Urlaub ohne Nebenkosten liegt im Trend. „All inclusive“ ist jedoch ein schwammiger Begriff. Wir haben in 29 All-inclusive-Anlagen in der Türkei und der Dominikanischen Republik untersucht, was wirklich geboten wird.

„Entfliehen Sie dem Teuro“, hieß es im Sommer in etlichen Reiseanzeigen. Wer dem Ruf gefolgt ist, wird dem Teuro öfter begegnet sein, als ihm lieb war. Denn viele Händler und Wirte rund ums Mittelmeer haben die Euro-Umstellung zu weitaus saftigeren Preisaufschlägen missbraucht, als es hierzulande der Fall war. Durch happige Nebenkosten wurde manch preiswerter Trip zum teuren Vergnügen.

Kein Wunder, dass trotz flauer Buchungszahlen All-inclusive-Reisen zurzeit einer der wenigen Renner in der Touristik sind. Immer mehr Pauschalurlauber wollen sich in den schönsten Wochen des Jahres keine Gedanken darüber machen, was ein Glas Wein, der Imbiss zwischendurch oder ein Sonnenschirm am Strand kostet. Mit dem Pauschalpreis haben sie das meiste bezahlt, Nebenkosten werden damit zur Nebensache.

Doch die Geister scheiden sich beim Stichwort All inclusive. Was die einen als entspanntes Urlaubsvergnügen sehen, ist für andere eine Horrorvorstellung: Die Verächter, in der Regel eingefleischte Individualtouristen, verbinden mit dieser Urlaubsform meist Touristenghettos, Alkoholexzesse, Schlachten am kalten Büfett und alberne Animationsspielchen.

Unser Eindruck von 29 Anlagen an der türkischen Riviera und in der Dominikanischen Republik sieht etwas anders aus. Von permanent volltrunkenen Touristen keine Spur. All-inclusive-Urlauber dösen zwar die meiste Zeit am Strand oder am Pool, und Essen gehört tatsächlich zu den Hauptbeschäftigungen. Das Freizeit- und Sportangebot wird aber auch eifrig genutzt und viele verlassen die Anlagen, um das Gastland auf organisierten Tagesausflügen zu erkunden.

Doch damit stoßen sie auch schon an die Grenzen der Alles-drin-Angebote. Denn nicht alle Sportarten sind im Preis enthalten. Wer motorisierten Wassersport (zum Beispiel Jet-Ski, Wasserski, „Banane“) betreiben will, zahlt in der Regel ebenso drauf wie Tauchfans.

Ausflüge werden immer extra berechnet, auch in den besten Anlagen, die Super- oder Ultra-all-inclusive versprechen. Das mag man noch hinnehmen. Ärgerlich ist aber, wenn die Inklusivleistungen am Ausflugstag wegfallen. Zum Ausflugspreis kommen dann oft noch Kosten für Essen und Trinken.

Was im Pauschalpreis enthalten ist

All inclusive meint: Vollpension und lokale Getränke, einige Sportarten wie Volleyball, Tischtennis und Surfen, Animation und Abendshows sowie Kinderangebote und -betreuung sind im Pauschalpreis enthalten.

Die umfangreichsten Inklusivleistungen im Test bietet der Club Magic Life Sirene City Imperial im türkischen Belek. Das österreichische Unternehmen Magic Life, in Deutschland exklusiv bei Tui, hat insgesamt 23 All-inclusive-Clubs in sechs Ländern im Programm. All inclusive à la Magic Life gibt es in zwei Varianten: Classic und Imperial. Schon das Classic-Angebot übertrifft meist das andernorts Übliche. So sind zum Beispiel Spezialitätenrestaurants, Wasserski, Schnuppertauchen, „Banane“ und sogar ein Friseurbesuch im Preis enthalten. In Imperial-Anlagen wird bei Sport und Unterhaltung noch etwas draufgelegt.

Testsieger Magic Life ist allerdings auch bei den Preisen in der Türkei führend. So kosten zwei Wochen in der Hochsaison in unserer Vergleichsrechnung 1 318 Euro. Wer zu Abstrichen bereit ist, kann den All-inclusive-Urlaub in der Türkei schon für rund ein Viertel weniger buchen. Zum Beispiel im Hotel Kamelya World in Side-Colakli, dass bei Tjaereborg und ITS zu gleichen Reisebedingungen schon für unter 980 Euro zu haben ist.

