Aktienstrategien im Test Test

Für eine Strategie mit drei Aktien sollten Anleger etwa 10 000 Euro haben. Sonst können die Fixkosten für Kauf und Verkauf zu hoch sein.

Finanztest hat die Vergangenheitserfolge von Aktienstrategien untersucht. Ab sofort werden die Strategien auch im monatlichen Dauertest auf ihre Tauglichkeit überprüft.

„Wenn die Börsenspekulation so leicht wäre, gäbe es keine Bergarbeiter, Holzfäller und andere Schwerarbeiter. Jeder wäre Spekulant.“ Der verstorbene Börsenguru André Kostolany wusste, wovon er sprach. Anleger, die auf gut Glück an der Börse handeln, haben langfristig nur eine gute Chance: Pleite zu gehen. Wer auf Dauer Erfolg haben will, braucht neben einem ausgewogenen Depot und vielen fundierten Informationen auch eine Anlagestrategie.

Kursentwicklung als Grundlage

Aktienstrategien im Test Test

Finanztest hat einige der wichtigsten Strategien auf ihre Erfolge in der Vergangenheit überprüft. Allerdings haben wir nur solche Strategien berücksichtigt, die sich auf Kursentwicklungen und Dividendenzahlungen stützen. Nur mit ihnen kann der Anleger die geeigneten Aktien ohne übertriebenen Aufwand selbst herausfiltern.

Mit Strategien, die Fundamentaldaten heranziehen, geht das kaum. Dann bestimmen unternehmensbezogene Bilanzzahlen oder die für die nächsten Jahre erwarteten Umsätze und Gewinne die Aktienauswahl. Der Anleger müsste entweder mit den Feinheiten der Bilanzierung vertraut sein oder sich auf Prognosen von Fachleuten verlassen – und die waren nicht nur in den letzten drei Jahren oft widersprüchlich.

Im Gegensatz dazu sind Kursverläufe aus der Vergangenheit objektiv und für jeden nachvollziehbar. Außerdem lassen sie genügend Spielraum für unterschiedliche Handlungsansätze. Anleger können zwischen vorsichtigen und riskanten Strategien wählen, sie können mit dem Strom schwimmen oder sich auch gegen die Massenmeinung stellen.

Keine Erfolgsgarantie

Aktienstrategien im Test Test

Nur die Umkehrstrategie war fast in jedem Jahr ein Flop.

Auf den folgenden Seiten beschreiben wir vier Strategien in Kurzporträts. Wir haben sie mit Minidepots aus jeweils drei Aktien auf ihre Erfolge in der Vergangenheit überprüft. Unsere fünfte Strategie ist einfach eine Kombination aus zwei der anderen.

Manche Strategien hatten in den vergangenen fünf Jahren erstaunlich hohe Trefferquoten, bei anderen war die Wertentwicklung bescheiden. Wer aber hofft, eine systemgestützte Lösung für alle Börsenzeiten zu finden, den müssen wir enttäuschen. Strategien mit Erfolgsgarantie gibt es nicht. Eine Strategie, die in einem Jahr hervorragend lief, kann sich im nächsten als Flop erweisen. Die Entwicklung in der Vergangenheit ist eben kein Indikator für die Zukunft.

Finanztest rät ohnehin davon ab, einer Strategie blind zu folgen. Besser ist es, die mit den Strategien herausgefilterten Aktien genau unter die Lupe zu nehmen und nur die zu kaufen, von denen man auch sonst überzeugt ist.

Wie gut die ausgewählten Strategien in den letzten fünf Jahren funktioniert haben, zeigt die Grafik. Zusätzlich beginnen wir in diesem Heft mit einem monatlichen Dauertest der Strategien (s. Seite 98 im pdf).

Trotz Spesen viel gewesen

Kluges Handeln ist an der Börse nicht zwangsläufig wirklich mit Handeln verbunden. Jeder Kauf und Verkauf bringt Kosten, aber nicht immer einen Nutzen. So gilt häufiges Umschichten als Gift für die Wertentwicklung.

