Aktionsware Schnelltest

Aktionsware vom Lebensmitteldiscounter: Im Vergleich zum Vorjahr oft schlechtere Qualität.

Die Qualität der Sonderangebote sinkt. Einige enthalten Schadstoffe. Von den insgesamt 58 geprüften Produkten erwiesen sich gleich 22 als Fehlkäufe.

Zu diesem Thema bietet test.de aktuellere Schnelltests: Aktionsware

Aktionswaren aus dem Lebensmit­telhandel sind zum Teil gefährlich. Unsere Prüfer fanden in diver­sen Sonderangeboten der Discounter giftige Stoffe, die Krebs auslösen, das Erbgut schädigen oder sich hormonell auf den menschlichen Körper auswirken können.

Hochgradig belastet mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) waren zum Beispiel ein Hammerset von Aldi (Schnelltest veröffentlicht unter www.test.de am 17. Juni) sowie ein ebenfalls von Aldi verkaufter Winkelschleifer (Schnelltest vom 1. Juli). Lidl bot Maurerkellen an, deren Griffe mit schädlichen Weichmachern durchsetzt waren ­(2. Au­gust). Ende August kauften wir vier verdächtige Produkte – und wurden viermal fündig: Sägen von Lidl und Plus, ein Bits- und Bohrerset von Lidl sowie ein Tacker von Plus waren mit PAKs belastet oder enthielten andere gefährliche Schadstoffe (30. August). Kurz vor Redaktionsschluss fanden wir entsprechende Stoffe sogar in einem Laufrad für Kinder (Plus, 27. September).

Es fragt sich, warum der teilweise penetrante Gestank der Werkzeuge den Anbietern nicht selbst aufgefallen ist. Sie reagierten aber auf die Testergebnisse und nahmen verdächtige Produkte aus dem Handel. Andere Werkzeuge wurden trotz Ankündigung in Werbeprospekten dann doch nicht verkauft – unsere Einkäufer standen öfter vor Aktionsware-Regalen, die gar nicht erst gefüllt wurden. test wird verstärkt Sonderangebote aus dem Heimwerkerbereich auf Schadstoffe untersu­chen (siehe Text „Unnötige Chemie“).

„Geiz ist geil“ stößt an seine Grenzen

Aktionsware Schnelltest

Zu viel schlechte Ware: 38 Prozent der geprüften Produkte waren Fehlkäufe. Nur jede vierte Aktionsware bot gute Qualität zum günstigen Preis.

Die „Geiz-ist-geil“-Mentalität stößt an ihre Grenzen. Unter dem Druck, immer billiger zu verkaufen, haben einige Anbieter offensichtlich die Kontrollen vernachlässigt. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und giftige Weichmacher gehören nicht in Werkzeug. Wir haben alle mit gefährlichen Schadstoffen belasteten Aktionswaren als „Fehlkauf“ eingestuft.

Schlechtere Ware als in Vorjahren

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Anfassen genügt: Die Schadstoffe auf der Haut fluoreszieren unter UV-Licht.

Von den 58 in den vergangenen Monaten getesteten Aktionswaren aus dem Lebensmittelhandel waren 22 nicht empfehlenswert. Das ergibt eine Quote von immerhin 38 Prozent, deutlich mehr als die 25 Prozent Fehlkäufe des letzten Jahres. Oft genug sind auch die technischen Leistungen der Geräte unzureichend. Werkzeuge oder Gartengeräte halten zu wenig aus. Fast schon traditionell häckselte sich auch in diesem Jahr ein Gartenhäcksler ins Nirwana: Das Ende August von Aldi verkaufte Modell war nach nur 15 Minuten Dauerbetrieb defekt (veröffentlicht am 31. August). Zu schlapp war auch eine Elektro-Säbelsäge von Lidl (4. Oktober 2004), die ebenfalls den Dauertest nicht überstand. Fast vernichtend ist das Urteil zu Staubsaugern. Bis auf zweimal „Mittelmaß“ waren alle sechs geprüften Modelle Fehlkäufe. Der im April getestete Clatronic-Sauger von Plus nahm beispielsweise nur zehn Prozent unseres „Normstaubs“ auf – und blies einen guten Teil davon auf der anderen Seite wieder heraus. Nicht empfehlenswert war auch ein Fahrrad-Kindersitz von Lidl.

Aldi mit Abstand am besten

Ein Ergebnis aus dem vergangenen Jahr hat sich allerdings sehr deutlich bestätigt: Aldi ist der mit Abstand beste Anbieter. Wir prüften 20 Aldi-Sonderangebote – 10 davon waren Schnäppchen. Die hohe Zahl geprüfter Produkte spricht für das recht interessante Aldi-Angebot. Gelobt wurden unter anderem zwei Notebooks (22. Oktober 2004, 23. Februar 2005), ein TFT-Monitor (18. November 2004) und eine Heimkinoanalage (3. Februar 2005). Hauptkonkurrent Lidl sackte ab: Von den 14 Aktionswaren konnten wir dieses Jahr nur 2 als Schnäppchen einstufen, sechs waren Fehlkäufe. Unsere Ergebnisse haben aufgrund der geringen Fallzahlen und vor allem der Auswahl der Prüflinge nur begrenzten statistischen Wert. Es fällt aber auf, dass die Qualität von Lidl-Aktionsware in unseren Tests von Jahr zu Jahr schlechter wurde. Vor zwei Jahren lag Lidl nur knapp hinter Aldi mit immerhin 5 Schnäppchen bei 14 Tests. Ein noch schlechteres Ergebnis erzielte Plus: Bei neun geprüften Aktionswaren fanden wir in diesem Jahr kein Schnäppchen und nur dreimal Mittelmaß, aber sechs Fehlkäufe. Plus hatte damit ebenso wie in den Vorjahren deutliche Probleme mit der Qualität seiner Waren.

Im Massenmarkt angekommen

Was in den Prospekten von Aldi, Lidl, Plus, Penny, Norma, Real oder Tchibo auftaucht, ist im Massenmarkt angekommen. Neue Produkte waren in den vergangenen zwölf Monaten zum Beispiel MP3-Spieler und LCD-Fernseher. Von den vier geprüften MP3-­Spielern erwies sich nur ein Festplatten-Player von Aldi als Schnäppchen. Empfehlenswert bei den beiden geprüften LCD-Fernsehern war nur der von Aldi Süd (Meldung veröffentlicht am 24. Mai), der von Plus dagegen war ein Fehlkauf (18. Februar).

Pferde-Knoblauchpillen

Der Markt für Aktionsware hat sich beruhigt. Deutsche Schnäppchenjäger sind offenbar gut mit Computern, DVD-Spielern und Digitalkameras versorgt. Die Lebensmitteldiscounter suchen nach neuen Produkten, mit denen sie Kunden in ihre Filialen locken können. Das führt zum Teil zu etwas eigenartigen – und schwer prüfbaren – Angeboten. Die Anbieter werben beispielsweise für Oktoberfest-Hüte (4,99 Euro) oder Hufpflegespray (3,99 Euro).

Üblicherweise untersucht die STIFTUNG WARENTEST nur Aktionsware, für die es aus regulären Tests Erfahrungen gibt: Ein Fernseher wird mit den Ergebnissen aus dem letzten Fernsehertest verglichen. Einige Produkte müssen deshalb unberücksichtigt bleiben. Einen Schnelltest von Knoblauchpillen für Pferde, wie sie Lidl für 9,99 Euro im September anbot, können wir dem geneigten Pferdefreund wohl auch in Zukunft nicht liefern.

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