Aktualisierter Fischratgeber von Greenpeace Meldung

Die Umweltorganisation Greenpeace rät Verbrauchern, nur Fisch aus gesunden Beständen zu kaufen, der mit schonenden Methoden gefangen wurde. Denn ein Großteil der kommerziell genutzten Fischbestände ist bis an ihre Grenzen abgefischt. Hilfe beim Fischkauf bietet der aktualisierte Fischratgeber von Greenpeace. test.de informiert.

[Update 1. Dezember] Nach Einschätzung von Greenpeace reagieren Supermärkte und Discounter auf die bedrohliche Situation der Fischbestände. Das ist das Ergebnis des dritten Supermarktrankings, dass Greenpeace heute vorgestellt hat. Danach haben zehn der untersuchten elf Unternehmen mittlerweile Richtlinien für ihren Fischeinkauf. Erste Maßnahmen würden die Supermärkte bereits umsetzen: Die gefährdeten Arten Aal, Rotbarsch, Scholle, Blauflossen-Thun oder Heilbutt bieten jeweils fünf der untersuchten Supermärkte nicht mehr an. Beispiel Rotbarsch: Lidl, Norma, Bünting, Kaufland und Rewe haben die bedrohte Art aus dem Sortiment genommen. Bei der ebenfalls bedrohten Scholle sind es Netto (Logo schwarzer Hund auf gelbem Grund), Lidl, Aldi Nord und Süd sowie Norma, die auf den Verkauf verzichten. Insgesamt schnitten erneut die Handelsketten Norma und Kaufland beim Unternehmensvergleich am besten ab, gefolgt von Lidl, Aldi Süd und Rewe. Deutliche Verbesserungen im Vergleich zum vergangenen Jahr stellte Greenpeace bei Netto, Bünting, Edeka und Kaisers/Tengelmann fest. Der Discounter Aldi Nord erhielt als einziges Unternehmen die schlechteste Bewertung: rot.
... zum Supermarktranking 2009 von Greenpeace

Kollaps bis zum Jahr 2048

Fisch ist nach wie vor beliebt in deutschen Küchen: Jeder Deutsche aß durchschnittlich 15,6 kg Fisch im vergangenen Jahr. Weltweit liegt der Pro-Kopf-Verbrauch ähnlich hoch. Das hat Konsequenzen: Die Welternährungsorganisation geht davon aus, dass mittlerweile mehr als die Hälfte der kommerziell genutzten Fischbestände bis an ihre Grenze abgefischt sind, etwa 19 Prozent sind sogar überfischt. Nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace prognostizieren Wissenschaftler bereits den Kollaps für die kommerziellen Fanggebiete bis zum Jahr 2048. Gründe für den dramatischen Rückgang der Fischbestände sind zu hohe Fangquoten, zu viel Beifang, der in den Netzen landet, zerstörerische Fangmethoden wie die Grundschleppnetz-Fischerei und illegale Fischfänge. Aber auch der Klimawandel trägt dazu bei, dass Fischbestände immer drastischer schrumpfen.

Nicht jeden Fisch kaufen

Aktualisierter Fischratgeber von Greenpeace Meldung

Verbraucher können gegen den Raubbau der Meere aktiv vorgehen. Greenpeace rät, nur Fisch aus gesunden Beständen zu kaufen, der mit schonenden Methoden gefangen wird. Als Orientierung bietet die Umweltorganisation einen Fischratgeber an, der nun in einer aktuellen Fassung vorliegt. Insgesamt umfasst der Ratgeber etwa 70 Arten sowie 250 Fischbestände und 40 Aquakulturen. Denn nicht immer sind alle Bestände einer Art gleichermaßen bedroht. Beispiel Kabeljau: Im Nordostatlantik gibt es 13 Bestände, die laut Greenpeace nicht alle im selben Zustand sind oder mit den gleichen Methoden gefangen werden. So ist etwa Kabeljau aus der Barentssee, der Norwegischen See, aus Island und der östlichen Ostsee noch vertretbar, sofern er mit Handleinen und Wadennetzen gefangen wird.
... zum Fischratgeber von Greenpeace. Die Umweltorganisation hat den Ratgeber im März 2010 erneut aktualisiert. Sie bietet ihn auch im praktischen Miniformat für die Brieftasche an.

Bedenkenlos verzehren

Generell ohne schlechtes Gewissen können Verbraucher laut Greenpeace zu Karpfen, Forelle und Pangasius greifen. Diese Fische sind im Fischratgeber blau markiert. Ohne Einschränkungen rot markiert und damit tabu sind dagegen Hoki, Rotbarsch, Scholle, Seeteufel, Steinbeißer und Victoriabarsch. Diese Arten brauchen dringend eine Auszeit. Bei anderen Beständen müssen Verbraucher - analog zum Beispiel Kabeljau - differenzieren. So ist zum Beispiel pazifischer Lachs laut Fischratgeber noch vertretbar, wenn er im Golf von Alaska gefangen wird. Der beliebte Speisefisch Hering sollte dagegen nicht aus der Nordsee, Island, der irischen und keltischen See sowie der westlichen Ostsee kommen.

Problem Alaska-Seelachs

Der beliebteste Speisefisch der Deutschen, der Alaska-Seelachs, ist ebenfalls ohne Einschränkung rot markiert. Greenpeace rät hier sogar vom Kauf von Produkten ab, die das MSC-Siegel (Marine Stewardship Council) tragen. Das Siegel steht für nachhaltige Fischerei. Dennoch: „Es gibt hier Fischereien, die wir nicht unterstützen“, sagt Iris Menn, Greenpeace-Meeresexpertin gegenüber test.de. Der Bestand gehe kontinuierlich nach unten. Es drohe sogar der Zusammenbruch. Alaska-Seelachs wird häufig zu Fischstäbchen verarbeitet. Laut Greenpeace sollten Verbraucher aufgrund der kritischen Situation der Bestände besser zu Fischstäbchen aus Pangasius greifen.
Tipp: Auch andere Umweltschutzorganisationen bieten Ratgeber, allerdings mit teilweise unterschiedlichen Bewertungen. test.de gibt weitere Informationen zum Fischkauf.

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