Aktionsware Schnelltest

Schnäppchen sind am ehesten bei Lidl und Aldi zu machen. Preisgünstige Aktionsware bieten zwar auch andere an, die aber lohnt sich seltener. test.de bringt die Bilanz für 2009.

Freude hatten die Käufer bei Aldi (Nord) an ihrem neuen Camcorder nicht. Der Medion Life P47005 mit hoher Auflösung kostete zwar nur 149 Euro, lieferte aber miserable Videos mit schlechter Tonqualität. Im Test von 19 Camcordern fiel er als Einziger mit der Note „mangelhaft“ durch. Wegen des schlechten test-­Qualitätsur­teils rief der Discounter die ab Anfang Juni verkauften fast baugleichen Camcorder (MD 86093) zurück.

Lidl holt deutlich auf

Aktionsware Schnelltest

Mit dem Kauf von Aktionsware haben Kunden bei Aldi ansonsten selten etwas falsch gemacht. In den vergangenen zwei Jahren hat die Stiftung Warentest 50 verschiedene Produkte des Discounters zumeist im Schnelltest untersucht. Davon war einzig der Camcorder ein Fehlgriff. Auch in der Bilanz der vergangenen fünf Jahre bleibt Aldi der Schnäppchenkönig (siehe Grafik).

Doch Lidl holt auf. In den letzten zwölf Monaten lagen die beiden großen Discounter mit jeweils neun Schnäppchen gleichauf. Dieses Prädikat erhält ein Produkt erst dann, wenn es akzeptable Qualität zum Niedrigpreis bietet. Bei Lidl erwies sich jedes zweite der 18 getesteten Angebote als Schnäppchen. Das ist eine Quote von 50 Prozent und damit ein Qualitätssprung gegenüber dem vergangenen Jahr. Da lag die Schnäppchenquote bei Lidl viel niedriger.

Von Aldi wurden 27 Produkte geprüft, 9 waren Schnäppchen. Gegenüber der Vorjahresbilanz sind das drei Superangebote weniger. Mehr Aldi-Produkte sind aktuell von mittelmäßiger Qualität.

Schnell gekauft, schnell getestet

Woche für Woche prüfen wir mindestens ein Sonderangebot im Schnelltest, das befristet bei einem Discounter im Regal liegt. Dabei geht es um Funktionalität, Handhabung und Umwelteigenschaften. Da das Prüfinstitut in diesem Fall nur ein Produkt testen muss, liegt das Ergebnis oft schon am gleichen Tag vor.

Am ersten Angebotstag kaufen die Tester die Ware ein, schicken sie ins Prüflabor, und die Ergebnisse des Schnelltests gelangen auf dem kürzesten Weg auf die Seiten von www.test.de. Wird Aktionsware für einen vergleichenden Warentest ausgewählt, prüft das Labor auch dauerhafte Eigenschaften. Für manche Aktionsprodukte, wie Energiesparlampen (siehe unten), laufen die Prüfungen nach der Schnelltest-Veröffentlichung weiter.

Leser wählen Aktionsware aus

Im Internet können Leser seit April per Mausklick auswählen, welches Aktionsan­gebot der kommenden Woche getestet werden soll. In der Regel stehen ab Freitag Nachmittag drei Angebote zur Wahl. Die Ware, die bis Montag früh die meisten Stimmen hat, gewinnt. Morgens bei Geschäftsöffnung stehen die Tester dann vor den Filialen an, um die Dinge einzukaufen. Doch am 11. Juni suchten die Tester die vom Leser favorisierte Bohrmaschine bei Lidl vergeblich. In den Discounterfilialen erfuhren sie, dass die Maschine nicht geliefert wurde. Damit verstößt Lidl aus unserer Sicht gegen Wettbewerbsrecht.

Rund 1 Million Mal abgerufen

Aktionsware Schnelltest

Der Zuspruch für die neue Schnelltestauswahl ist rege. In 13 Online-Abstimmungen bis September gaben die Leser insgesamt mehr als 80 000 Stimmen ab. Die Mehrheit stimmte häufig für die höherpreisige Aktionsware. Rund eine Million Mal haben test.de-Leser die Schnelltests abgerufen.

