Selbst risikoscheue Anleger kommen inzwischen ins Grübeln: Mit sicheren Zins­anlagen ist so wenig zu holen, dass zumindest ein kleiner Anteil Aktien­fonds als Gebot der Vernunft erscheint – zumal die Börsen zurzeit scheinbar nur eine Richtung kennen: nach oben. Doch wie finden Anfänger den richtigen Fonds? Wie lassen sich Verluste vermeiden? test.de gibt Tipps.

Rekord­jagd weckt gemischte Gefühle

Von 9 800 auf 11 330 Punkten in 57 Tagen. Das ist der fulminante Jahres­start des deutschen Aktien­indexes Dax. Gleich­zeitig sanken die Renditen für zehnjäh­rige Bundes­anleihen von 0,5 auf 0,3 Prozent pro Jahr. Auch für Tages­geld gibt es kaum noch Zinsen. Das bringt die sicher­heits­liebenden Deutschen zum Nach­denken. Sollten sie nicht doch Aktienfonds kaufen? Die aktuellen Dax-Rekorde wecken bei vielen allerdings gemischte Gefühle. Zahlreiche Anleger haben mit Aktienfonds schlechte Erfahrungen gemacht.

Von schlechten Erfahrungen geprägt

Im Börsenboom um die Jahr­tausend­wende ließen sich sogar chro­nische Aktienmuffel aufs Börsen­parkett locken – mit oft fatalen Folgen. Die „Volks­aktie“ der Deutschen Telekom brachte Anlegern horrende Verluste, viele Firmen des hoch­gelobten Neuen Marktes gingen pleite und Technologiefonds vernichteten Vermögen in Milliardenhöhe. Anleger, die damals beim Fonds­kauf den Empfehlungen ihres Bank­beraters folgten, erlebten oft ihr blaues Wunder. Das lag zum einen daran, dass ihnen statt breit gestreuter Fonds häufig spekulative Branchenfonds verkauft wurden. Zum anderen setzten sie oft viel zu viel auf eine Karte, anstatt ihre Erspar­nisse vernünftig auf sichere und riskante Anlagen aufzuteilen.

Bequem den geeigneten Aktienfonds finden

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Im test.de-Podcast erklärt Projektleiter Tom Krüger, wie Finanztest Fonds bewertet.

Ob eine Aktienfonds­anlage gut läuft, hängt aber auch von der Qualität der Fonds ab. Wer nur Produkte der verbund­eigenen Fonds­gesell­schaften kauft, hat selten die best­mögliche Auswahl. Das zeigt eine Statistik, die Finanztest auf Grund­lage seines regel­mäßigen Fonds­tests erstellt hat: Für Filial­bank- oder Sparkassen­kunden, die meistens Fonds von Deka, DWS und Union Investment angeboten bekommen, ist das Risiko, einen mittel­mäßigen Fonds zu erwischen, oftmals größer als die Chance auf einen Top-Fonds. Damit sollten sich Anleger nicht abfinden. Im monatlich aktualisierten Fonds­test von Finanztest finden sie die jeweils empfehlens­werten Fonds aus einer Gruppe – darunter auch Fonds der großen deutschen Gesell­schaften. Diese können Filial­bank­kunden heraus­picken. Auf Angebote, die wir nicht getestet haben, müssen sie sich nicht einlassen. Finanztest filtert regel­mäßig aus über 3 500 Investmentfonds diejenigen mit dem besten Chance-Risiko-Verhältnis heraus – auch viele für Anleger ohne Aktien­erfahrung. Zum Produktfinder Fonds

