Aktionsware Schnelltest

Ernüchternde Bilanz nach 396 Tests von Aktionsware in sechs Jahren: Etwa jeder dritte Kauf erwies sich als Flop. Echte Schnäppchen waren bei Discountern selten zu machen.

Zu diesem Thema bietet test.de aktuellere Schnelltests: Aktionsware

Schlechte Trefferquote

Qualität ganz oben – Preis ganz unten“, „Mehr fürs Geld“, „Preisknaller und mehr“ – die großen Discounter bewerben ihre Aktionsware mit großen Sprüchen. Dabei handelt es sich um Produkte, die nicht zum ständigen Sortiment gehören, sondern nur kurzzeitig im Laden erhältlich sind. Mit dieser Verkaufsstrategie spekulieren die Handelsketten auf die Hamstermentalität ihrer Kundschaft: Die Sorge, leer auszugehen, „wenn ich jetzt nicht zugreife“, kann rationale Kaufüberlegungen in den Hintergrund drängen.

In Wahrheit ist diese Angst unbegründet, denn die Angebote sind selten einzigartig und wiederholen sich meist schon recht bald. Schlimmer: Die angebliche Qualität zum Niedrigpreis entpuppt sich mitunter als gar nicht so billig oder gar mangelhaft.

Aktuelles warnendes Beispiel ist die Kettensäge Comet CKS 2000. Penny verramschte das 2 000-Watt-Gerät mit 40-Zentimeter-Schwert samt reichhaltigem Zubehör für 79 Euro. In unserer Sicherheitsprüfung versagte aber die Kettenbremse. Penny hat das gefährliche Produkt daraufhin zurückgerufen: „Es wird ausdrücklich vor der weiteren Nutzung der Kettensäge gewarnt. Kunden werden gebeten, die Kettensägen gegen Erstattung des Kaufpreises (auch ohne Kassenbon) in den jeweiligen Märkten zurückzugeben.“

Warnung nach Schnelltest

Aufgefallen war der gefährliche Mangel bei einem Schnelltest: Wir hatten die in der Werbung angekündigte Säge bereits am Erstverkaufstag eingekauft und sofort ins Prüflabor geschafft. Bereits kurz danach warnte dann www.test.de vor dem „untragbaren Sicherheitsrisiko“.

In den vergangenen sechs Jahren hat die Stiftung Warentest in derartigen Schnelltests 332-mal Aktionsware getestet und die Ergebnisse schnellstmöglich via Internet veröffentlicht. Außerdem wurden in diesem Zeitraum 64 zeitlich befristet ange­botene Produkte in ganz normalen Warentests einbezogen. Dies geschah vor allem, wenn zeitintensive Prüfungen erforderlich waren, um die vermeintlichen Schnäppchen mit normalen Markenprodukten vergleichen zu können.

Bilanz über 6 Jahre

Die 6-Jahres-Bilanz dieser insgesamt 396 Produkttests fällt ernüchternd aus (siehe Grafik).

Viele Fehlkäufe: Unterm Strich erwies sich rund ein Drittel aller Waren als Fehlkauf. Die Qualität war so schlecht, dass darüber auch ein einigermaßen niedriger Preis nicht hinwegtrösten konnte.

Oft nur Mittelmaß: Viele Preise lagen bei näherer Betrachtung in der gleichen Größenordnung wie normale Markenware. Die dazugehörigen Testergebnisse waren zwar mitunter ganz gut, platzierten sich aber auch oft im Mittelfeld unserer Urteilsskala.

Schnäppchen als Mangelware: Gute Qualität zum Niedrigpreis landete bei den Einkaufstouren nur relativ selten im Einkaufswagen. Obwohl wir auch Ware mit mittelmäßigen Testergebnissen, aber vergleichsweise günstigem Preis in der Statistik als Schnäppchen einstuften, lag ihr Anteil nur bei knapp einem Drittel aller Käufe.

Aldi vorn: Die Hoffnung auf günstige Einkäufe erfüllte sich noch am ehesten bei Aldi. Die Schnäppchen-Quote beträgt 42 Prozent und liegt damit deutlich über dem Fehlkaufrisiko (14 Prozent). Aldi (Nord) und Aldi (Süd) haben wir bei der Auswertung zusammengefasst (142 Produkte), da viele Produkte bei beiden im Angebot waren.

