Aktienfonds kombinieren Test

„Ich lege in zwei internationale Top-Fonds an. Läuft ein Fonds schwach, soll es der andere ausgleichen.“ Dieter Dörfler, 46, Einkäufer.

Wenn Anleger in ihrem Depot mehrere Top-Fonds mit System mischen, investieren sie sicherer ­und erfolgreicher. Finanztest gibt Tipps für den richtigen Mix im Depot.

Dieter Dörfler hat alles richtig gemacht. Zu seinem Top-Fonds, dem DWS Vermögensbildungsfonds I, hat sich der Einkäufer vor Jahren einen weiteren ins Depot geholt, den Templeton Growth. Beides sind Fonds, die weltweit in Aktien anlegen.

Das Fondsduo aus dem Vermögensbildungsfonds I und dem Templeton Growth hat sich in der Vergangenheit als eine hervorragende Kombination herausgestellt. Wer beide Fonds zusammen im Depot liegen hatte, fuhr im Fünfjahresrückblick insgesamt besser als mit jedem dieser Fonds alleine.

„Läuft ein Fonds schwach, soll es der andere ausgleichen“, so Dieter Dörflers Anlagestrategie. Im Kern ist das genau das Konzept, nach dem Anleger ihr Depot ordnen sollten.

Der Anlageerfolg des Bayern Dörfler lässt sich in Zahlen ausdrücken. Für die Bewertung des Depots aus DWS Vermögensbildungsfonds I und Templeton Growth in den vergangenen fünf Jahren würden wir nach den Regeln unseres monatlichen Fondstests stolze 78,4 Punkte vergeben. Einzeln erreichen die Fonds nur 75,2 und 67,4 Punkte. Auch das sind sehr gute Werte.

Auf die 78,4 Punkte kommen wir, wenn wir die Wertentwicklung des Fondsdepots Monat für Monat mit dem Durchschnitt aller Einzelfonds der Fondsgruppe vergleichen. Für eine Bewertung, die genau dem Durchschnitt entsprochen hätte, wären nur 50 Punkte drin gewesen.

Dieter Dörflers Fondsduo schneidet besser ab als die Fonds alleine, weil sich die Kursentwicklungen der beiden Fonds in der vergangenen Jahren gut ergänzten. Wenn der eine Fonds schwach war, konnte der andere stabilisieren und umgekehrt. Dörfler konnte mit seiner Depotmischung das Auf und Ab der Kurse unterm Strich reduzieren. Sein Depot wird durch den Fondsmix stabiler und er kann ruhiger schlafen.

Als Duo und Trio erfolgreicher

Aktienfonds kombinieren Test

„Mein Depot habe ich um einen Aktienfonds Welt erweitert, damit mein Geld noch weiter gestreut ist.“ Christiane Schule-Rother, 35, Buchhändlerin.

Finanztest wollte es genauer wissen. Wir haben für 169 Aktienfonds Welt und für 163 Aktienfonds Europa untersucht, wie erfolgreich sie im Paket mit einem oder zwei Fonds ihrer Gruppe in der Vergangenheit abschnitten. Im Test waren gute Fonds ebenso wie schlechte. Rund 1,5 Millionen Mischungen haben wir durch den Fonds-Tüv geschickt.

Das Ergebnis: Knapp 60 Prozent aller Fonds schneiden in einer Mischung erfolgreicher ab als alleine. Das sieht auf den ersten Blick nicht viel aus, bedeutet aber genauer betrachtet: Schon Anleger, die völlig blind einen Fonds derselben Gruppe hinzukaufen, können davon ausgehen, dass sich das eher positiv als negativ auf ihr Depot auswirken wird.

Außerdem zeigte die Untersuchung: Wenn Anleger in der Vergangenheit zwei oder drei Fonds mischten, steigerten sie die Wahrscheinlichkeit auf ein ­Fondsdepot mit überdurchschnittlicher ­Entwicklung: Von 169 internationalen Aktienfonds waren nur 29,6 Prozent Einzelfonds überdurchschnittlich, von den Zweier- oder Dreiermischungen brachten hingegen 32,9 und 32,8 Prozent überdurchschnittliche Ergebnisse.

Die Berechnungen unserer Fondsexperten zeigten schließlich auch noch, dass Dreiermischungen im Durchschnitt besser abschneiden als Zweiermischungen. Der Spruch „weniger ist oft mehr“ gilt hier also nicht.

Bei unseren Analysen haben wir die Wertentwicklung der Fonds in den vergangenen fünf Jahren zugrunde gelegt.

Mit Fonds-Mix auch flexibler

Ein Depot-Mix hat aber auch ganz praktische Vorteile. Verteilt ein Anleger sein Geld auf mehrere Fonds, dann ist er flexibler, wenn er auf einen Teil seines Geldes zugreifen möchte.

Er muss nicht Anteile eines Fonds verkaufen, von denen er glaubt, dass ihr Wert in den nächsten Wochen weiter steigen wird. Er kann gezielt entscheiden, dass er vielleicht Anteile des schlechter laufenden Fonds zurückgibt. Oder er verkauft Anteile des besseren Fonds, um Gewinne zu realisieren.

So mischt man Aktienfonds bei

Mischen ist gut, aber natürlich passen nicht alle Fonds gleich gut zueinander. Der Depot-Mix muss System haben. Dörfler hat mit dem Templeton Growth sehr gut gewählt. Die Tabellen „Aktienfonds Europa“ und „Aktienfonds Welt“ zeigen, dass der beste Beimischer für den DWS Vermögensbildungsfonds I, der UniGlobal, kaum mehr bewirkt hat als Dörflers Templeton Growth.

