Alkoholfreies Weizenbier Test

Hefeweizen ohne Alkohol ist ein kalorien­armer Durst­löscher, wie unser Test beweist. Als Sport­lergetränk eignet sich aber keines der 20 Biere optimal.

Seit Jahren trinken die Deutschen immer weniger Bier, eine Sorte allerdings widersetzt sich diesem Trend: alkoholfreies Bier, insbesondere Hefeweizen ohne Alkohol. Ob in der Mittags­pause, in der Auto­bahnrast­stätte oder nach dem Wandern – es löscht den Durst erfrischend und ist dabei ähnlich kalorien­arm wie Apfelsaft­schorle. Der Markt wächst, viele Brauereien kommen nicht mehr ohne alkoholfreies Weizenbier aus.

Hefeweizen auch aus Vorpommern

In Bayern wird das auch Weiß­bier genannte Weizenbier mit langer Tradition gebraut – doch nicht nur dort: Schon zur Hanse­zeit war es selbst in Stralsund beliebt. Auch die alkoholfreien Hefeweizen im Test kommen nicht nur aus dem Süden: In Hessen (Justus aus Pfungs­tadt), Nord­rhein-West­falen (Krombacher) und Vorpommern (Störtebeker aus Stralsund) setzen die Brauereien ebenfalls auf Weizen ohne Prozente. Sie bewerben es als gesund und scheuen in Aussagen zum Geschmack oft auch nicht den Vergleich zum alkoholhaltigen Original.

Kein Vergleich zum Alkoholhaltigen

Alkoholfreies Weizenbier Test

Das typische alkoholfreie Hefeweizen im Test hat eine helle Farbe. Doch je dunkler das einge­setzte Malz, desto dunkler auch das Bier: Das Farb­spektrum reicht von sehr hell über bern­stein­farben bis relativ dunkel.

Doch eine geschmack­lich allzu große Nähe zu alkoholhaltigem Weizenbier sollte niemand erwarten, wie der Test offen­bart (siehe Text Im Vergleich zum Original). Das war für uns aber auch nicht ausschlag­gebend. Bei den 20 alkoholfreien Weizenbieren im Test haben wir Fehler in der Sensorik bewertet, wie lange der Schaum hält und wie gut sie sich als Durst­löscher für jedermann und für besonders Aktive beim Sport eignen. Außerdem ging es um die mikrobiologische Qualität, die Auslobungen auf den Flaschen und um Schad­stoffe, die aber – so viel vorweg – in keinem Fall eine Rolle spielten.

Mehr als jedes Zweite ist „gut“

Insgesamt „gut“ sind zwölf alkoholfreie Weizenbiere, darunter bekannte Marken wie Erdinger, Franziskaner, Krombacher und Schöfferhofer, aber auch das güns­tige Original Oettinger und das aus Biozutaten gebraute Neumarkter Lamms­bräu.

Graf Arco und Schön­buch sind Letzte

Graf Arco und Schön­buch schneiden dagegen „mangelhaft“ ab. Sie enthielten lebende Milchsäurebakterien, die zwar nicht der Gesundheit, aber dem Bier schaden. Die Brauer können sie einsetzen, um die Würze zu säuern, im fertigen Bier sollten aber keine lebenden Milchsäurebakterien enthalten sein. Sie können das Bier verderben, denn sie wandeln den Zucker aus dem Braumalz nicht wie Hefe in Alkohol um, sondern in Milchsäure. Und das ist zu schme­cken. Graf Arco und Schön­buch waren im Test sensorisch nur „ausreichend“. Beide rochen und schmeckten wahr­nehm­bar muffig, dafür gab es Abzüge.

Selt­sames nahmen die Prüfer auch bei Justus wahr: Es roch schwach nach gekochtem Gemüse, das ist untypisch für Weizenbier.

Gewürznelke, Wald­honig, Banane

Die anderen 17 Biere im Test rochen und schmeckten rundum „gut“, wenn auch unterschiedlich: Sie sind mal mehr, mal weniger süßlich, säuerlich und malzig. Und sie variieren in den Aromanoten Gewürznelke, Wald­honig und Banane. Unsere sieben Prüf­personen, die ihre Nasen und Gaumen auf Weizenbier trainiert haben, verkosteten jedes Produkt zweimal anonymisiert.

Tipp: Die Beschreibungen in den Tabellen und Test­kommentaren helfen Ihnen, Ihr alkoholfreies Lieblings­weizen zu finden.

Bei Kapuziner hielt der Schaum nicht

Wie beim alkoholhaltigen Weizenbier spielt die Schaumkrone auch beim alkoholfreien eine wichtige Rolle. Beim Testsieger Schneider Weisse hielt sie am längsten, bei Kapuziner fiel sie am schnellsten zusammen. Für eine schöne „Blume“ kommt es aber auch darauf an, richtig ins Glas einzuschenken (siehe Tipps).

Kalorien etwa wie bei Apfelschorle

Dass alkoholfreies Weizen so beliebt ist, liegt auch an seinem gesunden Image. Im Test kommt es durch­schnitt­lich auf 23 Kilokalorien pro 100 Milliliter und liegt mit Apfelschorle etwa gleich­auf. Damit empfiehlt es sich auch gegen den Durst im Alltag – trotz der geringen Alkohol­gehalte.

