Alte Bausparverträge Meldung

Viele alte Bausparverträge bringen Spitzenzinsen von 4 bis 5 Prozent im Jahr und zusätzliche Prämien vom Staat. Sparer sollten sie so lange wie möglich nutzen.

In den Neunzigern überboten sich die Bausparkassen mit Hochzinsverträgen: Zusätzlich zum damals eher mageren Basiszinssatz von 2 bis 3 Prozent versprachen sie einen fetten Zinsbonus für den Fall, dass der Sparer später auf sein Bauspardarlehen verzichtet und nur sein Geld verzinst zurückwill. So wurde Bausparen auch für Menschen interessant, die keine oder vage Pläne für die eigenen vier Wände hatten.

Ob BHW, Schwäbisch Hall, Wüstenrot oder Landesbausparkassen: Allein in den Finanztest-Vergleichen zwischen 1997 und 2002 ermittelten wir mehr als 40 ­Tarife, die Bausparern mit Zins und Bonus eine Guthabenverzinsung von mindestens 4, in der Spitze sogar 5 Prozent bescheren.

Für die Finanzierung der eigenen vier Wände taugen solche Verträge heute nicht. Denn das Bauspardarlehen aus diesen Tarifen ist inzwischen viel teurer als das Hypothekendarlehen einer Bank.

Fürs reine Sparen entpuppen sich die Alttarife jedoch als kleine Schätze: Das Geld ist auf dem Bausparkonto absolut ­sicher angelegt, bringt derzeit ungefähr doppelt so viel Zinsen wie Festgeld und ist trotzdem bei Bedarf kurzfristig verfügbar.

Auf jährliche Sparbeiträge und Zinsgutschriften von zusammen bis zu 512 Euro (Ehepaare 1 024 Euro) erhalten viele Bausparer außerdem 8,8 Prozent Wohnungsbauprämie vom Staat. Voraussetzung ist, dass ihr zu versteuerndes Einkommen 25 600 Euro (Ehepaare bis 51 200 Euro) nicht übersteigt.

Für die Bausparkassen sind die alten Renditetarife heute ein schlechtes Geschäft. Ihren Neukunden bieten sie schon längst nur geringere Guthabenzinsen an.

Viele Kassen haben die Flexibilität ihrer hoch verzinsten Alttarife beschränkt: Eine Erhöhung der Bausparsumme ist in aller Regel nicht mehr möglich. Immer mehr Kassen lehnen Sonderzahlungen des Bausparers ab und überweisen das Geld zurück. Diese Hintertür haben sie sich in den Bausparbedingungen offen gehalten.

Die hohen Zinsen können Bausparer aber weiter kassieren, wenn sie den Vertrag nicht selbst kündigen oder die Zuteilung annehmen. Und die vereinbarten monat­lichen Sparraten dürfen sie zumindest so lange weiterzahlen, bis ihr Guthaben die volle Bausparsumme erreicht. Das kann noch viele Jahre dauern.

Die Bausparkassen teilen den Vertrag zwar schon viel früher zu – meist tun sie das einige Monate, nachdem der Bausparer das Mindestguthaben von 40 oder 50 Prozent der Bausparsumme angespart hat. Doch Bausparer müssen die Zuteilung nicht annehmen.

Sie können munter weitersparen. Die Zuteilung können sie jederzeit neu beantragen, um kurzfristig an ihr Guthaben zu kommen.

Vor einem zu frühen Ausstieg sollten sich Bausparer in jedem Fall hüten. Oft zahlen die Kassen den Zinsbonus nur auf Verträge, die schon zugeteilt sind oder eine bestimmte Bewertungszahl erreicht haben. Die meisten verlangen zudem eine Vertragslaufzeit von mindestens sieben Jahren. Und wer den Vertrag vorher kündigt, verliert auch noch die staatliche Förderung.

Die beste Devise lautet daher: Alte Renditeverträge hüten und bis zum Geht-nichtmehr weitersparen.

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