Aktienmarkt China Meldung

An Chinas Börsen spielen die Kurse verrückt. In Shanghai und Shenzhen, wo die sogenannten A-Aktien gehandelt werden, sind binnen eines ­Monats die Kurse um 33 Prozent ­abge­stürzt – gemessen am Index MSCI China A. Zuvor waren sie in einem Jahr um 214 Prozent gestiegen. Die chinesische Regierung hat den Kurs­sturz zwischen­zeitlich aufgehalten, indem sie beispiels­weise Stüt­zungs­käufe veranlasst hat. test.de sagt, was die Kapriolen in China für hiesige Anleger bedeuten.

Achterbahn fahren die Kurse nicht erst seit heute

Zu extremen Schwankungen ist es an den Inlands­börsen Chinas auch früher schon gekommen. Im Dezember vergangenen Jahres zum Beispiel stieg der Index CSI300, der 300 A-Aktien listet, binnen kurzer Zeit um 28 Prozent. Der Index FTSE A 50 legte sogar um knapp 39 Prozent zu. Nun geht die Sause in die andere Richtung: abwärts. A-Aktien sind vor allem für Chinesen und nur begrenzt für Ausländer zu haben. Deshalb sind hiesige Anleger, deren Geld in Aktienfonds China steckt, von dem Crash nicht so stark betroffen. Der MSCI China, der keine A-Aktien enthält, verlor in derselben Zeit rund 17 Prozent (siehe Grafik). Seit seinem Hoch im März hat er allerdings auch schon rund ein Fünftel seines Wertes verloren. Der MSCI China H hat ähnlich viel verloren. Dieser Index enthält in Hong­kong gelistete Aktien von Unternehmen, die in China ansässig sind.

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Viele chinesische Privat­anleger spekulieren auf Kredit

An den Börsen in Shanghai und Shenzhen handeln viele Privat­anleger, die mangels Anla­gealternativen Aktien kaufen und häufig auch gerne zocken. „Allein im April und Mai wurden 14 Millionen Wert­papierdepots angelegt, über die Privatkunden mit chinesischen A-Aktien handeln können“, schreibt die Fonds­gesell­schaft Robeco. Einmal abge­sehen davon, dass die Neulinge noch über wenig Erfahrung an den Aktienmärkten verfügen, haben sie nach Angaben von Robeco ihre Käufe häufig auf Kredit finanziert. „Als die Behörden das Problem erkannten, versuchten sie, die Verschuldung unter Kontrolle zu bringen“, analysiert NN Investment Part­ners, ehemals ING. Das habe die entstandene Blase zum Platzen gebracht. Anstieg und Rück­gang seien praktisch parallel zu Anstieg und Rück­gang der Kredite verlaufen.

Wie geht es weiter?

Die chinesische Regierung hat versucht, den Kurs­verfall aufzuhalten, indem sie Stüt­zungs­käufe veranlasst und große Investoren angewiesen hat, ihre Aktien­bestände während der kommenden Monate zu halten. Viele Aktien sind vom Handel ausgesetzt. Zwischen­zeitlich sind die Kurse wieder um 15 Prozent gestiegen, um dann allerdings erneut nach unten zu drehen. Beob­achter kommentieren das so: Wenn wirk­lich eine Blase am Platzen sei, dann lasse sich das zwar eine Weile aufhalten, aber nicht auf Dauer verhindern. Glaubt man den Einschät­zungen der Experten von Barings, dürften die Auswirkungen für die chinesische Wirt­schaft allerdings nicht allzu gravierend sein. „Wir gehen davon aus, dass die Folgen für die Wirt­schaft insgesamt begrenzt sind“, schreibt Laura Luo von Baring Asset Management, Hong­kong. Lediglich der Konsumsektor könne beein­trächtigt werden – und Finanzmakler. „Eine stärkere Bedrohung für den Bankensektor oder für die Gesamt­wirt­schaft sehen wir jedoch nicht“, heißt es bei Baring. Nicht alle sind so opti­mistisch. So befürchtet die Deutsche AWM, Fonds­tochter der Deutschen Bank, Auswirkungen auf das Welt­wirt­schafts­wachs­tum, falls sich die Börsenturbulenzen auf Chinas Wirt­schaft nieder­schlagen.

