Aktions­ware Bilanz 2010 Schnelltest

„Jede Woche eine neue Welt“, so wirbt Tchibo für seine Aktions­waren. Doch ob die Artikel bei Aldi, Lidl & Co. Schnäpp­chen oder Fehlkäufe sind, weiß der Kunde nicht. Die Stiftung Warentest prüft das jede Woche. Nun die Bilanz aus 70 Tests der vergangenen zwölf Monate. Erst­mals gekürt: Top und Flop des Jahres. Dazu die Info, wo es die meisten Schnäpp­chen gibt.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuel­leren Test: Aktionsware

Flop des Jahres: Holz-Kinder­laufrad von Penny

Aktions­ware Bilanz 2010 Schnelltest

Flott heißt es, ein Flop ist es. Das Holz-Kinder­laufrad von Penny hat im Juli negativ über­rascht. Für 30 Euro gab es deutlich zu viele Schad­stoffe in den Griffen, Klemm­gefahr für die Finger und eine zu nied­rige Sitz­position für Dreijäh­rige. So viel Kritisches war selten. Auf test.de konnte im Juli jeder lesen: „Das Penny-Holz­laufrad ist mangelhaft. Es hätte gar nicht erst verkauft werden dürfen.“ Es ist der größte Fehlkauf unter den von uns getesteten Aktions­artikeln der letzten zwölf Monate, befand die Stiftung Warentest: Laufrad von Penny: Schadstoffe satt.

Schnäpp­chen des Jahres: Sat-Empfänger von Aldi

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Ganz anders dagegen das Top-Schnäpp­chen: Eine gute Bild­qualität und saubere Aufnahmen auf der Fest­platte bietet der HD-Sat-Empfänger mit Fest­platte – Medion Life E24003 (MD26001) – von Aldi (Nord). Aber wen wunderts, schließ­lich war sein Innenleben weit­gehend baugleich mit dem zweit­platzierten Sat-Empfänger von Comag: Test: Sat-Empfänger (test 02/2010).Verglichen mit Markengeräten aus dem Vergleichs­testwar sein Preis noch dazu deutlich güns­tiger. Und so summierten sich unschlagbare Argumente für das Prädikat „Top-Schnäpp­chen“.

Seit Ende 2002 prüfen wir regel­mäßig Aktions­waren und ziehen einmal im Jahr Bilanz. Aktions­ware geht über das normale Sortiment des Anbieters hinaus; er verkauft es nur zeit­weise. In diesem Jahr kürten wir mit dem HD-Sat-Empfänger zum erstenmal das Top-Schnäpp­chen und mit dem Kinder­laufrad den größten Fehlkauf der vergangenen zwölf Monate.

Was ein Schnäpp­chen ist

Die Ergeb­nisse im Schnell­test entscheiden darüber, was am Ende als Schnäpp­chen, Fehlkauf oder Mittel­maß rangiert. Doch was bedeutet das über­haupt? Ein Fehlkauf ist ganz einfach schlechte Qualität. Auch ein güns­tiger Preis im Vergleich zu Marken­produkten kann sein Niveau nicht mehr heben. Ein Schnäpp­chen hingegen über­zeugt durch gute oder akzeptable Qualität zum Nied­rigpreis. Mittel­maß nennen wir alles, was weder Schnäpp­chen noch Fehlkauf ist.

Viel Mittel­maß

Aktions­ware Bilanz 2010 Schnelltest

Das Gesamt­ergebnis der Aktions­warentests vom September 2009 bis August 2010 lautet: Das Fehlkaufrisiko und die Chance auf ein Schnäpp­chen sind in etwa gleich groß (siehe Infografik). Es basiert auf Tests von 70 Aktions­artikeln von Aldi, Lidl, Penny, Norma und Tchibo. Im Vergleich zum vergangenen Jahr hat das Mittel­maß etwas zugenommen. Mit 46 Prozent stellt es den stärksten Anteil unter den Aktions­warekäufen.

Schnäpp­chenkönige Aldi und Lidl

Während in der Vergangenheit stets Aldi der Schnäpp­chenkönig war, hat sich Lidl nun dazugesellt. In den letzten fünf Jahren ist die Qualität der Lidl-Aktions­artikel gestiegen, der Discounter hat aufgeholt. Gemein­sam mit Aldi bildet Lidl jetzt die Doppelspitze der Schnäpp­chenkönige. In den betrachteten zwölf Monaten machten wir bei beiden jeweils sieben Schnäpp­chen. Getestet haben wir 21 Produkte von Aldi und 19 Produkte von Lidl.

Aktions­ware Bilanz 2010 Schnelltest

Auch die Fünf­jahres­bilanz bestätigt diese Entwick­lung (siehe Infografik): Mit 36 und 35 Prozent Schnäpp­chen­anteil liegen Aldi und Lidl dicht beieinander. Allerdings ist das Fehlkaufrisiko bei Lidl um neun Prozent­punkte höher als das bei Aldi.

Beim Vergleich der fünf Anbieter unter­einander birgt Aldi das geringste Fehlkaufrisiko. Nur drei Flops gab es hier in den vergangenen zwölf Monaten. Einer dieser Flops war neben schlechter Funk­tion allerdings auch durch Mängel in der Sicherheit gekenn­zeichnet. Der Lava­stein-Gasgrill von Aldi (Nord) erwies sich im Schnell­test als ein Fehlkauf: ein komplizierter Aufbau, eine schlechte Temperatur­verteilung und weiterströmendes Gas bei erloschener Flamme: Lavastein-Gasgrill von Aldi: Kein Grillvergnügen.