Chaos durch Überbuchung

Auch wenn das Angebot im Magic Life Club gegenüber den anderen getesteten Anlagen in der Türkei um Klassen besser ist, haben wir einige Kritikpunkte. So ist der Komfort der Unterkünfte sehr unterschiedlich. In der weitläufigen Anlage gibt es zwei Hotels, vier Bungalowgebäude und fünf Villen mit insgesamt elf Zimmertypen, die kein einheitliches Bild abgeben. So sind die Unterkünfte im neueren Palace-Gebäude wesentlich komfor­tabler und ruhiger als die im älteren Terrassenbau Residence. Und viele Urlauber beklagten sich, dass sie nicht die gewünschten Zimmer bekamen. So wurden Eltern und Kinder in getrennte Doppelzimmer gesteckt anstatt in die gebuchten Familienzimmer oder Suiten. Grund: Der Club war stark überbucht.

Kein Einzelfall übrigens. Auch in anderen Anlagen in der Türkei schilderten uns die Gäste teilweise chaotische Verhältnisse aufgrund von Überbuchungen.

Das Urteil der Gäste

Wir haben die Ferienanlagen nicht nur genauestens inspiziert, sondern auch die Gäste nach ihren Eindrücken befragt. Dass das Urlauberurteil meist besser ausfiel, hat uns nicht überrascht. Wer in Ferienstimmung ist, sieht manches positiver als ein neutraler Tester, der viele Anlagen miteinander vergleichen kann.

Dennoch brachte die Auswertung der Fragebögen interessante Ergebnisse. So bestätigten die Urlauber den insgesamt höheren Standard in der Dominikanischen Republik gegenüber der Türkei. Deutliche Vorteile hat das karibische Ziel beim Essen und Trinken, bei den Stränden und beim Wassersport. Das schlägt sich auch in einer erheblich besseren Einschätzung des Preis-Leistungs-Verhältnisses nieder.

Bei der Gesamtbeurteilung des Urlaubs liegt Neckermann Reisen insgesamt vorn, in der Dominikanischen Republik haben Air marin und Tui jedoch noch ein Quäntchen besser abgeschnitten. Allerdings variiert das Gesamturteil der befragten Gäste nicht stark, es schwankt oft nur zwischen „sehr gut“ und „gut“.

Es gab aber auch Klagen. Am häufigsten monierten die Urlauber die nicht ausreichende Zahl von Liegen am Pool und am Strand. Manche sind deshalb schon vor Gericht gezogen – aber ohne Erfolg. Das Amtsgericht Duisburg entschied sogar, dass es ausreiche, wenn für 20 Prozent der Gäste Liegen und Schirme vorhanden seien (Az. 53 C 5169/01).

Bei der Animation gingen die Meinungen mitunter weit auseinander. Was die einen „ganz toll“ fanden, löste bei anderen eher Kopfschmerzen aus. Wer Poolspiele und Ringelpiez nicht mag, ist in großen Anlagen mit animationsfreien Zonen am besten aufgehoben.

Obwohl die Verpflegung von den Urlaubern meist positiv bewertet wurde, sind mitunter Abstriche zu machen. So hat die Hälfte der türkischen Anlagen keine Spezialitäten-Restaurants. Auch wenn die Büfetts variieren, entsteht hier doch bald der Eindruck einer gewissen Eintönigkeit.

Noch kritischer sieht es bei den Getränken aus. Das einheimische Angebot erfüllt vor allem beim Wein oft nur niedrigste Ansprüche. Internationale Getränke müssen jedoch fast immer extra bezahlt werden. Auch für frisch gepresste Säfte wird kräftig abkassiert. Zudem sind die All-inclusive-Zeiten begrenzt. Rund um die Uhr ist eher die Ausnahme. Nach Mitternacht sind Getränke in vielen Clubs höchstens noch in der Discothek inklusive. Sonst heißt es: zahlen.

In der Karibik besser und teurer

In der Dominikanischen Republik ist die Gastronomie oft etwas besser. Neben dem Büfett gibt es hier immer noch mindestens ein Restaurant, in dem Spezialitäten serviert werden. Dazu gehören oft auch frischer Fisch und Krustentiere, was an der türkischen Riviera nur selten auf den Tisch kommt. Internationale Getränke und Cocktails sind in den karibischen Clubs ebenfalls häufiger im Preis enthalten und – Vorteil der Lage – es gibt exotische Früchte satt.

