Aktionsware Schnelltest

Schnäppchen gefunden? Wertige und preisgünstige Produkte sind selten.

Viele Sonderangebote von Aldi & Co. lohnen das Schlangestehen nicht. Bei den geprüften Waren gab es weniger Schnäppchen und mehr Fehlkäufe als im Vorjahr.

Zu diesem Thema bietet test.de aktuellere Schnelltests: Aktionsware

Es ist etwas unangenehm, aber wir müssen noch einmal jenen überstrapazierten Satz von den Freuden der Sparsamkeit bringen: Geiz ist geil. Wir hatten das ganze Jahr damit zu tun – und er stimmt nicht. Geiz ist nicht geil. Im Gegenteil. Geiz ist richtig ungeil, vor allem wenn er sich mit schlechter Qualität paart. Kunden blicken immer wieder erwartungsvoll in ihre Einkaufswagen. Was sie gekauft haben ist billig, aber oft weder haltbar noch gut.

Insgesamt 56 Aktionswaren aus dem Lebensmittelhandel haben unsere Prüfer in den letzten Monaten getestet. Die Produkte kamen aus allen möglichen Bereichen: Digitalkameras, Computer, Saugroboter, Mückenvertreiber, Luftmatratzen, Fahrräder, Wäschetrockner, Heckenscheren. Doch nur jedes vierte war ein richtiges Schnäppchen: Es war nicht nur billig, sondern auch von guter Qualität. Fast die Hälfte konnte nur als Mittelmaß eingestuft werden und deutliche 25 Prozent sogar nur als Fehlkauf.

Die Bilanz ist noch ernüchternder, wenn man sich das Auswahlverfahren ansieht. Jede Woche sitzen Prüfer und Redakteure von test zusammen und wählen aus den Prospekten von Lebensmitteldiscountern wie Aldi, Lidl oder Penny die interessantesten Produkte aus. Auf den Prüfstand schicken wir nur, was im Pros­pekt nach einem Schnäppchen aussieht. Doch trotz dieser Positivauswahl lautet die Empfehlung nur bei wenigen Produkten „Kaufen“.

Geiz macht Kopfschmerzen

Aktionsware Schnelltest

Von den seit Oktober 2003 geprüften Aktionswaren aus dem Lebensmittelhandel war nur jede vierte ein Schnäppchen. Fast drei Viertel der Produkte gibt es auch im Fachhandel in ähnlicher Qualität und zuvergleichbaren Preisen. Im Jahr zuvor gab es mehr Schnäppchen und weniger Fehlkäufe.

Trotz aktueller Geizoffensive ist es einfach unrealistisch, für 7,99 Euro einen Akku-Rasierer als hochwertiges Schnäppchen zu bekommen. Wenn nach der ersten Rasur die gerötete Haut signalisiert, dass hier Barthaare eher gerissen als geschnitten werden, sind knapp acht Euro für einen Fehlkauf ausgegeben (Schnelltest veröffentlicht am 27. Mai 2004). Ein anderer Fehlkauf: Von der Papierform her war der TFT-Monitor für 499 Euro ein gutes Angebot (10. Februar), doch laut unserem Schnelltest genügt er „allenfalls bescheidenen Ansprüchen“ – kein Kauftipp. Was ist von einem Saugroboter (14. Juni) zu halten, der mit einem Preis von 60 Euro mehr als 1 000 Euro günstiger ist als die Konkurrenz? Wenig. Der saugende Simpel fährt Vasen um und stürzt sich bei Gelegenheit an Treppen in den Freitod. In ausweglosen Situationen lässt er die Räder so lange durchdrehen, bis der Akku leer ist.

Nicht nur um Geld, sondern auch um Sicherheit und Gesundheit geht es bei gefährlichen Aktionswaren wie beispielsweise einem kippeligen Kinderstuhl für 39,99 Euro (19. März) oder einem Luftbett für 17,99 Euro (18. August), das nach dem Auspacken einen üblen Chemiecocktail ausdünstet. Geiz macht Kopfschmerzen.