Schaden hier­zulande hält sich in Grenzen

Zurzeit hält sich der Schaden noch in Grenzen. Hiesige Anleger, die ihr Geld in China-Fonds gesteckt haben, haben zwar auch Rück­schläge hinnehmen müssen, aber gegen­über Jahres­beginn dürften die meisten noch im Plus liegen. Die Mehr­zahl der hier­zulande gehandelten China-Fonds kaufen haupt­sächlich an der Hong­konger Börse, in Shanghai oder Shenzhen sind sie kaum unterwegs. Die Fonds zählen zur Gruppe Aktienfonds China/Hongkong. Vier Fonds haben die Finanztest-Bestbewertung von fünf Punkten. Drei davon sind aktiv gemanagte Fonds: der Robeco Chinese Equities, der Schroder ISF Hong Kong Equity und der Threadneedle China Opportunities. Der Fonds SSgA Hong Kong Index Equity ist ein Indexfonds, der sich auf den Index MSCI Hong­kong bezieht. Er ist allerdings nicht an einer deutschen Börse handel­bar.

BRIC- und Schwellenländerfonds weniger betroffen

Anleger mit Schwellenländerfonds und sogenannten BRIC-Fonds sind ebenfalls zum Teil in China investiert. BRIC steht für Brasilien, Russ­land, Indien, China. Der Index MSCI BRIC ist in derselben Zeit, da der Index MSCI China A 33 Prozent verloren hat, nur um knapp zehn Prozent zurück­gegangen. Chinas Anteil an dem BRIC-Index beträgt etwas mehr als 50 Prozent, gefolgt von Indien und Brasilien mit knapp 20 Prozent sowie Russ­land mit knapp zehn. Im Schwellenländer­index MSCI Emerging Markets ist der Anteil Chinas mit rund 25 Prozent noch geringer.

Anleger mit ETFs auf A-Aktien hängen voll drin

Anders sieht es für Anleger aus, die mit ETFs, börsen­gehandelten Indexfonds, direkt im chinesischen A-Aktienmarkt unterwegs sind. Auf den CSI300 gibt es in Deutsch­land zwei ETF, den db x-trackers CSI300 Ucits ETF und den db x-trackers CSI300 Harvest Ucits ETF. Den Index MSCI China A bilden zwei Fonds ab: der ETFS-E Fund MSCI China A Go Ucits ETF von ETF Securities und der Lyxor Fortune SG Ucits ETF MSCI China A. Die Fonds sind alle noch keine fünf Jahre alt, Bewertungen von Finanztest gibt es daher noch keine. Am längsten, nämlich rund drei Jahre, existiert der db x-trackers CSI300 Ucits ETF, die anderen kamen erst im vergangenen Jahr auf den Markt. Zwar sind die Fonds noch handel­bar, trotz der teil­weise vom Handel ausgesetzten Einzel­titel, doch die schwindel­erregenden Kurs­turbulenzen haben sie voll mitgemacht.

Fazit: Ein gewisses Risiko ist immer da

Anlagen in A-Aktien bleiben ein heißes Eisen. Zu den für Schwellenländer typischen Schwankungen kommen außerdem politische Risiken wie etwa staatliche Eingriffe in den Markt. Die Experten von Finanztest geben in ihrem Special Investieren im Reich der Mitte – aber wie? einen Über­blick über Investitions­möglich­keiten in den verschiedenen Märkten auf dem Fest­land, in Hong­kong oder auch Taiwan. Wer sich für Geld­anlagen in China interes­siert, findet dort zwar einige deutlich weniger gefähr­liche Alternativen. Ein gewisses Risiko bleibt jedoch.

Tipp: Wer den Produktfinder Fonds frei­schaltet, kann den Artikel kostenlos lesen und findet dort neben einer Über­sicht über die verschiedenen Indizes auch Porträts von Fonds, die in China anlegen.

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