Aktionsware Schnelltest

Gut und billig: Viele Hoffnungen werden da enttäuscht.

Wer glaubt, mit Aktionsware beim Discounter einen guten Fang zu machen, ist oft schiefgewickelt. Wir haben 47 Produkte im Schnelltest geprüft und ziehen Jahresbilanz.

Zu diesem Thema bietet test.de aktuellere Schnelltests: Aktionsware

Der Königsweg zum Portmonee des Kunden heißt Schnäppchen, Sonderposten, Schlussverkauf. Auch bei Sonderaktionen der großen Lebensmitteldiscounter kommt vieles unter den Preishammer: Fahrräder und Notebooks, Handys, Fernseher, Staubsauger, aber auch Matratzen, Wandfarben, Outdoorjacken und Räucherstäbchen, um nur die Bandbreite der Aktionsware zu umreißen, die wir in den vergangenen zwölf Monaten geprüft haben. Damit der Verbraucher ein wenig die Übersicht behält, kaufen wir fast jede Woche interessante Akti­onsware ein, testen im Kurzdurchgang ihre wichtigsten Eigen­schaften und stellen die Ergebnisse schnellst­mög­lich unter www.test.de ins Inter­net: Diesmal waren es 45 Aktionswaren von Lebens­mit­­tel­dis­coun­­tern und zwei An­ge­bote von Tchibo.

Schnäppchen Mangelware

Aktionsware Schnelltest

Alle Jahre wieder ziehen wir dann Bilanz. Gute Qualität zum Schnäppchenpreis war auch diesmal eher die Ausnahme. Wir fanden sie nur bei etwa jeder fünften geprüften Aktionsware (21 Prozent). Rechnet man noch die 13 Prozent hinzu, an deren Qualität nichts auszusetzen ist, die aber zu gleichen oder ähnlichen Preisen rund­um angeboten werden, ergibt sich für die guten bis akzeptablen Angebote nur ein Gesamtanteil von einem guten Drittel. Sind schon Schnäppchen Mangelware, kann der hohe Anteil absoluter Fehlkäufe Tränen in die Augen treiben: Sage und schreibe bei ebenfalls jedem dritten Einkauf (34 Prozent) muss der Kunde mit schlechter Ware rechnen. Die Versager sind querbeet in allen Produktgruppen zu finden, beispielsweise Heckenscheren, die nach nur neun Betriebsstunden ihren Geist aufgeben (Aldi), über die Arbeitsplatte wandernde Küchenmaschinen, bei denen man in die rotierenden Messer greifen kann (Norma) oder DVD-Rekorder, die wackelnde Bilder sowie schwankende Helligkeit und Linien produzieren (Real). Da hilft dann auch ein Superpreis nicht mehr.

Die Qualität sinkt

Wer glaubt, die Anbieter würden auf Dauer bessere Aktionsware in die Regale bringen, wird durch den Rückblick eines anderen belehrt: Seit September 2002 ziehen wir unsere Jahresbilanz. Im Vergleich mit den Vorjahren hat sich die Quote der Fehlkäufe von qualitativ schlechter Ware sogar noch erhöht: Waren es 2002 / 2003 und 2003 / 2004 23 Prozent und 25 Prozent, stieg die Rate 2004 /2005 wegen der vielen schadstoffbe­las­teten Produkte auf beträchtliche 38 Prozent, um für die vergangenen Monate auf 34 Prozent leicht abzusinken (siehe Grafik). Das ist immer noch beträchtlich mehr als zu Beginn unserer Schnelltests. Der Anteil der Schnäppchen – das heißt billig und gut – blieb mit Quoten zwischen 24 und 21 Prozent für die vergangenen Jahre relativ konstant.

Die Chance, nicht nur billige, sondern auch gute Ware zu erwerben, ist bei Aldi noch am größten. Zum wiederholten Mal liegen Aldi/Nord und Aldi/Süd bei den Schnäppchenkäufen an der Spitze. 14-mal schickten wir unsere Einkäufer zwischen dem 31. August 2005 und dem 31. Juli 2006 in die Aldi-Märkte. Die relativ hohe Zahl spricht für eine starke Präsenz und interessante Angebote beim größten Lebensmitteldiscounter. Die Schnäppchenquote beträgt bei ihm insgesamt 6 zu 14, das heißt: Fast jeder zweite Kauf bei Aldi hat sich gelohnt.

Die Aldi-Schnäppchen konzentrieren sich hauptsächlich auf Elektronikprodukte: auf ein 70-Zentimeter-Fernsehgerät für 229 Euro, zwei Navigationssysteme für 299 und 329 Euro, einen Computer für 999 Euro und einen DVD-Rekorder für 299 Euro. Die Schnäppchenfraktion wird abgerundet durch einen billigen und guten Crosstrainer für 199 Euro.

Neben positiven haben wir bei Aldi aber auch schlechte Erfahrungen gemacht. Insgesamt fünfmal senkte sich der Daumen. Betroffen waren ein MP3-Kopfhörer, ein Handy, ein Plasma-Fernseher, ein Multimedia-Server (Digitainer) und eine miserable Heckenschere.

Am zweithäufigsten tauchten Produkte von Lidl bei den Schnelltests auf. Unter den sechs Aktionswaren war kein einziges wirkliches Schnäppchen. Lidl hat gegen Aldi also weiter an Boden verloren. Neben zwei ausgesprochenen Fehlkäufen (eine falsch deklarierte, schlecht deckende Wandfarbe sowie allergen wirkende Räucherstäbchen) war der Rest nur Mittelmaß. Am besten gefiel uns noch ein gutes Notebook mit Top-Bildschirm, das mit seinem Preis von 1 099 Euro aber nur preisliche Mittelklasse ist.

In einem Punkt liegt Lidl im Vergleich mit Aldi und anderen Discountern klar zurück: Wie immer bei Computerangeboten schließt Lidl seine sonst geltende Geld-zurück-Garantie ausdrücklich aus. Käufer haben kein Umtauschrecht jenseits der gesetzlichen Gewährleistung. Nur wenn handfeste Mängel vorliegen, haben Reklamationen Aussicht auf Erfolg.

Norma und Plus mit je fünf sowie Penny und Real mit je vier im Schnelltest geprüften Aktionswaren folgen Lidl in der Bilanz dichtauf. Dabei fällt Norma unangenehm aus dem Rahmen: Der Discounter hatte überhaupt kein gutes Angebot im Vergleich, aber drei als Fehlkauf eingestufte Produkte (Digitalkamera, Küchenmaschine und Zyklon-Staubsauger).

Bei den geringen Fallzahlen lassen sich aus dem Verhältnis von Flops zu Tops oft keine verallgemeinerbaren Trends ablesen. Das gilt besonders für Tchibo. Bei den zwei geprüften Produkten, einer Mikrowelle und einer Outdoorjacke lautet die Schnäppchenrate: halbe-halbe.

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