Fragt sich nur, ob diese Regel auch auf unsere Aktienstrategien zutrifft. Wir haben für alle Strategien die Wertentwicklung bei monatlicher, halbjährlicher und jährlicher Umschichtung berechnet. Das bemerkenswerte Ergebnis: Die meisten Strategien erzielten bei monatlicher Umschichtung bessere Ergebnisse als bei jährlichem Austausch – trotz der deutlich höheren Nebenkosten.

Wir haben für jeden Kauf und Verkauf mit jeweils einem halben Prozent Kosten kalkuliert. Das ist die realistische Größe für Kunden von Discountbrokern. Wer über seine Hausbank ordert, sollte allerdings mit ungefähr doppelt so hohen Kosten rechnen.

Da die monatliche Umschichtung gute Ergebnisse brachte, diente sie auch als Grundlage für die von Finanztest dargestellte Wertentwicklung. Unser neuer Dauertest fußt ebenfalls auf monat­licher Umschichtung der Aktien.

Bei der Schwergewichtsstrategie müssen Anleger dennoch kaum aktiv werden, da höchst selten ein neuer Wert unter den drei größten Aktien auftaucht. Die Strategie ist deshalb geeignet für Anleger, die sich nicht ständig mit der Börse beschäftigen wollen.

Ähnliches gilt für die Dividendenstrategie, bei der das Depot in der Vergangenheit schon mal über Monate hinweg konstant blieb. Außerdem fuhren Anhänger der Dividendenstrategie in den letzten zwei Jahren sogar viel besser, wenn sie die Aktien nur jährlich statt monatlich austauschten. Ob das auch in Zukunft so sein wird, kann allerdings niemand vorhersagen.

Zweifelhafte Schnäppchen

Wie die Untersuchung zeigt, kann sich gezieltes Investieren durchaus lohnen. Fast mit jeder Strategie ließen sich die Aktienindizes zeitweilig übertreffen. Es klappt zwar nicht immer, aber die Trefferquote ist bemerkenswert hoch. Nur die Umkehrstrategie erwies sich fast durchgängig als Flop.

Zwar scheint es auf den ersten Blick eine gute Idee zu sein, Aktien zum Schnäppchenpreis zu kaufen. Doch oft genug sind diese Papiere nicht ohne Grund so billig. Nur wenn eine Aktie aufgrund von Spekulationen oder vorübergehender Geschäftsprobleme unter Druck gerät, lohnt sich der Kauf.

So war die Aktie des Chemie- und Pharmagiganten Bayer wegen des Skandals um sein Cholesterin-Medikament Lipobay kurzzeitig für etwa 10 Euro zu haben. Die Börse reagierte auf vermutete Schadenersatzforderungen so extrem, als stünde der Leverkusener Weltkonzern vor der Pleite.

Hysterische Reaktionen wie diese können sich clevere Anleger zunutze machen, aber solche Chancen sind eher selten. Die Umkehrstrategie filtert allzu oft Aktien heraus, bei denen die Firmenentwicklung höchst unklar ist oder sich bereits erledigt hat. In der Auswahlliste für diese Strategie tauchten denn auch reihenweise Titel wie Comroad, Gigabell, Holzmann oder Pixelpark auf.

Weitaus erfolgreicher ist da schon die Schwergewichtsstrategie, bei der die schlichte Größe über die Aktienauswahl entscheidet: Ins Depot wandern die Papiere mit dem höchsten Börsenwert.

Dem Anleger bringt das einige Vorteile. Zum einen muss er bei Aktien dieser Marktbedeutung kaum einen Totalverlust befürchten, zum anderen kann er sich sehr einfach über ihre Entwicklung informieren. Die aktuellen Kurse stehen ebenso in der Tageszeitung wie die Meldungen über Firmenergebnisse und neue Geschäftsentwicklungen.

Die Schwergewichtsstrategie zeigt ihre Stärke vor allem in guten Marktphasen. Von steigenden Börsen profitieren eben besonders die Aktien, die in den Indizes hoch gewichtet sind. Oder umgekehrt: Die schwergewichtigen Titel treiben die Indizes nach oben. Nur logisch, dass dieselben Aktien stark unter jeder Börsenkrise leiden.

