Aktionsware Schnelltest

Staubsauger, MP3-Spieler, Dampfgarer, Notebooks, Navigationssysteme oder Olivenöl: Woche für Woche kauft die Stiftung Warentest Aktionsware bei Discountern ein. Top oder Flop ist stets die Frage. Schnäppchen oder Ladenhüter? Fünf Jahre gibt es die Schnelltests nun. test.de zieht Bilanz.

Zu diesem Thema bietet test.de aktuellere Schnelltests: Aktionsware

Fertighaus bei Tchibo

Aktionsware Schnelltest

Bunt, marktschreierisch und prall gefüllt mit vorgeblichen Schnäppchen flattern die Angebotsprospekte Woche für Woche ins Haus. Dass es Computer und Digitalkameras beim Lebensmitteldiscounter gibt und Outdoorjacken beim Kaffeeröster, verwundert heute niemanden mehr. Immer öfter haben Aldi, Lidl und Co. auch Waren im Programm, die sich nicht so einfach in den Einkaufskorb legen lassen wie ein Küchenmixer – etwa Reisen, Telefontarife oder Bahntickets. Bei Tchibo konnte man im Mai sogar ein Fertighaus ordern: Das Angebot wurde deutlich teurer als erwartet, im Vertrag lauerten Kostenfallen, die den „garantierten Festpreis“ von 158 900 Euro nachträglich in die Höhe schraubten. So waren nicht einmal die Fundamente für Terrassen und Vordachstützen im Festpreis berücksichtigt.

Schnäppchen sind rar

Aktionsware Schnelltest

Gutes ist selten dabei. Nur etwa jedes vierte der 5 Produkte überzeugte 2007 mit guter Qualität und günstigen Preisen.

Normalerweise prüft die Stiftung Warentest im Schnelltest handlichere Produkte – bevorzugt solche, die nach Schnäppchen aussehen. 54 Aktionswaren der Lebensmitteldiscounter und 3 von Tchibo sind so in den vergangenen Monaten zusammengekommen. Seit fünf Jahren zeigen die Schnelltests von Sonderangeboten aus dem Discounter, dass Schnäppchen meist Mangelware sind. Das war auch in diesem Jahr so. Viele Produkte entpuppen sich im Testlabor als Fehlkauf: Da gibt es den undichten Dampfgarer von Plus, der im Betrieb kleine Pfützen produziert und obendrein einen zu kleinen Wassertank hat. Oder das Navigationssystem von Norma, das durch Mängel bei Adresseingabe und Sprachausgabe auffällt. Der Anteil der Fehlkäufe stieg insgesamt auf den traurigen Rekord von 39 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es noch 5 Prozent weniger.

Schadstoffalarm

Besonders bedenklich ist, dass wieder einige schadstoffbelastete Produkte in den Handel gelangt sind. Zwei Fahrradpumpen von Aldi und Penny fielen wegen ihres stark chemischen Geruchs auf. In den Schläuchen der Standpumpen entdeckten die Tester alarmierend hohe Konzentrationen an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Diese giftigen Chemikalien werden vor allem in schwarzen, gummiartigen Kunststoffmaterialien als Weichmacher eingesetzt. PAK gelten als krebserregend und erbgutschädigend, sie können schon durch Hautkontakt in den Körper gelangen. Diethylhexylphthalat (DEHP), einen anderen gesundheitsschädlichen Weichmacher, fanden die Tester in der PVC-Folie eines Schülerschreibtischs von Plus. Außerdem ermittelten die Prüfer deutlich erhöhte Mengen Kadmium in dem Büromöbel. Das nicht abbaubare Schwermetall ist vor allem bei der Entsorgung ein Problem.

Nur jedes vierte Angebot lohnt

Die Schnäppchenquote liegt bei 26 Prozent und ist damit etwas höher als ein Jahr zuvor. Nur etwa jedes vierte geprüfte Aktionsprodukt bot also gute oder zumindest mittelmäßige Qualität zu einem günstigen Preis. Von 19 Aldi-Sonderangeboten, die die Stiftung Warentest geprüft hat, waren 7 Schnäppchen und 8 Mittelmaß. Unter den zwölf getesteten Produkten von Penny fanden die Tester nur drei Schnäppchen, weitere drei waren Mittelmaß. Plus, mit elf Produkten in der Jahresauswertung, kam ebenfalls nur auf drei Schnäppchen. Ähnlich gering fiel der Schnäppchenanteil bei Lidl aus, mit zwei von sieben geprüften Aktionswaren. Von Norma, real und Tchibo konnten die Einkäufer der Stiftung Warentest kein einziges Schnäppchen nachhause tragen. Die Fallzahlen sind bei ihnen mit je zwei bis drei untersuchten Produkten jedoch zu gering für generelle Aussagen zur Qualität. In der Fünfjahresbilanz (siehe Grafik) ist schon eher zu erkennen, bei wem sich das Durchforsten der bunten Prospekte möglicherweise lohnt.

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