Schluss­lichter Penny und Norma

So wie Aldi und Lidl sich zur Spitze formieren, bilden Penny und Norma das Schluss­licht. Bei beiden konnten wir seit September 2009 jeweils nur ein Schnäpp­chen ergattern. Gekauft haben wir 11 Produkte bei Penny und 16 Produkte bei Norma.

Die Lang­zeit­betrachtung der Fünf­jahres­bilanz zeigt deutlich: Nicht nur die Chance auf Schnäpp­chen ist bei Penny und Norma am kleinsten, noch dazu gibt es ein hohes Fehlkaufrisiko.

Warum Plus diesmal fehlt

Im Vergleich zur Aktionsware-Bilanz 2009 fehlt diesmal der Discounter Plus. Das liegt daran, dass der Netto Marken-Discount 2008 alle Plus-Märkte über­nommen und sukzessive umbe­nannt hat. In den letzten zwölf Monaten war der Netto Marken-Discount jedoch nur mit einer Aktions­ware in den Tests vertreten – zu wenig für eine Auswertung. Kein Discounter, aber dennoch in der Bilanz dabei ist Tchibo. Der Hamburger Kaffee­röster verkauft seit Anfang der 70er Jahre Aktions­waren und gehört mitt­lerweile zu den größten Handels­unternehmen Deutsch­lands.

Jede Woche neue Schnell­tests

Es ist schwer, auf den ersten Blick ein Schnäpp­chen von einem Fehlkauf zu unterscheiden. Deshalb treffen sich jeden Donners­tagmorgen Redak­teure und Produkttester der Stiftung Warentest, um die aktuellen Broschüren und Internet­seiten von Aldi, Lidl und Co. nach neuen Angeboten zu durch­forsten. Spannend, teuer oder auffallend günstig – solche Angebote aus dem Bereichen Unterhaltung, Multimedia, Haus und Garten wecken ihre Aufmerk­samkeit und die Frage: Top oder Flop?

Pro Woche schi­cken sie dann ein bis zwei Artikel in den Schnell­test. Noten werden dabei am Ende aber nicht vergeben. Grund: Es handelt sich um keinen vergleichenden Warentest mit anderen Produkten. Die Ergeb­nisse vergangener großer Tests spielen aber auch für die Schnell­tests eine Rolle. Sie liefern Anhalts­punkte für die Prüfkriterien. Außerdem lässt sich das Ergebnis grob einordnen.

Ergeb­nisse stehen auf test.de

Der Vorteil der Schnell­tests liegt in ihrer Geschwindig­keit. Das Flott-Holz­kinder­laufrad kauf­ten die Tester am Montag, den 26. Juli 2010, bei Penny. Bereits am 28. Juli 2010 waren die Ergeb­nisse auf test.de zu lesen: Laufrad von Penny: Schadstoffe satt. Neben Mängeln in der Konstruktion stellten die Tester auch poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe (PAK) fest sowie den Phthalat-Weichmacher DEHP in hohen Konzentrationen in den Griffen. Weil dieser Weichmacher die Fort­pflan­zungs­fähig­keit beein­trächtigen kann, ist er EU-weit für Spielzeug verboten. Zusätzlich sendete die Stiftung Warentest eine Presse­mitteilung aus, um vor dem Flott-Holz­kinder­laufrad zu warnen. Denn trotz Schad­stoff­belastung und Konstruktions­mängeln stand auf der Verpackung „Geprüfte Sicherheit und frei von Schad­stoffen“.

Bei einem positiven Schnell­test­ergebnis dagegen bleibt dem Verbraucher bei dieser Geschwindig­keit meist genug Zeit, um bei einem Schnäpp­chen noch zuzu­schlagen.

Schnell­test auf Schad­stoffe

Schad­stoffe fanden die Tester nicht nur beim Holz­laufrad, sondern auch in Gummi­stiefeln für Kinder und Klein­kinder. Lidl bot sie am 25. März 2010 an. Sie enthielten PAKs: Gummistiefel für Kinder von Lidl: Schadstoffe bei Fuß. Einige davon gelten als krebs­erzeugend, frucht­schädigend oder erbgutver­ändernd. Eine akute Gesund­heits­gefahr bestand bei der Konzentration von knapp sieben Milligramm pro Kilogramm nicht. Dennoch sollten Materialien, mit denen Kinder unter drei Jahren längeren Haut­kontakt haben, keine PAKs enthalten.

Lidl kann auch anders: Am 16. September 2010 bot der Discounter wieder Kinder­stiefel an. Diesmal haben die Prüfer keine Schad­stoffe nachgewiesen. Auch dieses Ergebnis stand bereits einen Tag später auf test.de: Gummistiefel für Kinder: Stinkstiefel. Mit 9 Euro kosteten die schad­stoff­freien Kinder­stiefel 3 Euro mehr als die belasteten vom Früh­jahr.

Drei Monate Rück­gabe bei Penny

Wer dennoch einen Flop gekauft hat, kann ihn bei den Discountern meist problemlos zurück­geben (Interview): Die Anbieter sind kulant und räumen mehr als zwei Wochen Rück­gaberecht bei Nicht­gefallen ein. Aldi (Nord) gewährt im Rahmen der „Aldi-Garantie“ ein Rück­gaberecht bis zu einem Monat ab Kauf­datum. Eine Begründung verlangt Aldi dafür nicht, wohl aber den Kassenbon. Tchibo lässt seiner Kund­schaft vier Wochen Zeit für die Rück­gabe. Aldi (Süd), Norma und Lidl bieten diesen Rück­gabeservice für zwei Monate. Am groß­zügigsten ist Penny mit der längsten „Nicht-Zufrieden­heits-Garantie“. Sie gilt drei Monate ab Kauf­datum.

Käufer des Flott-Holz­laufrads hatten also wenigs­tens genug Zeit, um diesen rollenden Flop bei Penny zurück­zugeben.

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