Alte Bauspar­verträge Special

Viele Bausparkassen wollen Altverträge mit hohen Zinsen loswerden. Betroffene wissen oft nicht, was sie tun sollen. Allgemeingültige Empfehlungen zu geben, ist schwierig: Zu verschieden sind die Tarife und die jeweiligen allgemeinen Bedingungen für Bauspar­verträge. Daher haben manche Kunden gute Chancen, sich zu wehren – andere hingegen nicht. Finanztest erklärt, wie die Bausparkassen vorgehen, und wann Kunden sich wehren sollten.

Zehn­tausende Kunden betroffen

Vor einigen Jahren buhlten die Bausparkassen geradezu um das Geld der Verbraucher. Sie schufen sogar eigens Tarife für Sparer, die von vorn­herein kein Bauspardarlehen wollten. Für den Verzicht darauf winkten sogar Zins­boni. Nun sind die einst begehrten Sparer nicht mehr gern gesehen. Bausparkassen kündigen ihre Verträge, lehnen Einzahlungen ab, fordern weiteres Geld oder interpretieren ihre Bedingungen so, dass den Kunden Belohnungen nun doch nicht mehr zustehen. Betroffen sind zehn­tausende Kunden sowohl privater Bausparkassen wie Wüstenrot als auch öffent­lich-recht­licher Landes­bausparkassen (LBS) bundes­weit. Bislang haben sich nur untere Instanzen im Einzel­fall mit dem Thema befasst, eine höchst­richterliche Entscheidung steht noch aus. In einer Infografik bildet Finanztest verschiedene Szenarien ab und erörtert die jeweiligen Erfolgs­aussichten für die Kunden.

Umstrittener Kündigungs­grund

Klar ist, dass Kunden wenig tun können, wenn ihr Vertrag schon die vereinbarte Bausparsumme erreicht oder über­schritten hat. Trotzdem lohnt ein Blick in die allgemeinen Bedingungen, denn es kann sein, dass ein Kunde auch dann weitersparen darf. Schwieriger ist die Lage, wenn die Bausparkassen neue Auswege suchen, wie mehrere Landes­bausparkassen (LBS). Sie kündigen, wenn es mehr als zehn Jahre her ist, seit sie den Vertrag zugeteilt, dem Kunden also das Bauspardarlehen angeboten haben. Verbraucherschützer bezweifeln, dass die Bausparkassen Altverträge auf diese Weise aufkündigen können.

Bausparkassen neuerdings stur bei Sparrate

Weniger flexibel zeigen sich die Bausparkassen bei der Höhe der Sparraten. Früher durften Kunden mehr oder weniger beliebig viel einzahlen. Nun fordern Bausparkassen Geld nach, wenn weniger als der Regelsparbeitrag aufs Guthaben­konto fließt. Leistet ein Kunde keine Folge, liefert er der Bausparkasse einen Kündigungs­grund. Wer mehr als den Regelsparbeitrag über­weist, muss damit rechnen, dass die Bausparkasse das Geld ablehnt – selbst wenn im Antrag schon eine höhere Sparrate angegeben war. In solchen Fällen haben Verbraucher vermutlich gute Chancen, sich zu wehren. Denn sie konnten nicht ahnen, dass sich die Bausparkasse später nicht an die Sparrate im Antrag gebunden fühlt. Finanztest sagt, worauf Kunden achten müssen, die auf die staatliche Förderung setzen, und gibt Tipps, wie sie auf eine Kündigungs­drohung reagieren sollten.

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