Akupunktur Test

Akupunktur: Der Nutzen bei Schmerzzuständen wurde jetzt nachgewiesen.

In dieser Woche hat der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte, Krankenhäuser und Kassen die Akupunktur in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen. Krankenkassen dürfen somit künftig Akupunkturbehandlungen bei Schmerzen der Lendenwirbelsäule und bei entzündlichen Gelenkerkrankungen bezahlen. Doch die chinesischen Nadeln können noch viel mehr. test.de sagt, bei welchen Beschwerden Akupunktur geeignet ist und wie Patienten von der neuen Zuzahlungsregelung profitieren.

Nadeln wie in China

Einer repräsentativen Allensbach-Umfrage zufolge würden sich zwei Drittel aller Deutschen am liebsten durch eine Kombination aus Schulmedizin und traditioneller chinesischer Medizin behandeln lassen. Dazu zählt unter anderem Akupunktur. Die ursprünglich aus China stammenden Nadeln kommen hierzulande überwiegend bei chronischen Schmerzen zum Einsatz. Seit vergangenem Jahr haben die gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen eines Modellversuchs bereits Akupunkturbehandlungen für Kopfschmerzen, Schmerzen der Lendenwirbelsäule und entzündliche Gelenkerkrankungen bewilligt und bezahlt.

Gemeinsamer Bundesausschuss

Auf Grundlage dieses Modellversuchs hat der Gemeinsame Bundesverband nun entschieden, dass gesetzliche Krankenkassen künftig Akupunkturbehandlungen bei chronischen Rückenschmerzen und bei Schmerzen des Kniegelenks bezahlen dürfen. Für die Behandlung von Spannungskopfschmerzen und Migräne hat der Modellversuch nach Auffassung des Bundesausschusses jedoch keine größeren Erfolge gezeigt als die bisherige Standardtherapie. Daher dürfen gesetzliche Krankenkassen diese Behandlungen künftig nicht mehr bezahlen. Trotzdem: Es gibt viele Anzeichen dafür, dass Akupunktur bei Kopfschmerzen und Migräne wirksam ist. Die Patientenvertreter haben gegen die Streichung der Akupunktur bei Kopfschmerzen und Migräne protestiert. Sie verfügen im Bundesausschuss jedoch über kein Stimmrecht. Die jetzt getroffene Entscheidung gilt, sobald sie im Bundesanzeiger veröffentlicht ist, voraussichtlich ab Juli.

Wirksamkeit oder Scheineffekt

Neben dem Modellversuch haben auch verschiedene medizinische Studien die Wirkung von Akupunkturbehandlungen nachgewiesen. Die unter anderem von AOK, BKK und IKK finanzierte Gerac-Studie kam zu dem Schluss, dass Akupunktur fast doppelt so gut wirkt wie eine schulmedizinische Behandlung und praktisch ohne Nebenwirkungen ist. Bei einer weiteren von der Techniker Krankenkasse initiierten Studie brachte Akupunktur bei 70 bis 90 Prozent der Patienten eine Verbesserung, die mindestens sechs Monate anhielt. Die Studien lassen jedoch Raum für Einwände: Auch Scheinakupunktur mit falsch gestochenen Nadeln helfen oft so gut wie Nadeln nach den Regeln traditioneller chinesischer Kunst. Kritiker sprechen hier vom Placeboeffekt, der vielleicht auch auf die intensive Beschäftigung des Akupunkteurs mit dem Patienten und die Zuführung eines kleinen Schmerzes zurückzuführen ist. Unterm Strich wirkt aber selbst die Scheinakupunktur bei Knie- und Rückenschmerzen besser als herkömmliche Behandlungsmethoden.

Wissenschaftlich belegt

Zurzeit zahlen die meisten gesetzlichen Krankenkassen rund 25 Euro je Akupunktursitzung, einige auch 35 Euro. Die Differenz zur Rechnung des Arztes zahlt der Patient selbst. In der Regel nehmen Akupunkteure zwischen 25 und 45 Euro für eine Sitzung. Die gesamte Behandlungsdauer erstreckt sich meist über mehrere Sitzungen. Neben den positiven Effekten bei chronischen Schmerzen ist der Nutzen der Akupunktur auch bei zahlreichen anderen Beschwerden sinnvoll, für die die Krankenkassen bisher keine Zuzahlung leisten. Das Buch „Die Andere Medizin“ der Stiftung Warentest hat neben den Studien der Krankenkassen auch die Ergebnisse zahlreicher anderer wissenschaftlicher Studien ausgewertet. Demnach kann die Wirksamkeit der Akupunktur auch bei Übelkeit und Erbrechen in Folge von Operationen und Chemotherapie oder während der Schwangerschaft als wissenschaftlich belegt angesehen werden. Auch Zahnschmerzen lassen sich wirksam mit Akupunktur lindern - sowohl akute Schmerzen als auch die Schmerzen nach einer Behandlung. Testkompass: Wirksamkeitsnachweise bei Akupunktur.

Wissenschaftlich nicht belegt

Darüber hinaus bieten Akupunkteure Behandlungen auch bei zahlreichen anderen Anwendungsgebieten an. Für viele dieser Behandlungen liegen noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Studien vor, um die Wirksamkeit der Akupunktur nachzuweisen. Das gilt zum Beispiel für Akupunkturbehandlungen bei Asthma, Gesichtsschmerzen oder zur Verminderung von Übergewicht. Bei Drogenabhängigkeit und Tinnitus hingegen belegen Studien, dass Akupunktur hier nicht hilft oder zumindest nicht wirksamer ist als Scheinakupunktur.

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