Traubensaft darf mehr Alkohol haben

Kein alkoholfreies Weizenbier im Test ist gänzlich alkoholfrei. Alle halten aber den gesetzlichen Höchst­wert von 0,5 Prozent ein – selbst Traubensaft darf mehr haben.

Die Mineral­stoff­zusammenset­zung des alkoholfreien Weizenbiers ist günstig für Otto-Normal-Durs­tige: Kalium und Magnesium sind reichlich enthalten, auch etwas Kalzium, Natrium dagegen kaum. Alkoholfreies Weizen ist eines der wenigen Lebens­mittel, mit denen der Mensch sich einfach mit Folat versorgen kann. Es ist vielen als Folsäure bekannt – exakter­weise bezeichnet Folsäure aber nur die synthetische Form des B-Vitamins. Etwa 30 Prozent des täglichen Bedarfs deckt eine Flasche alkoholfreies Weizenbier. Fast alle im Test eignen sich somit „gut“ als Durst­löscher.

Leistungs­sportler, Marathonläufer und Anhänger anderer zehrender Aktivitäten haben dagegen andere Ansprüche an ein Getränk beim Sport. Die alkoholfreien Weizenbiere erfüllen sie bestenfalls „befriedigend“. Das liegt vor allem an den sehr geringen Natrium- und den hohen Kaliummengen (siehe Text Als Sportlergetränk).

Will-Bräu will isoto­nisch sein

Dabei werben viele Anbieter mit dem Genuss bei oder nach dem Sport. Zehn schreiben auf das Etikett, ihr Getränk sei isoto­nisch. Die Konzentration der gelösten Teilchen wie Mineralstoffe oder Kohlenhydrate muss dann genauso hoch sein wie im Blut des Menschen. Das stimmt bei allen, die damit werben – nur bei einem nicht: Im Hefe Weizen Alkoholfrei von Will-Bräu ist die Konzentration zu nied­rig, es ist damit hypoto­nisch und nicht isoto­nisch Die „mangelhafte“ Deklaration führt bei ihm zum test-Qualitäts­urteil „ausreichend.“

Auch sonst fanden wir viele Fehler in der Kenn­zeichnung, vor allem bei den Nähr­werten scheinen die Brauereien Wissens- oder Erfahrungs­lücken zu haben. Denn auf Bieren mit Alkohol geben sie Brenn­wert, Eiweiß und Kohlenhydrate meist nicht an, bei alkoholfreien schon. Da geriet aber einiges durch­einander, zum Beispiel Milli-, Mikro- und Nanogramm. Tatsäch­liche Vitamin- und Kalorien­gehalte wichen von angegebenen ab und manche Schrift auf den Flaschen war nur mühselig zu entziffern. Abzüge gab es auch, wenn das Etikett des alkoholfreien Biers versprach, dass es ähnlich schmeckt wie das alkoholhaltige, es aber nicht stimmte (siehe Text Im Vergleich zum Original).

Gärungs­stopp und Entalkoholisieren

Alkoholfreies Weizenbier Test

In speziellen Kabinen haben sieben Prüfer die Biere verkostet. Die Ausprägungen bestimmter Eigenschaften geben sie direkt in den Computer ein.

Denn auch mit verschiedensten Herstellungs­verfahren bleibt ein geschmack­licher Unterschied zwischen alkoholhaltig und alkoholfrei. Erst ist der Brau­prozess für beide noch gleich: Aus Weizen- und zum Teil etwas Gers­tenmalz stellt der Brauer die Maische her, brüht und siebt sie. Zu dieser Flüssig­keit, der Würze, gibt er Hopfen.

Bevor jetzt Hefe dazu­kommt, die den Malz­zucker in Alkohol und Kohlensäure aufspaltet, kühlen manche Hersteller den Sud ab. Dadurch gärt er nur lang­sam, es entsteht kaum Alkohol – aber auch kaum Aroma. Deshalb schwören andere Hersteller darauf, das Bier auf normalem Weg zu brauen und hinterher den Alkohol zu entziehen – meist durch Destillation, wobei Alkohol verdunstet. Kleine Brauereien ohne die entsprechende Technik lagern diesen Schritt aus. Das Problem des Entalkoholisierens: Aroma­stoffe gehen verloren, das Bier schmeckt oft wäss­riger. Beide Methoden haben also Nachteile. Um möglichst viele Nachteile zu umgehen, kombinieren einige Hersteller die Verfahren auch.

Lange in Vergessenheit geraten

Weizen galt übrigens lange als zu kost­bar für Bier. Ab etwa 1600 aber produzierten die meisten kurfürst­lichen bayerischen Brauereien nur noch Weiß­bier. Mitte des 18. Jahr­hunderts kam es dann aus der Mode und geriet bis nach dem zweiten Welt­krieg beinahe in Vergessenheit. Erst in den 60er Jahren kam die Trendwende. Heute ist es unter den alkoholhaltigen Bieren nach Pils und Export die beliebteste Sorte.

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