Die USA sind der größte Markt, der beste seit 1970 ist die kleine Schweiz. Den höchsten Verlust hat Russ­land hingelegt. Ein Lang­frist­check.

Viele Deutsche lieben die Schweiz – wegen Heidi, der Berge, der leckeren Schokolade, als – vermeintliches – Steuer­paradies und als sicheren Hafen für ihr Geld in Krisen­zeiten. Die Stabilität des Schweizer Franken ist Legende. Und nicht nur das: Nun zeigt unsere Lang­frist­analyse, dass die Schweiz auch mit ihrer Börse punkten kann.

Aktienmärkte Test

Wir haben die, gemessen am Börsen­wert, größten acht Industrieländer und größten acht Schwellenländer untersucht. Der Schweizer Aktienmarkt hat seit Ende 1969 im Schnitt um 9,4 Prozent pro Jahr zugelegt. Die anderen sieben Industrieländer liegen mindestens 1,5 Prozent­punkte dahinter. Zudem ist der Schweizer Markt zwischen­durch weit weniger abge­stürzt (Grafik).

Die Zahlen spiegeln die Ergeb­nisse aus Sicht eines deutschen Anlegers wider. Ein großer Teil der Spitzenrendite ist der Entwick­lung des Schweizer Franken gegen­über dem Euro, früher der Mark, zuzu­schreiben. Ein Schweizer selbst hat auf seinem Heimatmarkt weniger verdient: durch­schnitt­lich 8 Prozent pro Jahr.

Länder als Alternative zum Welt­fonds

Mit Fonds einzelner Länder können Anleger sich selbst ein Welt­depot bauen. Wir haben eine Auswahl an entsprechenden ETF zusammen­gestellt, also börsen­gehandelten Indexfonds. Sie bilden den jeweiligen Länder­index der US-Investment­bank Morgan Stanley (MSCI) ab (siehe Tabelle).

Das individuelle Welt­depot hat den Vorteil, dass Anleger – anders als wenn sie einen ETF auf den MSCI World-Index kaufen – selbst entscheiden können, welchen Anteil ein Land in ihrem Depot jeweils einnimmt. Der MSCI World besteht zu mehr als der Hälfte aus US-Aktien, je 9 Prozent nehmen Japan und Groß­britannien ein, Deutsch­land ist mit einem Anteil von 3,5 Prozent vertreten. Insgesamt listet der MSCI World 24 Industrieländer. Sogar Griechen­land ist dabei, wenn auch nur mit einem Gewicht von 0,03 Prozent. Diese Länder­anteile kaufen Anleger sich aber nicht nur mit einem Index­investment ein. Denn auch viele aktiv gemanagte Fonds orientieren sich an den Vorgaben des MSCI World.

Der Nachteil eines individuellen Welt­depots ist der höhere Aufwand gegen­über einem Welt­fonds, der schon gemischt ist. Für ein solches Depot ist aus Kostengründen zudem eine höhere Anlagesumme erforderlich als zum Beispiel für eine Einzel­anlage in einen ETF auf den MSCI World. Das liegt an den Mindest­gebühren der Banken, die Orders nicht ausschließ­lich prozentual abrechnen (siehe Test „Depotkosten“).

Über 18 Jahre liegt Mexiko vorn

In der Gegen­über­stellung seit Ende 1969 fehlen die Schwellenländer. Diese Märkte haben wir erst seit Ende 1994 untersucht. Das war der Zeit­punkt, als Morgan Stanley auch Russ­land in seine MSCI-Indexfamilie aufgenommen hat. Brasilien, Mexiko, Südkorea und Taiwan sind seit Ende 1987 dabei, China, Indien und Südafrika kamen Ende 1992 hinzu.

Mexiko hat seit Ende 1994 am besten abge­schnitten. Mit einem jähr­lichen Zuwachs von durch­schnitt­lich 12,7 Prozent liegen die Mittel­amerikaner nicht nur im Vergleich der Schwellenländer vorn, sondern führen auch die Liste aller Länder an (siehe Grafik). Auf Platz zwei, gemessen über 18 Jahre, liegt Brasilien mit 11,7 Prozent pro Jahr.

Die Renditen zeigen den Erfolg eines deutschen Anlegers, also aus Mark- oder Euro-Sicht. Auch auf den Schwellenmärkten beein­flussen die Wechsel­kurse die Ergeb­nisse. Anders als der Schweizer Franken haben der mexika­nische Peso und der brasilia­nische Real aber an Wert verloren. Ein Mexikaner hat mit heimischen Aktien seit Ende 1994 mehr erzielt als ein deutscher Anleger, nämlich 18,6 statt 12,7 Prozent pro Jahr.

Der Einfluss der Währung

Hiesige Anleger, die außer­halb der Eurozone ausländische Aktien kaufen, gehen dabei immer ein Währungs­risiko ein. Das müssen sie berück­sichtigen, wenn sie ihren Anla­geerfolg berechnen wollen. Wenn beispiels­weise die Tages­schau abends den Stand des Dax und des Dow Jones verkündet, dann sind diese Werte nicht unmittel­bar vergleich­bar, da der Dow Jones die Entwick­lung der Aktien in Dollar misst. Ein deutscher Anleger, der US-Aktien hat, muss für sich immer noch den Wechselkurs berück­sichtigen.