Geiz macht ärgerlich

Aktionsware Schnelltest

Das Verhältnis von Preis und Qualität ist ohne Prüfung kaum einzuschätzen. Neue Technologien drängen auf den Markt und werden auch bei Aldi, Lidl & Co. verkauft, doch viele Kunden kennen die Vor- und Nachteile der Produkte nicht. Beispiel DVD-Rekorder: Auch der billigste Preis rechtfertigt nicht den Kauf eines DVD-Rekorders, dessen Bildqualität nicht besser ist als der eines herkömmlichen Videore­korders (9. August). Beispiel LCD-Flachfernseher: Was bringt ein schickes, flaches Fernsehgerät, wenn bei Sportübertragungen der Ball einen Schweif hat, weil der Bildaufbau nicht schnell genug erfolgt (30. April)? Geiz macht ärgerlich.

Für die Schnelltests kommen nur Produkte infrage, die in kürzester Zeit auf ihre wichtigsten Funktionen geprüft werden können. Dazu gehörten in den vergangenen Monaten neben LCD-Fernsehern erstmals auch Anti-Viren-Software, Ferngläser, akustische Mückenvertreiber, Beamer, Gas-Lavastein-Grillwagen und Wäschetrockner. Die Bewertung eines morgens um 9 Uhr gekauften Computers ist oft schon ab 17 Uhr als ausführlicher Test im Internet auf der Homepage von test zu lesen. In anderen Fällen dauert es etwas länger, bis der Test erscheint.

Diese Tipps machen sicherer

Aktionsware Schnelltest

Manche Vorfreude auf günstige Aktionsware wird später enttäuscht.

Ein Nachteil bleibt. Auch der schnellste Test kann erst starten, wenn die Ware im Geschäft erhältlich ist: test prüft keine „Pressegeräte“, die der Anbieter vorab zur Verfügung stellt. Umso intensiver sollten Kunden vor einem Kauf recherchieren. Wenn beispielsweise Aldi und Lidl wieder fast zeitgleich neue Computer anbieten, können Interessiertedie Erfahrungen und Tipps aus bislang 14 PC- und Notebook-Schnelltests abrufen. Nur drei Computer aus dem Lebensmittelhandel waren Schnäppchen – und das auch nur für Nutzer mit höchsten Ansprüchen. Wer jetzt noch den PC-Test aus dem Oktoberheft liest und feststellt, dass ein Computer für 500 Euro seinen Ansprüchen genügt, hat vermutlich mehrere Hundert Euro gespart.

Interessenten von DVD-Spielern können sich ebenfalls im Internet über die diversen Schnelltests und regulären Tests entsprechender Geräte informieren. Zusätzlich empfiehlt sich ein Preisvergleich bei einer Preisdatenbank wie www.guenstiger.de. Der DVD-Spieler Cyberhome CH-DVD 412 mit „gutem“ test- Qualitätsurteil aus dem Juliheft ist mittlerweile für 45 Euro zu haben. Das ist kaum teurer als die angebotene Aktionsware, dafür aber bestätigte, weil schon getestete Qualität.

Rückgabe unsicher

Noch vor einem Jahr warben einige Discounter vollmundig mit freiwilligen Geld-zurück-Garantien, falls dem Kunden die gekaufte Ware nicht gefällt. Doch davon ist heute in einigen Fällen keine Rede mehr. Lidl hat entsprechende Schilder von seinen Kassen entfernt. Das Unternehmen wirbt zwar im Internet mit einem „Rückgaberecht“ für „jeden bei uns gekauften Artikel“, nimmt beim realen Kauf eines Lidl-Computers oder -Notebooks das angebliche „Recht“ aber wieder zurück: Unsere Einkäufer mussten zum Teil entsprechende Erklärungen unterschreiben. Die Attraktivität von Aktionsware aus dem Lebensmittelhandel sinkt bei solchem Verhalten deutlich. Umso intensiver sollten sich Kunden vor dem Kauf über die angebotene Ware informieren. Denn ob Computer, Fitnessgerät oder Wäschetrockner: Schnäppchenangebote gibt es im Fachhandel auch – mit etwas Glück sogar inklusive individueller Beratung.

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