Aktienfonds kombinieren: Rendite und Puls beschleunigen

Aktienfonds kombinieren Test

„Ich habe Fonds, die in kleine Unternehmen und asiatische Märkte investieren. Damit will ich mehr Rendite rausholen.“ Kai Volpert, 31, Betriebswirt.

Fonds, die in kleine Unternehmen investieren, können dem Depot richtig Pfiff geben. Diese Nebenwertefonds müssen Sparer aber im Auge behalten.

„Langweiler.“ So wird gern auf Anleger geschimpft, die sich aus der riesigen Fondspalette Investmentfonds herauspicken, die hauptsächlich in große und etablierte Unternehmen wie Micro­soft, British Petroleum oder Allianz ­anlegen. „Absolut unspannend“, heißt es dann. Diese Fonds „kleben ja nur am Aktienindex“, lautet der Vorwurf.

Die Häme ist unangebracht. Wer in Anlagedingen noch unerfahren ist und sich auch nicht ständig um seine Fonds kümmern will, ist mit Standardwerte-fonds gut bedient. Er kann mit diesen „Flaggschiffen“, wie sie gern genannt werden, an den Chancen des langfristigen Fondssparens teilhaben. Gerade für Einsteiger bilden Standardwertefonds das Rückgrat ihres Depots.

Nebenwertefonds haben Potenzial

Kai Volpert ist aber schon lange kein Einsteiger mehr. Der Betriebswirt und ehemalige Bankkaufmann kennt sich mit Finanzprodukten aus. Die Anlagetipps seiner Bank überprüft er und entscheidet dann, wohin sein Geld geht. Kai Volpert möchte auf eine gewisse ­Sicherheit beim Fondssparen nicht verzichten. Doch in letzter Zeit darf es schon einmal etwas mehr Risiko mit der Hoffnung auf mehr Rendite sein.

Das Konzept des Wiesbadeners lautet: Mit Fonds auf spezielle Anlagestrategien setzen. In seinem Wertpapier­depot liegen deswegen auch Fonds, die in so genannte Nebenwerte investieren.

Nebenwertefonds erkennt man oft am Fondsnamen. Er enthält häufig die Bezeichnung Small Cap oder Mid Cap. Das steht für englisch „Small Capitalization“ oder „Middle Capitalization“. Damit sind Unternehmen gemeint, die an der Börse – noch – einen geringen Wert haben.

Small-Cap-Fonds legen das Anlegergeld überwiegend in kleine Firmen an, von denen sich der Fondsmanager ein starkes Wachstum verspricht.

Finanztest ordnet einen Fonds als Nebenwertefonds ein, wenn die Fondsgesellschaft anstrebt, mehr als die Hälfte des Geldes der Anleger in kleine und mittlere Unternehmen anzulegen.

In Nebenwertefonds steckt zum Teil enormes Renditepotenzial. Betrachtet man die Wertentwicklung der letzten fünf Jahre, dann schlagen zum Beispiel die drei besten internationalen Nebenwertefonds MLIIF Global SmallCap A2, Lion Fortune Global Small Caps A Cap und MLIIF Global Opportunities A2 in der Fondsgruppe Aktienfonds Welt die meisten Standardwertefonds. Das zeigen die Daten in den Tabellen unseres Fondsdauertests, den wir Monat für Monat aktualisieren.

Bevor nun die Dollarzeichen in den Augen leuchten, sollten Anleger aber auch die Risiken von Nebenwerten bedenken: So hat etwa der schlechteste Small-Cap-Fonds aus der Gruppe der internationalen Nebenwertefonds – der DAC Fonds UI – im Fünfjahresrückblick durchschnittlich 18,7 Prozent pro Jahr an Wert verloren. Nebenwertefonds bringen nicht nur Renditechancen, sondern erhöhen auch den Puls.

Nebenwerte als Beimischung

Wer beim Fondssparen noch am Anfang steht und nicht permanent seinen Fonds beobachten möchte, sollte von den Small Caps erst einmal die Finger lassen. Die Wertentwicklung von Nebenwertefonds ist noch viel schwerer zu kalkulieren als die von Standardfonds, die in Großunternehmen investieren.

