Aktienmärkte Meldung

Was dieser Tage an den Kapitalmärkten geschah, hat auch ruhige Gemüter in Aufruhr versetzt. Binnen einer Woche stürzte der Dax von über 11 000 Punkten auf zeit­weise unter 9 400 Punkte. Dann gewann er knapp 800 Punkte dazu, um tags darauf erneut abzu­sacken. Grund für die Turbulenzen auch an anderen Börsen war der Börsencrash in China. Was können Anleger tun? Eine Analyse von test.de – mit Audio-Podcast.

Alle blicken nach China

Chinas Wirt­schaft wird weniger stark wachsen als angenommen. Weniger heißt aber: Nicht wenig. Schät­zungen zufolge dürften die Wachs­tums­raten immer noch zwischen 5 und 7 Prozent pro Jahr liegen. Die Industrieländer sind von solchen Steigerungen weit entfernt. Zum Vergleich: Das Brutto­inlands­produkt (BIP) von Deutsch­land hat im ersten Viertel­jahr 2015 um 1 Prozent gegen­über Vorjahr zugelegt. Trotzdem bedeutet weniger Wachs­tum in China auch weniger Umsatz für interna­tionale Konzerne, die Waren ins Reich der Mitte liefern. Besonders betroffen sind die Rohstoff-Exporteure aus Russ­land, Brasilien, aber auch Australien. In Deutsch­land trifft es vor allem die Auto­konzerne, die einen großen Teil ihres Gewinnes mit Verkäufen in China erzielen.

Tipp: Zu den Ursachen der Turbulenzen in China erfahren Sie mehr in dem Beitrag Aktienmarkt China: Was der Börsencrash für deutsche Anleger bedeutet.

Haupt­export­land ist jetzt USA

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„Einsteigen oder Aussteigen?“ Finanztest-Expertin Karin Baur im Audio-Podcast.

Den größten Anteil am Geschäft der deutschen Export­unternehmen haben allerdings die USA. Sie haben Frank­reich als bisherigen Handels­partner Nummer eins abge­löst. Ein Grund für das gute Geschäft ist der vergleichs­weise nied­rige Kurs des Euro gegen­über dem Dollar. Das macht deutsche Waren für Amerikaner güns­tiger. Um 24 Prozent sind die Ausfuhren in die USA im ersten Halb­jahr 2015 gestiegen. Doch nicht nur der Wechselkurs, auch die wirt­schaftliche Erholung in den USA dürfte ein Grund für die guten Geschäfte sein. Weitere bedeutende Handels­partner Deutsch­lands – außer China – sind Groß­britannien und die Nieder­lande.

Tipp: Bleiben Sie auf dem Laufenden in Sachen Börse – mit unseren kostenlosen Geldanlage-Newslettern.

Auch Euro­land erholt sich

Wachs­tums­impulse für die Wirt­schaft gehen aber auch von Euro­land aus. Die Krisenländer finden lang­sam aus ihrer Misere heraus. Spanien war zuletzt das EU-Land mit dem größten Wachs­tum. Auch in Portugal geht´s aufwärts. Und in Irland lief schon das vergangene Jahr hervorragend. Um 4,8 Prozent legte das BIP dort zu. Nur Italien tritt noch auf der Stelle. Doch die Aussichten sind passabel, und zwar für die gesamte Eurozone. Außer dem güns­tigen Eurokurs beflügelt auch das billige Öl die Wirt­schaft. Ebenso trägt die lockere Geld­politik der Europäischen Zentral­bank dazu bei.

Tipp: Mehr über die wirt­schaftlichen Aussichten in Euro­land zeigt der Beitrag Eurokrise und Chinacrash: Das sind die Folgen für Ihre Geldanlage.

Alles verkaufen? Oder jetzt einsteigen?

Genauso wie das Auf und Ab an der Börse schwankt die Gemüts­lage der Anleger. Während die einen aus Angst vor weiteren Abstürzen ihr Geld am liebsten aus Aktienfonds abziehen würden, über­legen andere, ob sie die jetzigen Kurse zum Einstieg nutzen sollen. Die Finanztest-Experten raten zum Abzu­warten. Zum jetzigen Zeit­punkt lässt sich nicht sagen, ob die Turbulenzen nur ein kleines Zwischen­spiel sind oder der Auftakt einer längeren Baisse. „Never catch a falling knife“, lautet eine alte Börsen­weisheit, „greife nie in ein fallendes Messer“. Wer einsteigt und am nächsten Tag mit ansehen muss, wie seine Anteile an Wert verlieren, der tut sich schwer, an lang­fristig gute Ergeb­nisse zu glauben. Doch gerade das sollte eine Aktien­anlage sein: Ein Investment auf lange Sicht.

Gut mischen und die Nerven bewahren

Ein kleiner Trost für Anleger, die in den vergangenen Wochen schon einge­stiegen sind: Wenn ein Portfolio vernünftig aufgebaut ist, über­steht es auch stür­mische Zeiten – und zwar selbst dann, wenn man mit dem Investment zu Höchst­kursen einge­stiegen ist. Ein Beispiel: Wer direkt vor Ausbruch der Finanz­krise eine sogenanntes Pantoffel-Portfolio angelegt hat – mit 50 Prozent Aktienfonds Welt und 50 Prozent Rentenfonds – und den Crash nach der Lehman-Pleite voll miterlebt hat, konnte sich sieben Jahre später trotzdem über eine Rendite von 5 Prozent pro Jahr freuen.

Tipp: Die genauen Berechnungen finden Sie in dem Beitrag Trotzdem Rendite mit Pantoffel-Portfolio. Wie Sie ein Pantoffel-Portfolio einrichten können, lesen Sie im Beitrag Geldanlage für Bequeme.

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