufs­ausbildung?

Ja. Die dreijäh­rige Ausbildung zum Alten­pfleger und die kürzere zum Pfle­geassistent oder Alten­pfle­gehelfer sind zwei der wenigen Berufs­ausbildungen, die die Bundes­agentur für Arbeit ganz oder teil­weise über eine Umschulung fördert. Jede Agentur entscheidet jähr­lich neu, wie viele Bildungsgutscheine, also Förderzusagen, sie für diese Umschu­lungen ausgibt. Seit 2011 ist die Förderung für die dreijäh­rige Umschulung wieder auf zwei Jahre begrenzt. In so einem Fall muss der Träger der praktischen Ausbildung die Kosten für das dritte Ausbildungs­jahr über­nehmen. Aufgrund des Fach­kräfte­mangels fördern aktuell jedoch wieder viele Bundes­länder auch das dritte Ausbildungs­jahr, etwa Nord­rhein-West­falen, Nieder­sachsen, Schleswig-Holstein, Hessen und Bremen.

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