The trend is your friend

In der Vergangenheit fuhren Anleger am besten, die einfach mit dem Strom schwammen und jeweils die Aktien kauften, die zuvor am besten gelaufen waren.

In drei von fünf Jahren waren solche Trendfolger die überlegenen Sieger am deutschen Aktienmarkt. Im Börsenhoch bis weit ins Jahr 2000 hinein waren sagenhafte Wertzuwächse von 261 und 273 Prozent pro Jahr möglich – allerdings nur, wenn der Anleger sein Depot monatlich an die jeweils aktuellen Trendaktien anpasste.

Dass man dabei keinesfalls streng schematisch vorgehen sollte, zeigt die Trendaktienauswahl der vergangenen zwei Monate: Einmal wären Hypovereinsbank, Ixos Software und Micronas ins Depot gewandert, im darauf folgenden Monat AT&S Austria, IDS Scheer und Wedeco.

Nun steht aber sowohl für Ixos wie für Wedeco ein Übernahmeangebot zu einem festen Kurs im Raum. Genau wegen dieser Angebote sind die Aktien zuletzt so stark gestiegen, und genau deshalb ist die Kursfantasie erloschen. Als Trendaktien wären sie also denkbar ungeeignet, und Anleger müssten sich nach besser zur Idee passenden Ersatzkandidaten umsehen.

Eins brauchen Trendfolger in jedem Falle: Nerven wie Drahtseile. In den vergangenen fünf Jahren bestand ihr Depot meist nur aus spekulativen, schwankungsanfälligen Aktien. So gehörten spätere Absturz- oder Pleitekandidaten wie Micrologica, Mühl, Metabox, EM TV und Pixelpark zeitweilig zu den Trendaktien. Bei monatlichem Austausch bekamen die Strategieanhänger den Absturz aber nicht mehr mit, sie hatten zu diesem Zeitpunkt längst andere Werte im Depot.

Dennoch bleibt die Strategie äußerst riskant. So verlor das Trendfolgedepot zwischen Oktober 2000 und Oktober 2001 bei monatlichem Austausch über 87 Prozent. In einem kollabierenden Markt sind die Sieger von gestern oft die Verlierer von morgen.

Kombinieren hilft wenig

Lässt sich das Risiko abfedern, indem man die Trendfolge- mit der Umkehrstrategie kombiniert, also sechs statt nur drei Aktien nimmt? Die eher gegensätzliche Tendenz beider Methoden macht diese Idee zumindest plausibel. Außerdem sollte die Verdopplung der Aktienzahl für mehr Stabilität sorgen.

Tatsächlich werden die Ausschläge nach oben wie nach unten durch die Kombination geringer. Und fast immer erzielte die Kombination bessere Ergebnisse als die Umkehrstrategie allein. Doch begeistern konnte uns die Idee nicht. Dazu sind die Wertschwankungen immer noch viel zu groß.

Sicherheit mit Dividenden

Für sicherheitsbetonte Aktienanleger kommt schon eher die Dividendenstrategie infrage. Sie können darauf setzen, dass die Dividende eine Art Versicherung gegen extremen Kursverfall ist. Schließlich gelten hohe Ausschüttungen als Zeichen für Substanzstärke. Solche Aktien bieten sich in Zeiten niedriger Zinsen sogar als Alternative zu Anleihen an.

Leider hat die Dividendenstrategie einen Schönheitsfehler: Sie setzt darauf, dass die zuletzt gezahlte Dividende in gleicher Höhe auch in Zukunft gezahlt wird. Das ist aber nicht gewiss. Manchmal wirkt eine Dividendenrendite nur deshalb so hoch, weil der Aktienkurs sehr stark gesunken ist.

Anleger kommen nicht umhin, die schematische Auswahl zu hinterfragen. Aktien, deren Unternehmen in Schwierigkeiten stecken, sollten sie aussortieren. Bei ihnen droht nicht nur ein Ausfall der Dividende. Auch der Aktienkurs könnte unter Druck geraten. Die Strategie hätte ihren Zweck verfehlt.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1106 Nutzer finden das hilfreich.