Vier Verantwortliche der Akzenta AG sind letzte Woche im Rahmen einer Großrazzia verhaftet worden. Ihnen wird gewerbsmäßiger Kapitalanlagebetrug, die Bildung einer kriminellen Vereinigung, Untreue und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Schaden in zweistelliger Millionenhöhe aus. Damit dürfte der Firma, vor deren wundersamen Geldvermehrungssystem Finanztest Anleger seit Anfang 2000 wiederholt gewarnt hat, vermutlich das Handwerk gelegt sein.

Durchsuchung von Geschäfts- und Privaträumen

Anlass für die Großrazzia von 26 Geschäftsadressen sowie Privatwohnungen in Hessen und Bayern sollen ausbleibende Zahlungen an Anleger gewesen sein. Die Akzenta AG hatte vielen Tausend Geschädigten Umsatzbeteiligungen am Unternehmen zugesichert. Die Ermittler vermuten, dass Akzenta-Verantwortliche das Geld unter sich aufteilten. Der Vorstandsvorsitzende der Akzenta AG, Ulrich Chmiel, sein Sohn Alexander und zwei weitere Vorstandsmitglieder wurden am Firmensitz in Rosenheim oder auf dem Weg dorthin verhaftet.

Geheimnis um Geldvermehrung

So hatte die Akzenta AG Verbraucher angelockt: Käufer von Konsumgütern, Dienst- und Finanzdienstleistungen sollten die Chance bekommen, sich am Unternehmen zu beteiligen. Das Unternehmen versprach innerhalb von 10 Jahren eine Verzehnfachung des investierten Kapitals versprochen. Käufern, die zum Beispiel für 30.000 Euro ein Auto kaufen wollten, wurde die Erstattung des gesamten Kaufpreises über einen so genannten „Bonusplan“ versprochen. Dieses Versprechen hatte Finanztest bereits Anfang 2000 als „wundersame Geldvermehrung“ bezeichnet, zumal es in der Akzenta-Broschüre dazu hieß: „Wie der Bonusplan genau funktioniert, das ist natürlich Betriebsgeheimnis“.

Geschäft mit Provisionen

Auf Nachfrage beschrieb Vorstandsmitglied Oliver Braun das Akzenta-System Finanztest gegenüber damals so: Ein Kunde holt für ein gewünschtes Produkt beim Anbieter ein Angebot ein und schickt dieses an die Akzenta. Die Akzenta handelt mit dem Händler eine Provision aus. Das Versprechen: Er könne dann mit vielen weiteren Akzenta-Kunden rechnen. Macht der Händler mit und zahlt die Provision, erhält der Kunde einen Verwaltungsvertrag, der ihm die Rückzahlung seines Kaufpreises im Laufe von zehn Jahren verspricht. Die Rückflüsse sollen aus den künftigen Provisionen bezahlt werden. Für Kunden sei das das Konzept ohne jedes Risiko.

Beteiligung mit Risiken

Schon damals bot das Unternehmen jedoch auch eine riskante Beteiligung an der Akzenta an. Danach sollten sich Interessenten, „die sich für den Bonusplan begeistern“, mit Beträgen zwischen 700 Euro und 3 500 an der Gesellschaft beteiligen. Dafür wurde ihnen eine Überschussbeteiligung mit Auszahlungen bis zu einer Höchstsumme von 280 Euro jährlich über vier Jahre in Aussicht gestellt. Sicherheiten für diese Anlage gab es nicht.

Akzenta weist Vorwürfe zurück

Inzwischen hat die Akzenta AG alle Vorwürfe zurückgewiesen und die Razzia kritisiert. „Dies ist nicht das erste Mal, dass versucht wird, mit strafrechtlichen und steuerrechtlich Mitteln den seit über zehn Jahren anhaltenden Erfolg des Unternehmens zu beenden“, heißt es in der aktuellen Stellungnahme des Unternehmens. Der Vorwurf, es handele sich bei der Akzenta-Umsatzbeteiligung um ein Schneeballsystem werde zu Unrecht erhoben und sei bereits einmal von der Staatsanwalt geprüft und dann verworfen worden. Auch die Finanzbehörden würden die Geschäftstätigkeit der Akzenta AG „grundlegend missverstehen“.

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