Aktienstrategien Meldung

Der Siemens-Konzern gehört zu den Schwergewichten im Dax. Die Aktie konnte davon zuletzt kaum profitieren.

Schematische Aktienstrategien haben höchst unterschiedliche Erfolgsaussichten. Fast immer können Anleger ihre Chancen verbessern, wenn sie intelligente Filter nutzen.

Die erfolgreichsten Aktien sollen ins Depot. Doch die müssen Anleger erst einmal finden. Viele vertrauen auf ihr Glück, auf die Ratschläge von Freunden oder auf die Tipps von Börsenblättern. Manche suchen ihr Heil in Geschäftsberichten, Bilanzen oder Kursverläufen.

Andere gehen die Sache systematisch an und versuchen mit Strategien, die Aktien nach genau definierten Kriterien auszuwählen. Doch welche eignen sich dafür? Um der Sache näher zu kommen, verfolgen wir seit über einem Jahr vier typische Aktienstrategien im Dauertest. Jetzt ist es Zeit, sie zu überprüfen und – wo nötig – nach Verbesserungen zu suchen.

Das Fazit ist ernüchternd: Seit Beginn unseres Tests am 28. November 2003 war nur die Dividendenstrategie ein Volltreffer. Ihr Depot erzielte im ersten Jahr, also bis zum 30. November 2004, einen Gewinn von 21,5 Prozent und lief auch danach gut. Monat für Monat fasste es die Aktien mit der höchsten Dividendenrendite zusammen. Um sie zu ermitteln, wird die jüngste Dividende durch den aktuellen Kurs der Aktie geteilt.

Ansonsten schaffte überhaupt nur die Schwergewichtsstrategie – sie setzt auf die drei Aktien mit dem höchsten Börsenwert – ein positives Ergebnis (plus 0,9 Prozent). Damit blieb sie deutlich hinter dem Dax, der von Ende November 2003 bis Ende November 2004 immerhin 10,2 Prozent zulegte. Die anderen Strategien waren mit Jahresverlusten zwischen 26,4 (Trendfolge) und 33 Prozent (Umkehr) üble Flops.

Monat für Monat Depot überprüft

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Mit K+S (Kali+Salz) hatten Anleger das große Los gezogen. Der Düngemittelspezialist glänzte mit einer hohen ­Dividende und einer Kursverdopplung.

Finanztest hatte für jede Strategie ein Musterdepot angelegt und es Monat für Monat aktualisiert. Zu Monatsbeginn pickten wir aus Dax, MDax und TecDax für die Depots jeweils die drei Aktien heraus, die unsere Vorgaben für die Strategie am besten erfüllten. Ins Depot der Trendfolgestrategie kamen zum Beispiel die Aktien mit dem höchsten Wertzuwachs im Vormonat und in das der Umkehrstrategie die Aktien, die im Vormonat am stärksten gefallen waren.

Ganz überraschend waren die unerfreulichen Ergebnisse für diese beiden Strategien nicht. Schon bei einer längerfristigen Auswertung der Vergangenheit für alle amtlich notierten deutschen Aktien hatte sich die Umkehrstrategie als zweifelhaft erwiesen und die Trendfolgestrategie sehr durchwachsene Ergebnisse gebracht (siehe Aktienstrategien im Test: Investieren mit System).

Wenn überhaupt, kommen beide Auswahlverfahren nur mit sorgfältig gewähltem Kauf- und Verkaufszeitpunkt infrage. Sonst fallen Anleger immer wieder auf kurzfristige Kursausschläge herein und verpassen die echten Kursraketen. So kam die Aktie des Stahlunternehmens Salzgitter nie ins Trendfolgedepot, obwohl sie auf Jahressicht über 80 Prozent gewann.

Die Aktie war zwar kontinuierlich gestiegen, hatte aber nie den Sprung unter die drei Monatsbesten geschafft. Pech für Anleger, die einen der besten Aufwärtstrends des Jahres nicht nutzen konnten.

Auch die Umkehrstrategie bringt bei schematischer Durchführung laufend Probleme. Allzu oft passiert das, was Börsianer den „Griff ins fallende Messer“ nennen. Der Anleger kauft die Aktie mitten in einer längeren Abwärtsbewegung und gerät schnell tief ins Minus.

Probleme mit Schema F

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Die Salzgitter AG machte im vergangenen Jahr ein sehr gutes Geschäft. Die rasant steigenden Stahlpreise trieben Firmengewinne und Aktienkurs.

Anleger, die sich strikt nach der Trendfolge- oder nach der Umkehrstrategie richten, müssen ständig Aktien austauschen. Selbst aussichtsreiche Aktien konnten ihr Potenzial nicht entfalten, da sie nach einem Monat schon wieder durch neue ersetzt wurden. Zudem fielen ständig Kauf- und Verkaufsspesen an.

Um die Chancen der beiden Strategien zu verbessern, haben wir uns zwei Änderungen überlegt. Sie werden in unserem erneuerten Strategietest ab diesem Monat (März 2005) umgesetzt.

In Zukunft kommen nur noch Dax-Werte und keine MDax- oder TecDax-Werte mehr in diese beiden Depots, denn das vermindert die Gefahr, auf kurzfristige Kursausschläge hereinzufallen.

