Alcopops Meldung

Sie heißen White Kiss, Free Climber oder Sex on the Beach: Alcopops, quietschbunte Mischungen aus Limonade und Alkohol. Bei Jugendlichen absolut angesagt. Die süßen Mixturen schmecken nach Bubble Gum und Gummibärchen. Der Alkohol geht praktisch baden. Man schmeckt ihn kaum. Alcopops gelten deshalb als Einstiegsdroge. Die Bundesregierung steuert dagegen: mit einer Sondersteuer auf Alcopops. Seit 2. August sind die bunten Fläschchen deutlich teurer. Die Getränkeindustrie wollte die Steuer per Eilantrag stoppen. Das Bundesverfassungsgericht lehnte den Antrag heute ab. Nun ändern die Anbieter ihre Rezepte und setzen auf Alcopops mit Bier und Wein. Für die gilt die Sondersteuer noch nicht. test.de sagt, warum die süße Verführung hässliche Konsequenzen hat.

Cooler als jede Cola

Alcopops Meldung

Wodka Lemon aus der Tube, knallroter Breezer mit Rum oder prickelnder Slammer mit Tequila: Alcopops sind nicht so herb wie Bier, nicht so scharf wie Schnaps und cooler als jede Cola. Deshalb sind die Drinks vor allem bei Jugendlichen beliebt. Fatal: Jeder Alcopop enthält 12 bis 13 Gramm reinen Alkohol. Das entspricht zwei harten Schnäpsen. Drei bis vier Flaschen Alcopops ergeben bereits einen ordentlichen Rausch. Tückisch: Denn Slammer, Breezer, Strobe und Co. lassen sich wegkippen wie Cola. Zucker und Aromen überdecken den Alkoholgeschmack.

Vom Pop zum Flop

Die bunten Fläschchen sind der Hingucker auf Feten und in der Disko. Doch der Pop wird schnell zum Flop: Schon ein paar Alcopops lassen das Rhythmusgefühl schwinden. Bei einigen Mixturen kommt noch Koffein dazu. Tanzen, Alkohol und Koffein: Diese Mischung kann für Herz und Kreislauf gefährlich werden. Die Sanitäter der Loveparade kennen das Problem genau. Außerdem sind Alcopops kleine Kalorienbomben: Jedes Fläschchen hat etwa 200 Kilokalorien. Deutlich mehr als Cola oder Limo. Fazit: Keine gute Gabe für angehende Models.

Punk in der Flasche

Auch die Farb- und Konservierungsstoffe in den Alcopops sind zumindest keine Wohltat. Beispiel: Benzoesäure. Ein umstrittener Konservierungsstoff, der in vielen Alcopops reichlich enthalten ist. Dazu kommen synthetische Azofarbstoffe. Sie machen den Alcopop zum Punk in der Flasche. Keine direkte Gefahr, aber auch nichts Gutes: Azofarbstoffe stehen im Verdacht Allergien auszulösen. Niemand weiß, wie der Cocktail aus Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffen auf Dauer wirkt. Fazit: viel Risiko für wenig Spaß.

Erst ab 18

Alcopops enthalten Schnaps und dürfen – dem Gesetz nach – nur an Erwachsene ab 18 Jahren verkauft werden. Die Stiftung Warentest hats ausprobiert: Zwei Schüler gingen in Berlin auf Einkaufstour. Das Mädchen: ein kecker, etwas aufmüpfiger Teenie, 14 Jahre - der Junge: zierlich, eher schüchtern und mit heller Stimme, 15 Jahre. Niemand, der die beiden sieht, kann sie auf 18 Jahre schätzen. Trotzdem hatte das Duo „hochprozentigen“ Erfolg: 20 Flaschen Alcopops in nur zwei Stunden. Das reicht sogar fürs Koma-Trinken.

Frei verkauft im Supermarkt

Vor allem in Supermärkten wurden die Alcopops oft ohne Nachfrage verkauft. Bei zwei Tankstellen und zwei Kiosken blitzten die jungen Tester dagegen ab: „Ihr seid doch noch keine 18“. Eine zweite Einkaufstour mit zwei 16-jährigen führte zu ähnlichen Ergebnissen. Dabei trifft die Kassiererinnen im Supermarkt kaum eine Schuld: Alcopops sind nicht gleich als Alkohol zu erkennen. Die quietschbunten Fläschchen könnten auch Energydrinks sein. Oder Biermischgetränke: Die sind ab 16 Jahren frei.

Jetzt teurer

Verbraucherschützer fordern deshalb deutliche Warnhinweise auf den Flaschen: Alkoholgehalt und Altersbeschränkung sollen hervorgehoben werden. Seit 2. August 2004 gilt nun eine Sondersteuer für Alcopops. Die hat der Bundestag mit rot-grüner Mehrheit beschlossen. Der satte Aufpreis von bis zu einem Euro soll den Reiz der bunten Fläschchen brechen. In Frankreich hat das bereits funktioniert. Dort gilt die Sondersteuer seit 1997. Alcopops sind daraufhin fast vom Markt verschwunden. Auch die Schweiz hat inzwischen eine Sondersteuer eingeführt.

Mit neuem Rezept ab 16

Die Anbieter rebellieren. Der Spirituosenhersteller Diageo Deutschland wollte die Sondersteuer vom Bundesverfassungsgericht kippen lassen. Doch das Gericht lehnte den Eilantrag ab. Nun stellt die Getränkeindustrie ihre Rezepturen um: von Alcopops mit Schnaps auf Alcopops mit Bier und Wein. Für die gilt die Sondersteuer nicht. Wein- und Biermixgetränke dürfen sogar an Jugendliche ab 16 Jahren verkauft werden. Ein glänzendes Geschäft. Jeder zweite in Deutschland verkaufte Alcopop wird von Jugendlichen geleert.

Alcopops - 57 alkoholhaltige Mixturen im Test

Dieser Artikel ist hilfreich. 233 Nutzer finden das hilfreich.