Unsere Untersuchung ergab, dass es nicht ausreicht, einfach nur die ersten Fonds einer Fondshitliste zu kaufen. So führen etwa die DWS-Fonds „Löwen Aktienfonds“, „Vermögensbildungsfonds I“, „DWS (CH)-Aktien“ oder „Intervest“ die Finanztest-Hitliste im Dauertest an. Als Depotmischung ergänzen sie sich aber nicht gut, weil sie zu ähnlich sind. Diese Fonds korrelieren zu stark, sagen Finanzmathematiker.

Es hat wenig Sinn, Fonds zusammen ins Depot zu nehmen, deren Schwerpunkte in denselben Ländern oder Wirtschaftszweigen liegen oder die nach einem ähnlichen Anlagekonzept investieren. So verlieren Beimischungen ihren sichernden Effekt. Das Anlegergeld wird nicht gestreut, sondern in den gleichen Kanal gepumpt.

Dieter Dörfler wollte deshalb nach dem DWS Vermögensbildungsfonds I nicht einen weiteren Aktienfonds kaufen, der in genau dieselben Weltunternehmen anlegt. Deshalb stieg er in den Templeton Growth ein, der auch in asiatische Regionen der Erde investiert, deren Wirtschaft zum Teil sehr viel ­stärker wächst als die von Ländern wie Deutschland oder den USA.

Die Berlinerin Christiane Schulz-Rother hat ihr Depot systematisch gemischt, indem sie nicht nur internationale Aktienfonds gekauft hat, sondern auch Aktienfonds aus Europa und Deutschland. Sie hat dabei darauf geachtet, dass ihr Aktienfonds Europa nicht hauptsächlich in Deutschland anlegt und der Aktienfonds Welt nicht vor allem in Europa investiert.

Für alle, die nun auch Fonds zukaufen oder ihre Mischung überprüfen wollen, machen wir in „Die optimale Mischung für Ihr Fondsdepot“ Kombinationsvorschläge. Die Liste zeigt, welche Top-Fonds nach unseren Ergebnissen gut zusammenpassen und welche Kombinationen weniger sinnvoll sind.

Schlechte Fonds aufwerten

Finanztest hat sich außerdem von den fünf größten deutschen Fondsgesellschaften die Europa- und Welt-Fonds mit dem größten Fondsvolumen herausgepickt und untersucht, welche internationalen oder europäischen Aktienfonds am besten zu ihnen passen. Die Ergebnisse stehen in den Tabellen "Aktienfonds Europa“ und „Aktienfonds Welt“.

Aus der Tabelle wird deutlich: Wer bisher einen unterdurchschnittlichen Fonds hatte, der nach der Finanztest-Bewertung weniger als 45 Punkte erreicht hat, muss nicht sofort verkaufen, sondern kann diesen auch zunächst einmal halten, einen anderen Fonds bemischen und so dem Depot Schub geben.

Die Kombination aus dem unterdurchschnittlichen Aktienfonds Adig EuropaVision mit dem Top-Fonds Fidelity European Growth war zum Beispiel in der Vergangenheit erfolgreich. Sie führte nicht nur dazu, dass das schlechte Ergebnis des Adig-Fonds ausgeglichen wurde. Das Duo war sogar besser als der Fidelity-Fonds allein.

Wenn sich Fondsmischungen in der Vergangenheit gut entwickelt haben, ist das allerdings nur ein Indiz dafür, dass der Mix auch in Zukunft gut zusammen wirkt. Exakt vorhersagen kann die künftige Leistung niemand.

Dem Anleger bleibt es deswegen nicht erspart, sich Fonds, die er ins Depot holen will, genau anzuschauen. Wertvolle Informationen etwa über die Anlagekonzepte stehen im Fondsprospekt und in den Halbjahres- und Rechenschaftsberichten der Fondsgesellschaften.

Diese Informationen sind häufig über die Internetseiten der Fondsgesellschaften abrufbar. Den Fondsprospekt können Anleger aber auch von ihrem Fondsverkäufer bekommen.

Aktienfonds-Mix bei Sparplänen

Auch Kleinanleger, die über Sparpläne monatlich in einen Fonds einzahlen, können von einem weiteren Sparplan profitieren. Sie sollten aber vermeiden, dass durch den zusätzlichen Sparplan Mehrkosten entstehen.

Ein Anleger, der zum Beispiel bisher für 50 Euro monatlich Anteile gekauft hat und einen Kaufpreis (so genannter Ausgabeaufschlag) von 2,5 Prozent gezahlt hat, und nun für weitere 50 Euro einen anderen Fonds kaufen möchte, sollte darauf achten, dass der Ausgabeaufschlag dafür ebenfalls höchstens bei 2,5 Prozent liegt. Kostet der zweite Fonds 5 Prozent, ist das Depotduo zunächst einmal teurer als der Single.

Eine Kostenfalle droht zudem, wenn für einen zugekauften Fonds nochmals Depotgebühren anfallen. Mancher Mix scheitert aber auch daran, dass nicht jeder Fonds als Sparplan angeboten wird.

Dieter Dörfler konnte für seine beiden Aktienfonds Sparpläne abschließen. Nachdem der 46-Jährige nun lange in Aktienfonds eingezahlt hat, will er auch Rentenfonds ins Depot holen.

„In die Rentenfonds möchte ich später das Geld aus den Aktienfonds umschichten. So bin ich im Alter vor großen Wertschwankungen sicher.“ Im Mischen ist Dieter Dörfler gut, im rechtzeitigen Aussteigen offenbar auch.

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