Akupunktur Meldung

Zwiespältige Entscheidung: Viele Schmerzpatienten müssen Akupunktur nun selbst bezahlen.

Nur bei chronischen Rücken- und Knieschmerzen wird Akupunktur Kassenleistung – nicht aber bei Kopfschmerzen und Migräne. Obwohl Studien den Nutzen auch dort belegen.

Grünes Licht. Patienten mit chronischen (länger als 6 Monate) Rücken- oder Knieschmerzen (Kniearthrose) können – einmal pro Jahr, bei qualifizierten Ärzten – Akupunkturtherapie auf Kassenkosten beanspruchen. Das beschloss der Gemeinsame Bundesausschuss. „Die Studienergebnisse zeigen, dass die echte und die Schein-Akupunktur bei der Behandlung von Rücken- und Knieschmerzen besser hilft als die Standardtherapie“, sagt Rainer Hess vom Bundesausschuss. Die Erfolgsrate der traditionellen chinesischen Akupunktur liegt zwar nicht wesentlich höher als die der Schein-Akupunktur, bei der bewusst „falsche“ Punkte gestochen werden. Beide wirken bei Rücken- und Knieschmerzen aber fast doppelt so gut wie Therapie mit Medikamenten, Massagen, Krankengymnastik. Hüft- oder Ellbogenbeschwerden wurden dagegen nicht berücksichtigt.

Rotes Licht. Beim Vorbeugen gegen Spannungskopfschmerzen und Migräne schneidet Akupunktur nicht besser ab als Arznei. Kopfschmerz- und Migränepatienten müssen das Nadeln deshalb künftig selbst bezahlen. „Bei Migräne und Kopfschmerzen wirkt Akupunktur genauso gut wie Medikamente – ohne Nebenwirkungen“, sagt Dr. Albrecht Molsberger, Forschungsgruppe Akupunktur.

Die Entscheidung kommt einer Leistungseinschränkung gleich. Der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht einen Rückschritt in der Schmerztherapie, wo Kassen Akupunkturkosten bisher großzügig erstatteten. Der Beschluss tritt voraussichtlich im Juli in Kraft. So lange laufen Modellprojekte weiter. In drei Jahren wird der Beschluss überprüft.

Dieser Artikel ist hilfreich. 582 Nutzer finden das hilfreich.