Die meiste Aufmerksamkeit fanden mit Abstand zwei Netbooks. Den Schnelltest des Aldi-Netbooks Medion Akoya Mini E1212 haben Nutzer rund 57 000 Mal geklickt. An zweiter Stelle folgt das getestete Lidl-Netbook Targa Traveler 1016 mit mehr als 46 000 Besuchen auf der Seite. Beide stellten sich als Schnäppchen heraus.

Als Schnäppchen entpuppten sich zum Beispiel zwei Navigationsgeräte, und jeweils ein Camcorder, Elektroschleifer, Fahrrad und eine Sportbrille. In den vergangenen zwölf Monaten haben wir 66 Aktionsangebote geprüft, 7 davon in vergleichenden Warentests. Zufrieden konnten die Kunden mit gut jedem dritten Produkt sein.

Lidl-Laufschuh ist ein Fehlkauf

Im Produktvergleich von Laufschuhen standen sich Aldi (Nord) und Lidl direkt gegenüber. Beide Discounter waren im Test von 19 Laufschuhen vertreten (siehe test 6/09). Hier hat Aldi qualitativ die Nase vorn. Den Shamp running von Aldi (Nord) für 16 Euro schätzten die Testläufer als „befriedigend“ ein. Der Sport Laufschuh von Lidl für 10 Euro bekam nur „mangelhaft“.

Aldi (Nord) wenig transparent

Neben der Laufschuhbewertung haben wir auch das Engagement der Unternehmen für Soziales und Umwelt (Corporate Social Responsibility, CSR) untersucht. Experten haben es in den asiatischen Fertigungsstätten geprüft. Aldi (Nord) ließ seine Billigtreter in Vietnam fertigen. Die Fabrik schloss während des Tests, sodass eine Bewertung unmöglich war. Die Sohlenfabrik hielt Aldi geheim. Das verhinderte Interviews mit den Arbeitern. Auch wie die Chefs mit den Beschäftigten in der deutschen Verwaltung umgehen, wollten wir im Fragebogen wissen. Aldi äußerte sich nicht dazu.

Lidl zeigte sich zwar kooperativer, verweigerte aber ebenfalls den Zutritt zur chinesischen Sohlenfabrik. Insgesamt zeigt Lidl „bescheidene CSR-Ansätze“. Immerhin konnten die Prüfer die Schuhfa­brik in China besuchen. Mängel verzeichneten sie bei den Arbeitsbedingungen. Der Lidl-Lieferant schützte jugendliche Beschäftigte nicht vor gefährlichen Stoffen und auch nicht vor zu vielen Überstunden. Damit verstößt der Hersteller auch gegen chinesische Vorschriften.

Zweikampf Energiesparlampen

Auch in der Disziplin Energiesparlampen standen sich Aldi (Nord) und Lidl gegenüber. Ende August und Anfang September boten beide kurz nacheinander eine Reihe unterschiedlicher Modelle an. Jeweils drei schickten wir ins Prüflabor. Da für den Schnelltest nicht viel Zeit ist, sind nur Messungen möglich, die Momentaufnahmen wiedergeben. Sofortige Ergebnisse lagen für die Energieeffizienz vor, also die Helligkeit pro Watt, für die Farbtemperatur (warmweißes oder kaltblaues Licht) und den Farbwiederga­be­index, der die Lichtqualität wiedergibt.

Zwei der drei Energiesparlampen von Aldi (Nord) erwiesen sich als energieeffizient und mit guter Lichtausbeute: die kerzenförmige 9-Watt-Varilux für 3,29 Euro und die 8-Watt-Varilux „Mini“ für 4,99 Euro. Beide leuchten warmweiß. Nur halb so effizient ist die 7-Watt-Varilux-Reflektorlampe.

Bei Lidl wählten die Tester ebenfalls drei Modelle aus: Dabei schnitt die 11-Watt-Energiesparlampe von Edi-Light in Glühlampenform für 2,99 Euro besser ab als das Schwestermodell in Kerzenform mit 9 Watt, ebenfalls für 2,99 Euro. Denn bei einem ihrer drei Prüfmodelle waren die Leistungsaufnahme und die Helligkeit wesentlich geringer als vom Anbieter angegeben. Die dritte Energiesparlampe von Lidl im Test, eine 11-Watt-Philips-Lampe in Stabform für 3,99 Euro, leuchtete dagegen heller als beworben.