Denn dass Microsoft auch morgen noch Computerprogramme verkauft, ist einigermaßen vorhersehbar, weil die Marke beim Verbraucher akzeptiert ist. Ob aber ein kleines Unternehmen seine neue Software durchsetzen kann, ist schwerer zu kalkulieren, weil der Kunde mit etwas Neuem konfrontiert wird. Setzen Anleger dennoch auf die neue Idee, gehen sie eben mehr Risiko ein.

Außerdem ist Anlegergeld, das ein Manager in Nebenwerte investiert, weniger breit gestreut als in einem Standardwertefonds. Denn die kleinen Unternehmen arbeiten auf viel begrenzteren Märkten als die weltweit etablierten Aktiengesellschaften.

Einige Kombinationen vermeiden

Anleger, die Nebenwertefonds wollen, können die Risiken begrenzen, wenn sie ein paar Regeln befolgen:

Nebenwertefonds eignen sich nicht als Basis des Depots. Wir empfehlen eine Beimischung von 10 Prozent. Bei erfahrenen Anlegern kann es mehr sein.

Damit sich die Fonds im Depot möglichst gut gegenseitig ergänzen, sollten Anleger Informationen darüber einholen, welche Anlagestrategie hinter Fondsnamen wie „Global Opportunities“ oder „Select Growth“ steckt.

Hat ein Anleger etwa bereits einen Fonds im Depot, der stark in Nebenwerte investiert, ist es wenig sinnvoll, mit einem weiteren Fonds auf denselben Sektor zu setzen. Ein Fußballverein kauft auch keinen Spieler mit einer Stärke zu, die schon im Team vorhanden ist.

Um Fehler beim Beimischen von ­Nebenwerten zu verhindern, haben wir ermittelt, welche Standard- und Nebenwertefonds in der Vergangenheit relativ schlecht zueinander gepasst haben und deswegen auch in der Zukunft nicht zusammen ins Depot sollten (siehe Grafik „Nicht jeder Nebenwertefonds passt ins Depot“). Alle diese Fonds schneiden in unserem Fondsdauertest zurzeit stark überdurchschnittlich ab, dennoch sind Kombinationen aus diesen Fonds nicht sehr sinnvoll.

Dachfonds kaufen Nebenwerte

Wer sich nicht selbst auf die Suche nach passenden Nebenwertefonds fürs Depot machen möchte, kann auch Anteile eines Dachfonds kaufen, der seinerseits Fonds mit Nebenwerten beimischt.

Der Dachfonds Sauren Global Growth ist ein solcher Fonds. Im ersten Halbjahr 2003 hatte er mehr als die Hälfte der Anlegersummen in US-amerika­nische und europäische Standardwertefonds investiert und rund 20 Prozent Nebenwertefonds dazugemischt.

Der Manager eines Dachfonds macht nichts anderes, als Fonds möglichst perfekt zu mischen. Dem Sauren Global Growth gelang das in der Vergangenheit ziemlich gut. Er gehört zu den stark überdurchschnittlichen Fonds. Wir haben ihn in diesem Heft neu in unseren Dauertest aufgenommen, weil er jetzt seit fünf Jahren am Markt ist.

Dachfonds bilden in den Finanztest-Tabellen keine eigene Fondsgruppe. Ein Dachfonds wie der Sauren Global Growth legt in internationale Aktienfonds an und wird deshalb in der Gruppe Aktienfonds Welt gelistet.

Selbermachen ist die Devise

Auch wenn der Sauren-Fonds beim Mischen von Standard- und Nebenwerten erfolgreich war, so hat die Fondsgattung Dachfonds doch zwei Haken: Außer dem Sauren war kein weiterer Dachfonds überdurchschnittlich.

Außerdem sind Dachfonds nicht billig. Es fallen zweimal Gebühren an. Einmal auf der Ebene des Dachfonds und zum anderen auf der Ebene der Fonds, in die er investiert.

Anleger, die auf die Renditechancen aus Nebenwerten nicht verzichten möchten, machen den Fondsmix deswegen am besten selbst.

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