Lidl auf Platz 2: Auch die Aktionswareangebote („Unser Bestes der Woche!“) des schärfsten Aldi-Konkurrenten können sich oft sehen lassen. Immerhin war hier die Chance auf Günstiges zum Niedrigpreis besser als das Fehlkaufrisiko.

Mehr schlecht als recht: Wenig rühmlich fällt das Fazit für die anderen Firmen in der Übersicht aus. Die Anteile der Fehlkäufe waren viel größer als die der Schnäppchen. Dies gilt für die Discounter Plus, Penny und Norma, aber auch für die Real-Märkte („Einmal hin. Alles drin.“) und den Röster Tchibo („Jede Woche eine neue Welt“).

Aktuelle Trends

Auch in der diesjährigen Auswertungsperiode (ab 10/07; siehe Grafik) liegt der Anteil der Fehlkäufe mit einem Drittel immer noch viel zu hoch. Vor allem Produkte aus den Bereichen Haushalt, Heimwerken und Freizeit waren mehrfach betroffen. Im Vergleich zum Vorjahr ist allerdings eine leicht positive Entwicklung zu beobachten, die Hoffnungen auf etwas mehr Qualitätssicherung bei den Discountern weckt.

Aldi erlangt in dieser Hinsicht immer mehr eine Vorbildfunktion. Abgesehen von einem schlechten Kühlschrank fielen unsere 24 zuletzt veröffentlichten Testergebnisse von Aldi-Aktionsware vergleichsweise erfreulich aus: Die Schnäppchenquote kletterte aktuell auf rund 50 Prozent. Die Palette reichte von einer Top-Craft-Heckenschere (für 37 Euro im April) über ein Medion Navigationsgerät (179 Euro im Juni) bis zu einem MP3-Spieler (30 Euro im August). Ansonsten bot Aldi zumindest Mittelmaß.

Einige sind sehr kulant

Dass Profi-Einkäufer der Handelsketten bei ihren Lieferanten zunehmend Qualität einfordern, liegt wahrscheinlich zum Teil an speziellen Garantieerklärungen, mit denen sich die Konzerne selbst etwas unter Druck setzen. Unzufriedene Kunden können dort gekaufte Aktionsware zurückgeben und sich den vollen Kaufpreis gegen Vorlage des Kassenbons erstatten lassen. Bei Aldi (Nord) gilt dieses Angebot innerhalb eines Monats ab Verkaufsdatum, bei Aldi (Süd) sogar innerhalb von zwei Monaten. Auch Lidl und Norma versprechen Geld zurück innerhalb von zwei Monaten.

Die großen Boomzeiten der Aktionsware scheinen aber passee zu sein. Von Menschenschlangen, die sich vor den Filialen wegen eines annoncierten Computers bilden, hat man schon länger nichts mehr gehört. Auch Konsumforscher bestätigen, dass die Non-Food-Umsätze schwächeln.

Ein Opfer dieser Kaufzurückhaltung ist der Discounter Plus. Die Geschäfte der Tengelmann-Tochter liefen so unbefriedigend, dass die meisten Filialen jetzt an Edeka verkauft und in deren Netto Markendiscount integriert werden sollen. In den vergangenen Jahren hatte Plus zwar mit seinem „BioBio“-Angebot und der Wellness-Marke „Viva vital“ qualitätsbewusste Kunden angesprochen, beim Ordern von Aktionsware jedoch kein glückliches Händchen: In unserer Bilanz lag der Anteil der Flops mit 47 Prozent deutlich über der mit 20 Prozent bescheidenen Schnäppchenquote. Jüngste Fehlkäufe waren zum Beispiel ein nicht empfehlenswerter Mini-Geschirrspüler, ein unsicheres Fahrradschloss oder eine mangelhafte Benzin-Kettensäge.

Aus Verbrauchersicht ist zu hoffen, dass die zunehmende Konzentration im Einzelhandel nicht zu weniger Wettbewerb und unattraktiveren Angeboten führt. Die Stiftung Warentest wird Aktionsware weiterhin regelmäßig testen und damit auch zur Transparenz beitragen.

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