Aldi-Lampen schneiden besser ab

Nach weiteren Prüfungen stand fest: Fünf der sechs Lampen von Aldi (Nord) und Lidl brauchten beim Einschalten mehr als eine halbe Minute, bis ihre Leuchtkraft 80 Prozent der vollen Helligkeit erreichte. Das Auge kann 80 Prozent Helligkeit kaum noch von der endgültig erreichten Helligkeit unterscheiden. Die zwei Edi-Light-Lampen von Lidl brauchten sogar deutlich länger als eine Minute.

Der Schnelltest-Vergleich zeigt: Die Aldi- (Nord)-Lampen sind ausführlicher deklariert. Der Kunde erfährt, für welche Räume sich die Leuchten besonders eignen. Die Aldi-Lampen werden nach dem Einschalten auch schneller hell als die von Lidl.

Insgesamt weniger Fehlkäufe

Als Fehlkauf erwiesen sich in der zurückliegenden Schnelltestsaison nur 23 Prozent der Aktionswaren, ein Jahr zuvor waren es noch 33 Prozent. Es lagen also weniger billige Waren mit schlechter Qualität bei den Discountern. Dabei ist das durchschnittliche Qualitätsniveau bei den Handelsketten sehr unterschiedlich.

Die meisten Flops bei Norma

Bei Norma haben wir die meisten Flops gefunden. Aktuell waren sechs von acht Produkten von miserabler Qualität. In den Gummigriffen von drei Werkzeugen, die Norma im April verkauft hat, fanden die Tester sogar gesundheitsgefährdende Stoffe. Die Griffe eines Latthammers und eines Beils für jeweils 4,99 Euro enthielten polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Der Griff der Handsichel für 7,99 Euro war mit dem Weichmacher Diethylhe­xylphthalat (DEHP) belastet.

Das Problem dieser kritischen Stoffe, von denen viele Krebs hervorrufen, das Erbgut verändern und fortpflanzungsgefährdend wirken können, ist: Sie können über die Haut in den Körper gelangen. Besonders leicht geht das bei verschwitzten oder mit Öl verschmierten Händen. In Untersuchungen hat die Stiftung Warentest diese Substanzen wiederholt in den Griffen von Billigprodukten gefunden und sie dann als Fehlkauf eingestuft. Viele Hersteller haben daraus gelernt und verwenden die gefährlichen Substanzen nun nicht mehr.

Qualitätsachterbahn bei Penny

Die Qualität der Angebote von Penny ist sehr stark schwankend. Von neun Aktionswaren im Schnelltest waren zwei Schnäppchen, drei Mittelmaß und vier Fehlkäufe. Mit mieser Qualität fielen zwei verschiedene Bodenstaubsauger, das JGC Home-Musik-System und der Flachbildfernseher SEG Arizona mit DVB-T-Empfänger auf.

Je ein Schnelltest von real und Netto

Der Netto Marken-Discount hat schon im Jahr 2008 alle Plus-Märkte übernommen. Das Plus-Logo ist bereits vielerorts dem Netto-Zeichen gewichen. Interessante technische Geräte aus den Bereichen Unterhaltung, Multimedia, Haus und Garten haben wir bei den Filialen der Discounterkette kaum gefunden. Die aktuelle Auswertung enthält nur noch einen Schnelltest unter dem Namen Plus: den Profi-Beamer InFocus X16. Er war mittelmäßig. Auch bei real waren testwürdige Aktionsangebote seltener. Die Handelskette verkaufte eher Markenprodukte, die wir aber nur ausnahmsweise einem Schnelltest unterziehen. Ein digitaler Bilderrahmen für 50 Euro war im Schnelltest vertreten – ein Flop.

Von Tchibo haben wir ebenso nur ein Produkt geprüft: das Kochtopfset TCM Edelstahl Induct Plus (siehe Test Kochtöpfe). Den großen Vergleichstest verließ es sogar als Sieger. Es kochte am besten und war für 100 Euro ein wahres Schnäppchen.

Auch in der kommenden Testsaison wird der Wettstreit um attraktive Sonderangebote wohl vor allem zwischen Lidl und Aldi ausgetragen. Auf www.test.de erfährt der Leser wöchentlich neue Ergebnisse.

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