Der Zugriff auf Alkohol wird erschwert. Denn "nordische" Trinkmuster machen sich breit ­ Saufen bis zum Umfallen.

Für Hochprozentiges wird schon im Nachmittagsfernsehen geworben. Bei Rockkonzerten stehen Bierbuden gleich hinter der Kasse. Das soll sich ändern. Denn beim Alkohol sehen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Europarat in Deutschland zu viele Problemkinder. Der Gesetzgeber soll eingreifen.

"Apfelsaftgesetz" geändert

Konkret umgesetzt sind bereits Änderungen beim "Apfelsaftgesetz": Seit Jahresbeginn soll jedes Lokal mindestens ein alkoholfreies Getränk anbieten, das nicht teurer ist als die preiswertesten angebotenen Alkoholika ­ und zwar im Verhältnis zur Menge. Es reicht nicht, wenn das Glas mit 0,2 Liter Apfelschorle oder Orangensaft 1,50 Euro kostet und das mit 0,33 Liter Bier 2 Euro. Auf den Literpreis kommt es an: Hier sind es 7,50 Euro für den Saft und da nur 6 Euro fürs Bier.

Die Gesundheitsminister der Bundesländer erwarten mehr:

- Das Angebot reduzieren. In Kantinen, an Tankstellen (wie in den Niederlanden) soll Alkohol nicht mehr erhältlich sein.

- Klare Warnhinweise auf der Verpackung.

- 0,0-Promille-Grenze für das Fahren mit Führerschein auf Probe.

- Konsequentere Kontrollen zur Einhaltung der Jugendschutzgesetze und im Verkehr.

- Wegfall des Alkoholeinflusses als strafmildernden Umstand bei der Strafzumessung.

- Einschränken der Alkoholwerbung.

Deutsche Fernsehsender bringen im Schnitt mehr als neun Alkoholszenen pro Stunde. Alkohol ist in allen Programmen, zu allen Tageszeiten und in allen Sparten präsent ( Studie siehe www.suchtHH.de ). Die freiwillige Werbebeschränkung der Wirtschaft greift nicht, eine Überarbeitung hält die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, für überfällig.

Die gesetzlichen Anti-Alkohol-Maßnahmen werden ergänzt von Kampagnen der Krankenkassen, Gesundheitsämter und Medien, durch Aktionen in Schulen, Sportvereinen und Jugendzentren, eventuell auch mit "nüchternen" Botschaften in Werbeblöcken: "Wasser für Profis" ist zum Beispiel ein 30-Sekunden-Spot, bei dem der Trainer seinem siegreichen Fußballteam eine Kiste Bier vor die Füße stellt ­ doch die Jungs sind gar nicht amüsiert. Ihr Kommentar: "Das ist doch was für Amateure".

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