Aloe Vera Meldung

Aus der Wüste auf moderne Märkte geschickt: Aloe Vera. Sie soll schön machen, gesund halten und heilen.

Das Geschäft mit der Wüstenlilie Aloe Vera blüht. Im Kühlregal von Supermärkten stehen Joghurts, die ihr Fruchtfleisch enthalten. Und manches Etikett von Duschbädern, Shampoos und Körperlotionen beruft sich auf feuchtigkeitsspendende Zusätze aus ihren Blättern. Oft geht es bei Aloe-Vera-Produkten aber um mehr als guten Geschmack oder ein schönes Hautgefühl. Nicht selten wird Gesundheit versprochen. Zum Beispiel an einem Stand in einem Berliner Einkaufszentrum. Dort preisen Händler der Firma Herbalife ein Aloe-Vera-Saftkonzentrat für 25,65 Euro je knappen Viertelliter an: „Nehmen Sie täglich etwas davon. Das stärkt Abwehrkräfte und bekämpft Krankheitsherde.“

Mit Lobpreisungen auf Aloe Vera überbieten sich auch Ratgeber, Internet und Flugblätter. Meist erzählen sie von einem einzigartigen Wirkstoffgefüge, das mal 160 Substanzen, mal 450 umfasst. Die Aufklärung bleibt dabei auf der Strecke.

Aloe für die Schönheit

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Auf der Fensterbank wächst Aloe Vera auch zu Hause.

Es klingt so logisch: In der Natur kommt Aloe Vera monatelang ohne Regen aus, weil die Blätter viel Wasser speichern. So wie sich die ganze Pflanze vor dem Austrocknen wappnen kann, sollen ihre Bestandteile auch die menschliche Haut davor schützen. Die Hoffnung ist alt. Schon Kleopatra hielt ihre Haut angeblich mit dem frischen Gel aus Aloe-Vera-Blättern straff und elastisch. Und seit in den 50er Jahren erste wissenschaftliche Studien eine mögliche Feuchtigkeitsanreicherung der Haut durch Aloe Vera bestätigten, mischen Kosmetikhersteller Extrakte der Wüstenlilie in ihre Ware. Blieb Aloe Vera früher in der Auflistung der Inhaltsstoffe unauffällig, strahlt ihr Name heute über das ganze Produkt.

Doch ob Aloe Vera auf der Haut etwas bewirkt, hängt ganz vom Produkt ab. Keine zusätzlichen Feuchtigkeitsspenden sind zu erwarten, wenn Aloe Vera in ausspülbaren Kosmetika wie Duschgel oder Shampoo steckt. Der Grund: Beides bleibt zu kurz auf Haut und Haaren. Entsteht nach einer Haarwäsche mit Aloe-Vera-Haltigem der Eindruck einer verbesserten Haarstruktur, liegt das wohl an anderen pflegenden Substanzen.

In Cremes und Körperlotionen können Aloe-Vera-Bestandteile mehr ausrichten, weil sie in die Haut einziehen. Wenn dann Konzentration und Qualität dieser Pflanzenzusätze stimmen, können sie die Haut zusätzlich pflegen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält das Gel vom frisch abgeschlagenen Blatt für das beste Aloemittel, weil bei der Verarbeitung zu Kosmetika einige Inhaltsstoffe an Aktivität einbüßen können.

Aus Tiegel oder Tube bieten Aloe-Vera-Produkte nach Einschätzung von Branchenexperten auch nur bedingt einen Sonnenschutz. Denn die für Kosmetika aufbereitete Rohware sei in der Regel arm an den Inhaltsstoffen Aloin und Anthrachinonen. Die können zwar als schwacher natürlicher UV-Filter wirken, sind sonst aber wegen ihrer stark abführenden Eigenschaften unerwünscht.

Wirkt im Darm, böse Folgen möglich

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Gel aus einem frisch abgeschlagenen Blatt...

Bevor Aloe Vera zur Wellness- und Gesundheitspflanze geadelt wurde, hatten Aloe-Produkte kein so attraktives Image: Sie waren ein populäres Abführmittel in Deutschland. Noch heute wird vor allem aus Aloe Capensis und Aloe Ferox ein Granulat gewonnen, das reich am abführend wirkenden Aloin ist. Auch Anthrachinone können enthalten sein, die bei Daueranwendung zu schweren Störungen des Wasser- und Elektro­lyt­haushalts führen können. Weil die Substanzen und Aloin unter Verdacht stehen, bei Daueranwendung Krebs zu erzeugen und das Erbgut zu schädigen, rät das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, die apothekenpflichtigen Aloe-Abführmittel nicht länger als zwei Wochen lang einzunehmen.