Wer hingegen die pure Stärke der Aktienmärkte messen möchte, muss sich die Entwick­lung in lokaler Währung anschauen. Am besten abge­schnitten hat aus dieser Sicht der britische Aktienmarkt mit einem Zuwachs seit Ende 1969 von durch­schnitt­lich 11,5 Prozent pro Jahr. Umge­rechnet in Euro sind es nur noch 7,9 Prozent pro Jahr.

Die US-Börsen haben seit Ende 1969 im Schnitt um 9,8 Prozent pro Jahr zugelegt. Aber auch davon hat ein deutscher Anleger unterm Strich nicht viel: Nach Abzug der Kurs­verluste durch den Dollar blieben in seinem Portfolio noch 7,4 Prozent pro Jahr übrig.

Die Schweiz wurde ihrem Ruf gerecht

Aktienmärkte Test

Unser Lang­frist­check gibt den Verlauf der Märkte aus Sicht eines deutschen Anlegers wieder. Außer auf Wert­entwick­lung und dem ärgsten zwischen­zeitlichen Verlust haben wir die Börsen noch auf Chancen und Risiken hin ausgewertet (siehe Punkte­diagramm).

Das linke Bild gibt die Ergeb­nisse der Industrieländer seit Ende 1969 wieder. Im Vergleich zu den einzelnen Ländermärkten weist der Gesamt­markt erwartungs­gemäß geringere Chancen und Risiken auf – mit Ausnahme der Schweiz. Dieses Ergebnis fußt jedoch zum großen Teil auf den Kurs­gewinnen des Franken, die nach den Interventionen der Schweizer Noten­bank vor­erst Vergangenheit sind. Die höchsten Chancen und Risiken gab es mit Australien.

Das rechte Bild zeigt die Industrie- und die Schwellenländer im Vergleich seit Ende 1994. Es zeigt sich, dass die Industrieländer teils deutlich geringere Risiken aufwiesen als die Schwellenmärkte, aber gleich­zeitig auch geringere Rendite­chancen boten. Wie bei den Industrieländern ist auch hier der Gesamt­markt der Schwellenländer weniger riskant als einzelne Märkte.

Russisches Roulette

Wie unterschiedlich die Verläufe der Märkte aus DM/Euro-Sicht sind, zeigt unsere Über­sicht über die besten und schlechtesten Jahres­ergeb­nisse (siehe Tabelle).

Japan bot ein wahres Achterbahngefühl: Die Asiaten waren 10-mal Spitze und 13-mal Schluss­licht. Unterm Strich war das Ergebnis denn auch durch­wachsen: Das japa­nische war das schlechteste der acht untersuchten Märkte. Auch in Deutsch­land ging es auf und ab. Die hiesige Börse war seit Ende 1969 siebenmal top und fünf­mal flop. Nach dem letzten Platz 2011 waren die Deutschen Spitzenreiter 2012. Die solide Schweiz fällt in dieser Statistik hingegen kaum auf.

Allerdings fällt ins Auge, dass seit 2001 acht­mal das schlechteste der untersuchten Industrieländer schlechter als alle untersuchten Schwellenländer abge­schnitten hat. Die extremsten Jahres­ergeb­nisse verzeichnet allerdings Russ­land: Minus 95,6 Prozent im Krisen­jahr 1998, plus 218 Prozent im Jahr darauf.

Die passenden ETF

Anleger können am einfachsten und am kostengüns­tigsten mit börsen­gehandelten ETF in die Länder ihrer Wahl investieren. In unserer Tabelle rechts führen wir ETF und Indexfonds auf, welche den jeweiligen MSCI-Index am besten abbilden.

Die Fonds von State Street global Advisors (SSgA) sind Indexfonds und werden nicht immer an der Börse gehandelt. Eine Ausnahme ist etwa der SSgA Germany Index Equity. Anleger können die SSgA-Fonds ähnlich wie aktiv gemanagte Fonds außerbörs­lich mit Ausgabe­aufschlag kaufen.

Für den deutschen Markt haben wir zusätzlich zwei ETF auf den Dax aufgeführt. Sie sind güns­tiger als der Fonds von SSgA, werden fort­laufend gehandelt, und oben­drein entwickelt sich der Dax ähnlich wie der MSCI. Wer trotzdem einen ETF auf den MSCI-Index sucht, kann den Amundi MSCI Germany nehmen, den wir beispielhaft für unsere Pantoffel-Portfolios genannt hatten (siehe Finanztest 04/2013).

Übrigens: Die Fonds­währung spielt für den Anla­geerfolg und das Risiko keine Rolle. Anleger, die in US-Aktien investieren, haben immer ein Dollar-Euro-Währungs­risiko – gleich, ob der Fonds in US-Dollar notiert oder in Euro. Das gilt auch für andere Märkte: Wer australische Aktien kauft, kauft sich das Wechsel­kurs­risiko des australischen Dollar ein – auch wenn er sich etwa für den Fonds iShares MSCI Australia entscheidet, der in US-Dollar abge­rechnet wird.

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