Alkoholfreies Bier im Test

Alkoholfreies Bier im Test: Fast jedes zweite ist gut

14.06.2018
Alkoholfreies Bier im Test - Fast jedes zweite ist gut
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Fast jedes zweite im Test ist gut, Warsteiner Alkoholfrei Pilsener am besten. In einigen fanden wir kritische Stoffe.

Alkoholfreies Bier im Test Testergebnisse für 20 Alkohol­freies Bier 06/2018

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Inhalt

Aubi – kurz für Auto­fahrerbier – hieß alkoholfreies Bier in der DDR. Heute trinkt es nicht nur, wer fahren muss. Gesund­heits­bewusst greifen Deutsche gern zum Alkoholfreien. Zur Freude der Brau­wirt­schaft: Während der Bier­konsum insgesamt sinkt, steigt wenigs­tens die Nach­frage nach dem Gers­tensaft ohne Prozente. Geschmack­lich bietet er einiges.

Große Marken liegen vorn

Das Pilsener von Warsteiner, eins von Krombacher und zwei Biere der Marke Claus­thaler sind die besten Alkoholfreien im Test. Sie sind „harmo­nisch“ und „voll­mundig“ – von „malzig, karamellig“ bis „harzig und ausgeprägt hopfig“. Von ihnen eignet sich Warsteiner am besten als Durst­löscher, damit lässt sich der Flüssig­keits­speicher im Alltag gut auffüllen – wie mit jedem zweiten Bier im Test. Für Ausdauer­sportler taugt keins (Durstlöscher ja, Sportgetränk nein).

Unsere Tester haben 20 alkoholfreie Biere verkostet und im Labor untersucht, Pils und Helles, aber auch Craft-Bier – hand­werk­lich gebrautes Bier von kreativen, unabhängigen Brauern. Neun Alkoholfreie sind gut, zehn befriedigend. Eins ist nur ausreichend: Holsten. Es riecht „leicht muffig“ und schmeckt „leicht gealtert“. Zudem vertreiben vergleichs­weise hohe Gehalte des Pflanzen­schutz­mittels Glyphosat den Durst. Es enthält auch viel Fremdkohlensäure – wie drei weitere Biere. Streng genommen verstoßen sie damit gegen das Reinheitsgebot.

Alkoholfreies Bier im Test - Fast jedes zweite ist gut
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Unser Rat

Die vier Besten: Claus­thaler Extra Herb ist ausgeprägt bitter, Claus­thaler Original schmeckt hopfig. Wer es eher süß mag, sollte Warsteiner Alkoholfrei probieren (je 1,40 Euro, alle Preise pro Liter). Den besten Schaum liefert Krombacher Alkoholfrei (1,70 Euro). Als einziges sehr gut im Geschmack, aber insgesamt befriedigend: das fruchtige Craft-Bier von Kehr­wieder für teure 7,85 Euro.

Das Problem mit der Kohlensäure

Da alkoholfreies Bier herstellungs­bedingt oft weniger spritzig ist als alkoholhaltiges, helfen Brauer nach (Wie alkoholfreies Bier entsteht). Bei Bieren aus Deutsch­land ist nur Kohlensäure aus der Gärung erlaubt. Das Rein­heits­gebot, das im Vorläufigen Biergesetz verankert ist, lässt neben Wasser, Malz, Hopfen und Hefe keine fünfte Zutat zu. Große Brauereien fangen bei der Bier­bereitung abge­fangenes Kohlen­dioxid auf, kleinere kaufen es oft zu.

Holsten und Riedenburger sind laut Etikett nach Rein­heits­gebot gebraut, doch etwa die Hälfte ihrer Kohlensäure stammt nicht aus Gärungs-, sondern Verbrennungs­prozessen. Bei Kehr­wieder sind es rund 60 Prozent, bei Riegele sogar 80. Brauer dürfen Fremdkohlensäure beim Abfüllen oder Spülen von Tanks nutzen. Dabei kann es zum Austausch mit der Bier-Kohlensäure kommen. Nur „tech­nisch unver­meid­bare Mengen“ fremdes Kohlen­dioxid dürfen ins Bier übergehen. Geschmack­lich und chemisch unterscheiden sich beide Kohlensäure­typen nicht. In der Wertung zogen wir dennoch Punkte ab. Denn alle anderen zeigen, dass so viel Fremdkohlensäure vermeid­bar ist – selbst Heineken, das einzige Bier im Test, das nicht dem Rein­heits­gebot unterliegt. Es enthält ausschließ­lich Gärungs­kohlensäure. Weil es nicht in Deutsch­land gebraut wurde, spricht auch nichts gegen das zugesetzte „natürliche Aroma“.

Ein Craft-Bier ist Geschmacks­sieger

Brauer können auch ohne Aroma­zusatz Spannendes produzieren, fruchtiges IPA zum Beispiel, kurz für India Pale Ale. Ursprüng­lich brauten es die Briten mit viel Alkohol für die indischen Kolonien. In Deutsch­land haben es Craft-Brauer bekannt gemacht – auch ohne Alkohol. Das IPA von Kehr­wieder ist sogar Sieger der Verkostung. Es riecht „harzig“, nach Pinie, Tropenfrüchten und Hopfen. Es schmeckt fruchtig und deutlich hopfig. Das liegt am „Hopfens­topfen“: Brauer geben nach der Gärung ein zweites Mal Hopfen ins Bier – Aromahopfen in reichlicher Menge (Bock auf Hopfenstopfen). Nachteil: Hopfen kann durch Stick­stoff­dünger Nitrat einlagern. Im Körper können sich daraus Nitrosamine bilden, die sich im Tier­versuch als krebs­er­regend erwiesen. In den Craft-Bieren fanden wir im Vergleich zu den herkömm­lichen Bieren ein Vielfaches an Nitrat. Eine Gesund­heits­gefahr besteht aber nicht. Selbst wenn Craftbier-Fans auch aus Gemüse, Wasser und Gepökeltem regel­mäßig Nitrat in durch­schnitt­lichen Mengen aufnehmen, wären täglich mindestens zwei bis drei kleine Flaschen vom höchst­belasteten Alkoholfreien, Riegele, für sie unpro­blematisch – ein Leben lang.

Nur zwei Bio-Biere ohne Glyphosat

In den meisten Bieren fanden wir Spuren oder geringe Gehalte des umstrittenen Pflanzen­schutz­mittels Glyphosat, im Flens­burger und Holsten deutlich mehr. Ob eine krebs­erzeugende Gefahr von ihm ausgeht, bewerten verschiedene Institutionen unterschiedlich. Solange das Risiko für den Menschen nicht abschließend geklärt ist, sollten die Brauereien aus vorsorgendem Verbraucher­schutz die Gehalte senken – zumal der Mensch auch über andere Lebens­mittel Glyphosat aufnimmt. Nur in den Bio-Bieren Neumarkter Lamms­bräu und Riedenburger fanden wir es nicht.

Weniger Alkohol als Traubensaft

Alkoholfreies Bier im Test - Fast jedes zweite ist gut

Kein Alkohol ist auch keine Lösung, singen die „Toten Hosen“. Doch, alkoholfreies Bier ist eine gute Lösung – etwa für Fußball­fans, die zur WM einen klaren Kopf behalten wollen. 0,5 Prozent Rest­alkohol sind in alkoholfreiem Bier erlaubt – das halten alle ein. Selbst Traubensaft darf mehr haben. Wer in der Schwangerschaft sicher­gehen möchte, sollte ein 0,0%-Bier wählen. Alle Biere mit dieser Aufschrift im Test sind fast frei von Alkohol – einige andere auch.

14.06.2018
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