Außerdem ist nun nicht mehr der Gewinn oder Verlust zum Vormonat der Maßstab für die Aktienauswahl, sondern der größte Gewinn oder Verlust auf Jahressicht. Davon versprechen wir uns eine stabilere Depotzusammensetzung, denn die Sieger und Verlierer eines Zeitraums von zwölf Monaten ändern sich nicht so oft wie die monatlichen Tops und Flops.

Die Chancen, in Zukunft die wahren Trendfolger oder wirkliche Schnäppchen ins Depot zu bekommen, dürften sich auf jeden Fall verbessern.

Mehr Masse für Schwergewichte

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Bei Karstadt sind noch längst nicht alle Probleme gelöst. Mitarbeiter und Aktionäre hoffen aber auf eine Wende zum Besseren.

Auch der Schwergewichtsstrategie räumen wir jetzt noch mehr Chancen ein. Bisher krankte sie an der einseitigen Branchenausrichtung. Das Depot war meist zu technologielastig. Das liegt am hohen Börsenwert von SAP, Siemens und der Deutschen Telekom. Viele interessante Aktien aus anderen Branchen sind zu „klein“, um bei dieser Strategie zum Zuge zu kommen.

Wir haben uns deshalb zu einer Ausweitung des Schwergewichtsdepots auf sechs Aktien entschieden. Das spiegelt das Spektrum der deutschen Wirtschaft viel besser wider als ein Depot aus nur drei Aktien – und hätte im vergangenen Jahr ein deutlich besseres Ergebnis gebracht. Für Anleger, die lieber Einzelaktien als einen Aktienfonds Deutschland oder ein Dax-Zertifikat haben wollen, ist so ein Schwergewichtsdepot eine Alternative.

Kein Pardon für Absturzaktien

Bei dem überragenden Erfolg der Dividendenstrategie stellt sich die Frage, ob sie überhaupt verändert werden sollte. Eine kleine Nachbesserung halten wir aber doch für sinnvoll. Wir wollen künftig Absturzkandidaten herausfiltern.

Da die Strategie auf die Dividendenrendite setzt, also auf das Verhältnis der zuletzt gezahlten Dividende zum aktuellen Kurs, kommen gelegentlich Aktien ins Depot, die ihre hohe Dividendenrendite nur einem starken Kursrutsch verdanken.

Das galt zum Beispiel für die Aktie des Softwareunternehmens FJH. Sie rutschte Ende August ins Dividendendepot, nachdem sich ihr Kurs in den sechs Monaten vorher etwa gedrittelt hatte. Die Dividendenrendite war dadurch in die Höhe geschnellt. Auch KarstadtQuelle kam nach einem starken Kursverfall ins September-Depot der Dividendenstrategie. Zu diesem Zeitpunkt waren die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Konzerns bereits so offensichtlich, dass an eine Fortführung seiner vorherigen Dividendenpolitik kaum zu denken war.

Alle Berechnungen basieren auf den im Vorjahr gezahlten Dividenden, und kein Anleger weiß, ob sie auch im nächsten Jahr Bestand haben. Bei klassischen Dividendenaktien wie Eon, K+S oder der Mittelstandsbank IKB ist die Wahrscheinlichkeit hoch. Solange ihr Geschäft läuft, wird die Dividende sogar von Zeit zu Zeit erhöht.

Bei Absturzaktien sind die Aussichten dagegen ungewiss, weil der Kursrutsch oft die Folge wirtschaftlicher Probleme oder von Unwägbarkeiten ist. Das ist normalerweise keine gesunde Basis für verlässliche hohe Dividendenzahlungen.

Wir werden in Zukunft alle Aktien, die im Vormonat über 20 Prozent verloren haben, nicht mehr ins Dividendendepot aufnehmen, auch wenn sie ansonsten rein rechnerisch hineinpassen würden.

Große Werte sind verlässlicher

Nach den Erfahrungen unseres Strategietests litten die meisten unserer schematisch bestückten Depots unter ihrer zufälligen, oft schlechten Mischung. Das größte Manko waren die kleinen, schwankungsanfälligen Aktien, die vor allem aus dem TecDax in die Depots gespült wurden.

Der TecDax ist zwar ein interessanter Index für risikobereite Anleger, aber viele seiner Aktien sind unberechenbar. Schon kleine Meldungen oder Gerüchte können hier abenteuerliche Kurssprünge auslösen.

Da wir nach der Überarbeitung der Strategien kaum noch TecDax-Werte in den Depots haben werden, versuchen wir es für diesen Index mit einer eigenen, neuen Strategie. Und die sieht so aus: Wir wählen jeden Monat die drei TecDax-Aktien aus, die langfristig am stabilsten waren. Als Messlatte dient ihr höchster Verlust in den vergangenen fünf Jahren. Er muss möglichst gering sein.

Die Idee dabei: Wenn Anleger schon ein hohes Risiko eingehen – und das tun sie mit reinen TecDax-Investments zwangsläufig –, dann sollten sie zumindest einen Puffer einsetzen. Auf die schwankungsärmsten Aktien zurückzugreifen, scheint uns ein gangbarer Weg zu sein.

Ob Anleger mit dieser oder einer anderen Strategie zum Erfolg kommen, kann aber niemand vorhersagen. Sie sollten stets daran denken, dass die Börsen sehr launisch sind und frühere Erfolgsrezepte nicht auf Dauer funktionieren müssen.

Das kann auch die bisher so erfolgreiche Dividendenstrategie treffen. Eine Gewinngarantie suchen Anleger bei der Aktienanlage vergeblich.

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