Das Rein­heits­gebot – wichtig oder über­holt?

An dem alten Lebens­mittel­gesetz von 1516 scheiden sich die Geister. Für den einen ist es ein Qualitäts­garant. Der andere hat mit Gleichge­sinnten eine Alternative entwickelt.

Pro:
Holger Eichele, Haupt­geschäfts­führer des Deutschen Brauer-Bunds, befür­wortet das Rein­heits­gebot.

Kontra:
Andreas Seufert vom Verein Deutsche Kreativbrauer findet die Auslegung nicht zeitgemäß.

Pro:
Holger Eichele, Haupt­geschäfts­führer des Deutschen Brauer-Bunds, befür­wortet das Rein­heits­gebot.

Kontra:
Andreas Seufert vom Verein Deutsche Kreativbrauer findet die Auslegung nicht zeitgemäß.

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Ist das mehr als 500 Jahre alte Rein­heits­gebot noch zeitgemäß?

Klares Ja! Es garan­tiert, dass Bier hier­zulande bis heute nur mit Wasser, Malz, Hopfen und Hefe gebraut ist. Anders als im Ausland sind künst­liche Enzyme, Aroma-, Farb- und Zusatz­stoffe nicht erlaubt. Dadurch ist das Bierbrauen anspruchs­voller.

Nicht, wie es ausgelegt wird: Es gaukelt nur vier Zutaten vor, erlaubt aber Zucker­zusätze, Konzentrate, Malz- und Hopfen­extrakte sowie ­chemische Filter­stoffe. Das „Natürlich­keits­gebot“ unseres Vereins lässt solche Stoffe nicht zu.

Vermittelt das Rein­heits­gebot ein falsches Bild von der Bier­produktion?

Nein, es steht für das Prinzip der vier Zutaten. Die Produktions­verfahren sind selbst­verständlich nicht dieselben wie im Mittel­alter, sondern auf modernstem tech­nischen Stand.

Ja. Es ist absurd, dass Brauer keine Kirschen ins Bier geben, aber mit Kunststoffen filtrieren dürfen. Das sollte wenigs­tens deutlich gekenn­zeichnet sein.

Beschränkt das Rein­heits­gebot die Kreativität der Brauer?

250 Hopfen-, 50 Malzsorten, 200 Hefest­ämme und verschiedene Brau­verfahren ergeben Millionen Möglich­keiten, ein Bier nach Rein­heits­gebot zu brauen. Für Biere mit Früchten, Gewürzen oder Kräutern gibt es Ausnahme­regelungen.

Wenn ich ein dunkles Stout mit Minz­geschmack brauen möchte, geht das nur mit Minze. Bayern erlaubt das nicht. Woanders in der Republik müssen Brauer Gebühren zahlen, wenn sie so etwas beantragen. Genehmigungen sind Will­kür.

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