Im Schatten bleiben und Sonnen­schutz nutzen. Die Haut dankt es einem!

Jähr­lich erkranken in Deutsch­land etwa 260 000 Menschen an weißem Haut­krebs. Am häufigsten wird er bei Menschen ab 50 Jahre diagnostiziert. Der Krebs kann unter anderem aus Haut­ver­änderungen entstehen, die als akti­nische Keratose bezeichnet werden. Im Anfangs­stadium sind sie nicht bösartig, können später aber entarten. Bei größeren Veränderungen sind medikamentöse Behand­lungs­methoden sinn­voll. Forscher aus den Nieder­landen haben die Therapien verglichen.

Sonne als Verursacherin – Männer häufiger betroffen

Rötlich-bräunlich, verhärtet, mit rauer Oberfläche – wenn Haut­stellen insbesondere in Gesicht und Nacken, auf Kopf­haut, Armen oder Hand­rücken so aussehen, könnte es sich um Vorstufen von weißem Haut­krebs handeln. Mit den Jahren können sich die Stellen weiß­lich verfärben, warzig-höck­rig verändern, sich in tieferen Hautschichten ausbreiten und Krebs­geschwulste bilden. Haut­ärzte sprechen von akti­nischer Keratose. Sie tritt vor allem bei älteren, hell­häutigen Menschen auf, die sich oft und lange starker Sonnen­einstrahlung ausgesetzt haben. Männern sind häufiger betroffen als Frauen. Um zu verhindern, dass sich aus den Haut­ver­änderungen ein Tumor entwickelt, sollten Betroffene diese Vorstufen behandeln lassen. Es gibt verschiedene Methoden.

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Einzel­stellen lassen sich entfernen

Wenn der Haut­arzt fest­stellt, dass nur einzelne Haut­stellen betroffen sind, kann er diese oft gut mit mecha­nischen Verfahren entfernen.

  • Vereisung. Wie bei der Warzenbe­hand­lung werden die Haut­zellen mit Hilfe von flüssigem Stick­stoff abge­tragen. Die Behand­lung gilt als sehr sicher und zuver­lässig, allerdings empfinden einige Patienten sie als recht schmerzhaft. Zudem kann sich dadurch die Haut verfärben und eine Narbe zurück­bleiben.
  • Chirurgischer Eingriff. Eine in der Regel kleine, ambulante Operation ist sinn­voll, wenn Gewebe­proben im Labor untersucht werden sollen. Dies kommt vor allem dann infrage, wenn fest­gestellt werden soll, wie weit sich die Wucherung bereits ausgebreitet hat.
  • Lasern. Bei der Behand­lung mit Laserlicht wird die geschädigte Haut schicht­weise abge­tragen. Ob dadurch die Haut­ver­änderungen dauer­haft verschwinden, ist jedoch ungewiss.

Größere Bereiche mit Gel oder Cremes behandeln

Mehrere benach­barte oder groß­flächige akti­nische Haut­ver­änderungen lassen sich nicht so einfach wegschneiden oder zerstören. Für diese Form haben Forscher der Universität Maastricht nun erst­mals verschiedene medikamentöse Behand­lungs­strategien direkt miteinander verglichen. Dafür kommen Cremes und Gele zum Einsatz, die auf dem deutschen Markt rezept­pflichtig sind. Die Ergebnisse ihrer herstellerunabhängigen Studie haben sie im Fachmagazin New English Journal of Medicine veröffent­licht. Falls die erste Behand­lung nicht den gewünschten Erfolg erzielte, wendeten die Probanden sie in der Studie nach drei Monaten erneut an. Nach einem Jahr wurde der Behand­lungs­erfolg beur­teilt. Ob sich durch die Behand­lung lang­fristig die Haut­krebs­rate vermindern lässt, ist nicht erforscht.

Größte Behand­lungs­erfolge mit Wirk­stoff Fluorouracil

Die größten Behand­lungs­erfolge registrierten die Wissenschaftler bei Patienten, bei denen eine Creme mit dem Wirk­stoff Fluorouracil auf die veränderten Haut­stellen aufgetragen wurde. Bei 75 Prozent der Anwender waren sie noch ein Jahr nach der Therapie verschwunden. Fluorouracil ist ein Zell­gift, das die Zell­teilung hemmt. Einige Wochen nach der Anwendung heilen die Haut­ver­änderungen ab. Allerdings kann der Wirk­stoff die Haut stark reizen. Zwei verschreibungs­pflichtige Mittel sind auf dem Markt (nach dem Klick auf die Links geht es zu den detaillierten Bewertungen der Präparate durch die Stiftung Warentest).

  • Efudix (Fluorouracil 5 Prozent). Die Creme soll zweimal täglich in der Regel über zwei bis vier Wochen angewendet werden. Eine Behand­lung kann bis zu zwölf Wochen dauern.
  • Actikerall (Fluorouracil 5 Prozent + Salicylsäure 10 Prozent). Diese Lösung kombiniert Fluorouracil und Salicylsäure. Die Salicylsäure erleichtert das Eindringen von Fluorouracil in die Haut.

