Aktienstrategien im Dauertest Test

Der deutsche Aktienmarkt ist für Anleger wieder attraktiv.

Aktienstrategien sind ­nützlich, aber man sollte sie nicht sklavisch befolgen. ­Finanztest sagt, wie sich die Rezepte zur Aktienauswahl verfeinern lassen.

50 Prozent Gewinn in einem Monat? Mit seriösen Geldanlagen sind solche Spannen niemals zu schaffen. Also geht es entweder um etwas Dubioses oder um hochriskante Spekulationen.

Damit wären wir beim deutschen Aktienmarkt. Dort sind wieder traumhafte Gewinne in kurzer Zeit möglich. Unter den 110 deutschen Aktien aus Dax, MDax und TecDax finden sich jeden Monat wahre Kursraketen.

Der Maschinenbauer Aixtron legte im Januar über 40 Prozent zu, bei GPC Biotech waren es fast 50 Prozent. Selbst mit konservativen Papieren waren ansehnliche Gewinne möglich, zum Beispiel knapp 17 Prozent im Dezember mit DaimlerChrysler oder RWE.

Trendfolger als Nachzügler

All diese Aktien landeten für kurze Zeit im Depot von Anlegern, die sich nach der Trendfolgestrategie richteten. Sie folgen der Regel, dass es am klügsten ist, mit dem Strom zu schwimmen.

Die Trendfolgestrategie ist eine von fünf Strategien zur Aktienauswahl, die wir seit einigen Monaten beobachten. Hier zeigt sich: Der Strom kann schnell in einen Abwärtsstrudel münden.

Die Senkrechtstarter des November entpuppten sich im Folgemonat als Nachzügler: Die Halbleiterproduzenten Elmos und Suess Microtec hatten im November 20,2 und 18 Prozent gebracht. Wegen dieser Ergebnisse kamen sie Ende November ins Depot, doch im Dezember verloren sie zwischen 3 und 6 Prozent. Beim dritten Kandidaten, dem Wasseraufbereitungsunternehmen Wedeco, tilgte ein Übernahmeangebot die Kursfantasie.

Die fünf Strategien in unserem Test garantieren keinen Erfolg. Doch wir wollen prüfen, welche auf Dauer vergleichsweise gut funktionieren. Deshalb folgen wir mit unseren Musterdepots streng dem Schema F.

Anleger sollten sich nicht sklavisch daran halten, sondern auch mal die Depotmischung verfeinern. Bei der Auswahl alternativer Werte hilft unsere Aktienübersicht.

Das Schwergewichtsdepot mit Siemens, SAP und der Deutschen Telekom leidet zum Beispiel seit Monaten an Technologitis. Sicherer wäre es, nur ein Unternehmen pro Branche ins Depot zu nehmen. Dann käme zum Beispiel eine Mischung aus Deutsche Telekom, Allianz und DaimlerChrysler heraus.

Gezielt auswählen

Auch bei der Dividendenstrategie kann eine gezielte Titelauswahl mehr bringen als der sture Depotnachbau. Alle Dividendenrenditen um die 4 Prozent sind beim aktuellen Zinsniveau sehr attraktiv. Es gibt rund ein Dutzend Aktien, die fürs Depot infrage kommen. Die Stellen hinter dem Komma sind nicht entscheidend. Wichtiger ist, dass die erwartete Dividende tatsächlich ausgeschüttet wird. Anleger sollten also Unternehmen mit einer verlässlichen Dividendenpolitik wählen.

Dass stets ein Risiko bleibt, zeigt das Beispiel der Norddeutschen Affinerie. Das MDax-Unternehmen kündigte an, die nächste Dividendenausschüttung zu streichen. Dieser Schritt kam überraschend, denn die Norddeutsche Affinerie war in der Vergangenheit ein verlässlicher Dividendenzahler.

Oft sind die Hinweise auf Kürzungen dagegen eindeutig. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn erst ein Kursverfall der Aktie die hohe Dividendenrendite herbeiführt. Dann lauern oft wirtschaftliche Probleme. Anleger sollten solche Risikoaktien aussondern.

Gute Aktien behalten

Umgekehrt ist es unsinnig, Aktien aus dem Depot zu werfen, die hervorragend in eine Strategie passen. Anleger müssen nicht nach Schema F handeln, wie wir in unserem Strategietest.

So mussten wir den Düngemittelhersteller K + S nach einem Monat aus dem Dividendendepot werfen, weil ein starker Kursanstieg die Rendite etwas gemindert hatte. Dabei ist K + S ein klassischer Dividendentitel, der einen Monat später auch prompt ins Depot zurückkehrte. Anleger, die das Hin und Her nicht mitmachten, haben sich Arbeit und vor allem natürlich Transaktionskosten erspart.

Die Umkehrstrategie lässt sich durch eine Art Risikobegrenzung verfeinern. Dabei picken Anleger aus den abgestürzten Aktien nur die größeren, bekannten Titel heraus. Zum Beispiel die VW-Aktie, die im Januar zu den am stärksten gefallenen Werten gehörte. Zwar weiß niemand, ob ihr in nächster Zeit eine spektakuläre Kurswende gelingt. Aber zumindest kann der Anleger das Geschäftsmodell beurteilen und muss keine Pleite befürchten.

Egal mit welcher Strategie Anleger liebäugeln, an regelmäßiger Kursbeobachtung führt kein Weg vorbei. Vor allem bei den wankelmütigen Aktien im TecDax sind monatliche Schwankungen von 20 bis 30 Prozent nicht selten. Ein günstiger Kaufzeitpunkt kann hohe Gewinne bringen, bei schlechtem Timing drohen herbe Verluste.

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