Die Zeiten, in denen man in der „DomRep“ billig Urlaub machen konnte, sind allerdings vorbei. Zu Recht, denn die Insel erfüllt durchaus das Karibikklischee aus der Bacardi- oder Langnese-Werbung: lange weiße Sandstrände, türkisfarbenes Meer, Kokospalmen. Vor allem im Gebiet um Punta Cana gibt es herrliche Strände – aber fast keine Infrastruktur. So reiht sich am kilometerlangen Strand ein All-inclusive-Club an den anderen, meist von der teureren Sorte.

Zum Beispiel das riesige Barceló Bávaro Beach Resort, das auf einem weitläufigen Gelände fünf verschiedene Hotelanlagen vereint. Zwei haben wir begutachtet. Obwohl viele Einrichtungen von allen Gästen genutzt werden können, hat das näher zum Strand gelegene Barceló Bávaro Garden etwas besser abgeschnitten als das Casino-Hotel.

Der Trend zum Alles-drin-Urlaub setzte sich Mitte der neunziger Jahre mit Angeboten in der Dominikanischen Republik und in Mexiko durch. Aus ganz pragmatischen Gründen. Viele neue Hotels lagen weitab vom Schuss. Es gab einfach nichts, wo die Urlauber hingehen konnten. Und wenn, war die Sicherheit der Gäste nicht garantiert. So entstanden immer mehr gut bewachte „Ferienparadiese“ mit Rundum-Versorgung.

Die neue Urlaubsform fand bei den Gästen so viel Anklang, dass sie auch in den traditionellen Zielen am Mittelmeer, wo die Verhältnisse es eigentlich nicht erfordern, immer häufiger angeboten wird.

Durch die längere Erfahrung und die Ausrichtung am amerikanischen Markt kann die Dominikanische Republik mit einem breiteren Spitzenfeld aufwarten als die Türkei. Trotzdem haben wir wenige deutsche Touristen angetroffen. Die höheren Preise und die Angst vor Transatlantikflügen nach dem 11. September 2001 haben den Urlauberstrom deutlich dezimiert. Am traurigsten sah es im Club Alltoura Barceló Bávaro Village aus, der gerade mal von drei deutschen Paaren gebucht war. Das teilweise schwache Angebot dieser Anlage ist sicher auch auf die geringe Auslastung zurückzuführen.

Gut geeignet ist der All-inclusive-Urlaub für Familien. Die Eltern müssen zum Beispiel nicht alle naselang das Portmonee zücken, um ihren Kindern eine Cola oder ein Eis zu kaufen. Außerdem ist die Betreuung der Kleinen im Miniclub im Preis enthalten. Familienzimmer oder Suiten bieten für Eltern und Kinder wesentlich mehr Komfort als das klassische Doppelzimmer mit Zustellbett. Sie sind aber auch teurer.

Preise vergleichen!

Um nicht unnötig draufzuzahlen, sollten unbedingt die Preise verglichen werden. Die getesteten Anlagen werden meist von mehreren Veranstaltern angeboten. Wie unsere Tabellen zeigen, lassen sich, wenn der richtige Anbieter gewählt wird, pro Person oft zwischen 100 und 200 Euro sparen. Besonders groß ist der Unterschied beim Hotel Cesars im türkischen Side, das gerade noch mit „befriedigend“ abgeschnitten hat. Tjaereborg bietet es für unser Modell (zwei Wochen Hochsaison ab Frankfurt/Main) schon für 793 Euro pro Person an. Wer bei Öger bucht, muss 1 060 Euro hinblättern: satte 267 Euro Preisunterschied.

Der „Alles-schon-bezahlt-Urlaub“ hat für die bereisten Länder auch seine Schattenseiten. Wer in der Ferienanlage alles bekommt, der gönnt sich außerhalb kaum noch ein Bierchen oder ein gutes Essen. Die Folge: Einheimischen Kneipen- und Restaurantbesitzern geht es schlecht. So versucht der örtliche Handel mit teilweise geradezu rührenden Aktionen mit den Urlaubern ins Geschäft zu kommen. Direkt vor dem Eingang des Majesty Club Palm Beach in Side-Manavgat steht beispielsweise ein großes Schild mit der Aufschrift: „200 Geschaften in Dorf. Alles zu halben Preis.“

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