Wirk­stoff Imiquimod wirkt bei jedem zweiten Patienten

Bei anderen Patienten der Studie, die eine Creme mit dem Wirk­stoff Imiquimod gegen die akti­nische Keratose auftrugen, war die Erfolgs­quote geringer: Die Therapie hatte ein Jahr nach der ersten Anwendung nur bei 54 Prozent ange­schlagen. Imiquimod beein­flusst das Immun­system und lässt es verstärkt Stoffe ausschütten, die das über­schießende Wachs­tum von Zellen in der Haut bremsen. Der Wirk­stoff kommt gemäß Zulassung nur in Frage, wenn die geschädigten Haut­stellen flach und noch kaum verhornt sind. Nachteil: Imiquimod reizt die Haut stark, sie kann brennen und schmerzen. Dieses verschreibungs­pflichtige Mittel ist auf dem Markt:

  • Aldara (Imiquimod 5 Prozent). Die Creme soll über vier Wochen zwei- bis dreimal wöchentlich aufgetragen werden.

Photod­ynamische Therapie hilft 38 Prozent – schmerzt aber oft

Von den Patienten, die eine sogenannte photod­ynamischen Therapie erhielten, hatten nur 38 Prozent nach zwölf Monaten keine Symptome mehr. Die Behand­lung läuft folgendermaßen ab: Erst kommt eine Creme mit einem speziellen Wirk­stoff auf das betroffene Hauta­real, das dann für einige Stunden abge­deckt wird. Der Wirk­stoff Methyl­aminolävulinat reichert sich währenddessen in den veränderten Haut­zellen an und erhöht ihre Licht­empfindlich­keit. Später bestrahlt der Arzt die Stellen mit Rotlicht. Der Wirk­stoff setzt dann reaktions­freudigen Sauer­stoff frei, der die Haut­zellen zerstört. Nachteil der photod­ynamischen Therapie: In der Studie klagten mehr als 60 von 100 Personen mit dieser Behand­lung über einen starken Schmerz oder ein starkes Brennen. Die anderen Behand­lungen waren deutlich weniger schmerzhaft.

Von Ingenolmebutat profiteren Patienten am wenigsten

Am wenigsten Patienten profitierten in der Studie von einer Behand­lung mit Ingenolmebutat-Gel: Es beseitigte nach einem Jahr nur bei 29 Prozent die Haut­ver­änderungen. Der Wirk­stoff stammt aus dem Pflanzensaft der Gartenwolfs­milch. Er ist ein Zell­gift, sein genauer Wirkungs­mecha­nismus bei akti­nischer Keratose ist noch nicht geklärt. Man vermutet, dass er die veränderten Haut­zellen auf zwei Wegen zum Absterben bringt: Zum einen durch die direkte Wirkung des Giftes auf die Zell­funk­tionen, zum anderen durch eine Entzündungs­reaktion im Bereich der behandelten Haut. Die Entzündung akti­viert dann die körper­eigene Abwehr. Die Neben­wirkungen fielen etwas geringer aus als bei den anderen Wirk­stoffen: Seltener kam es zu Schuppen- und Krusten­bildung sowie Juck­reiz.

Präparate mit Ingenolmebutat kommen gemäß Zulassung nur in Frage, wenn die geschädigten Haut­stellen flach und kaum verhornt sind.

  • Picato (Ingenolmebutat 0,015 Prozent und 0,05 Prozent). Das Gel gibt es in zwei Wirk­stärken – in geringerer Dosis ist es für Gesicht und Kopf­bereich vorgesehen. Die Therapie dauert nicht lange – das Gel muss nur an zwei bis drei aufeinander­folgenden Tagen angewendet werden und wirkt schneller als andere äußerlich anzu­wendende Mittel.

Gele mit Diclofenac am haut­verträglichsten

Nicht bei Patienten der nieder­ländischen Studie angewendet, aber bei akti­nischer Keratose ebenfalls erfolg­reich einge­setzt: Gele mit Diclofenac. Nach bisheriger Studien­lage wirken sie aber etwas schwächer als andere Mittel zum Auftragen, dafür sind sie besonders haut­verträglich. Diclofenac – der Wirk­stoff ist aus Schmerz­mitteln bekannt – kann bestimmte Stoff­wechsel­prozesse bremsen, die eine unkontrollierte Vermehrung von Haut­zellen verursachen. Der genaue Wirk­mecha­nismus ist noch nicht geklärt, aber vermutlich hemmt Diclofenac die Zell­teilung und die Bildung kleiner Blutgefäßen. Diese Präparate sind auf dem Markt:

  • Souctan und Solarze (Diclofenac 3 Prozent). Bei beiden Gelen ist es wichtig, sie konsequent zwei bis drei Monate lang täglich zweimal aufzutragen.

Nach der Behand­lung bleiben selten Narben

Die nieder­ländischen Forscher stellten fest, dass alle Behand­lungs­methoden eher selten kosmetische Probleme wie Narben oder dauer­hafte Rötungen verursachten. Am besten schnitt in dieser Hinsicht die photod­ynamische Therapie ab – sie hinterließ bei 97 Prozent keine oder fast keine Spuren auf der Haut. Das war auch bei 95 Prozent der Patienten der Fall, die das Präparat mit Ingenolmebutat nutzten. Bei den mit Fluorouracil und Imiquimod Behandelten waren es 90 Prozent.

Tipp: Sprechen Sie Ihren Arzt auf die verschiedenen Therapie­möglich­keiten an. Lassen Sie sich erläutern, warum er welche Behand­lung in Ihrem Fall für sinn­voll hält.

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