Aloe fürs Wohl und die Gesundheit

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...heilt kleine Wunden und pflegt auch die Haut.

Den Saft von Aloe Vera trinken, ihr Fleisch essen: Beides war bis vor wenigen Jahrzehnten unüblich. Zu groß schien die Gefahr, dass die abführend wirkenden Substanzen von der äußeren Pflanzenschicht ins Lebensmittel gelangten. Heute hilft ein technologisches Verfahren, diese Inhaltsstoffe zu entfernen. Und so stehen immer mehr Drinks aus den dicken Blättern im Handel. Dafür werden entweder die ganzen Blätter extrahiert oder das gelige Fleisch gepresst.

Was als Aloe-Vera-Saft angeboten wird, lässt sich mit gepresstem Frucht- und Gemüsesaft aber nicht direkt vergleichen. Denn die lebensmittelrechtlich noch undefinierten Aloe-Vera-Trünke enthalten mitunter mehr Konservierungsstoffe als sonst bei Säften üblich.

20 bis 60 Euro pro Liter

Bei Literpreisen von oft 20 bis zu 60 Euro empfehlen sich Aloe-Getränke nicht gerade als Durstlöscher. Eher als Nahrungsergänzungsmittel. Ein Schnapsgläschen am Tag soll laut Internet-Literatur zum Beispiel helfen, „die Zellen zu nähren, zu reinigen und die Widerstandskräfte des ganzen Organismus zu stärken“.

Solche Versprechen führen aber in die Irre. Ein Nutzen von Aloe-Vera-Säften als Nahrungsergänzungsmittel ist nach Einschätzung von Experten der Universität Hannover wissenschaftlich nicht hinreichend belegt. Was an Vitaminen, Mineralstoffen und Enzymen in diesen Getränken stecke, könne leicht über andere Lebensmittel wie reichlich Obst und Gemüse zugeführt werden. Viele Bioaktivstoffe dürfte der Saft ohnehin nicht enthalten, weil er oft aus dem Gel gewonnen wird. Und das besteht zu rund 98,5 Prozent aus Wasser. Der Anteil an Kohlenhydraten beträgt rund 0,3 Prozent. Als Stimulans für das Immunsystem wird der Mehrfachzucker Acemannan besonders beschworen. Er gehört in die Familie der Glykoproteine, die im menschlichen Körper als Bausteine für Haut, Gefäße und Gelenke wichtig sind. Laut Aloe-Vera-Werbung muss sich der Mensch Ace­mannan mit der Nahrung unbedingt zuführen, weil sein Körper die Produktion von der Pubertät an stoppe. Seriöse klinische Studien und einschlägige Literatur aber bestätigen das so nicht.

Doktor Aloe für alles Mögliche

In Mittelamerika, Indien und den angelsächsischen Ländern gehört Aloe Vera seit Jahrhunderten zur Naturapotheke. Mit dem frischen Gel behandeln die Menschen dort Brandwunden, Sonnenbrand, Frostbeulen, Abschürfungen, kleine Schnitte, Blasen, leichte Verbrennungen und auch Ausschlag.

Eine Reihe klinischer Studien gibt den Volksmedizinern Recht. Danach können Kohlenhydrate wie Acemannan äußerlich die oberflächliche Hautheilung vorantreiben, Salizylsäure kann leichte Entzündungen hemmen. Aber Achtung: Das Gel eignet sich nicht, um tiefe Wunden zu behandeln. Auch anderswo stößt Doktor Aloe an medizinische Grenzen. Für eine Stärkung des Immunsystems fehlen ebenso überzeugende wissenschaftliche Belege wie für Heilerfolge bei ernsten Erkrankungen. Vollkommen falsche Hoffnungen wecken Erfahrungsberichte von Menschen, die angeblich dank Aloe Vera von Krebs und Diabetes mellitus genesen sind. Solche Geschichten verführen oft dazu, eine anerkannte schulmedizini­sche Therapie zu vernachlässigen.

Immerhin gibt es einige Hinweise, wonach Aloe-Vera-Mittel die Behandlung von Akne, Schuppenflechte und Neurodermitis unterstützen könnten.

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