Erste Wahl sind Indexfonds

Einen ebenso einfachen wie preis­werten Zugang zu den Aktienmärkten bieten Indexfonds. Sie sind auch für Einsteiger hervorragend geeignet. Mit einem Indexfonds beteiligen sich Anleger an der Entwick­lung eines bestimmten Aktienmarktes, zum Beispiel am deutschen Dax. Wer noch gar keine Aktien­anlagen hat, sollte jedoch nicht mit dem Dax einsteigen, sondern einen global oder zumindest europaweit ausgerichteten Index wählen. Je breiter gestreut, desto besser. Erste Wahl ist daher der Welt­aktien­index MSCI World, für den es zahlreiche Fonds verschiedener Anbieter gibt. Auch mit den Europaindizes MSCI Europe und Stoxx 600 liegen sie richtig. Fast alle Indexfonds sind besonders gut an der Börse handel­bar. Sie heißen deshalb auf Eng­lisch Exchange Traded Funds, kurz ETF. Übrigens: Profis haben die Qualitäten der ETF schon längst entdeckt. Das welt­weit in ETF angelegte Vermögen lag Ende 2009 noch bei knapp über 1 Billion Dollar und ist in den vergangenen fünf Jahren auf rund 2,5 Billionen Dollar gestiegen. Nur private Anleger tun sich teil­weise noch schwer mit den Produkten. Das liegt unter anderem daran, dass ETF so sper­rige Namen haben und auf den ersten Blick kompliziert klingen. Problem: Wer bei der Bank Beratung sucht, bekommt die kostengüns­tigen ETF meist gar nicht erst angeboten.

Tipps: Anleger finden hier eine Über­sicht über Fonds, die sich für Einsteiger eignen. Für Einsteiger bietet der Produktfinder Fonds kostenlos viel Wissens­wertes rund um Fonds, ein ABC der Fach­begriffe beispiels­weise, außerdem beant­worten die Fonds­experten von Finanztest häufige Fragen rund um die Fonds­anlage. Wer den Produktfinder Fonds frei­schaltet, kann sich außerdem Beiträge aus dem Magazin Finanztest als PDF herunter­laden, unter anderem auch die aktuelle Geschichte „Aktienfonds. Der bessere Dreh“ aus der Ausgabe 03/2015.

Streuen, mischen und geduldig bleiben

Obwohl der Wunsch nach Rendite groß ist – viele Anleger haben einfach keine Lust, sich näher mit Aktien oder Fonds zu befassen. Auch Kapitalmärkte und Börsen­entwick­lung sind ihnen herz­lich egal. Dennoch können sie die Chancen der Aktienmärkte nutzen, wenn sie drei Grund­sätze beherzigen. Erstens sollten sie nur Geld investieren, das sie lang­fristig entbehren können, mindestens für zehn Jahre, besser noch länger. Dann lassen sich auch zwischen­zeitliche Börsen­einbrüche aussitzen. Zweitens sollten sie breit gestreut investieren, um krasse Verluste durch einzelne Flops zu vermeiden. Drittens sollten sie auf keinen Fall ihr ganzes Geld auf Aktien setzen, sondern eine vernünftige Mischung aus Aktienfonds und sicheren Zins­anlagen bauen. Als sichere Zins­anlagen gelten zum Beispiel das Tages­geld, das sie schon haben, auch mehr­jährige Fest­zins­anlagen kommen infrage oder Anleihenfonds, die in Euro-Papiere investieren.

Tipps: Im Produktfinder Tagesgeld können Sie nach Top-Zins-Angeboten suchen, bis zu 1,5 Prozent pro Jahr sind derzeit noch möglich. Die Konditionen für mehr­jährige Zins­anlagen gibt es im Produktfinder Festgeld. Das aktuelle Top-Angebot: 2,2 Prozent pro Jahr für eine dreijäh­rige Lauf­zeit. Und worauf Sie bei Anleihen-Fonds achten sollten, steht in unserem Special Rentenfonds Euro: Diese Fonds gehören ins Depot.

Pantoffel­depots für Faule

Als Lösung für Faule hat Finanztest die Pantoffel-Portfolios entwickelt, die so gemütlich sind, wie der Name verspricht. Einmal aufgebaut, läuft das Pantoffel-Depot fast von allein. Ein Teil des Depots besteht aus einem Aktienfonds, der andere aus einem sicheren Rentenfonds. Bestückt wird es mit ETF, es ist daher nicht notwendig, die Qualität der Fonds regel­mäßig zu über­prüfen – was man bei gemanagten Fonds machen müsste. Pantoffel-Anleger sollten nur ab und zu mal schauen, ob die gewünschte Mischung aus Aktien- und Zins­anlagen noch stimmt. Wenn die Aktienmärkte stark steigen, haben Anleger plötzlich einen viel größeren Aktien­anteil im Depot als sie ursprüng­lich wollten. Dann sollten sie nach­justieren. Wie das geht, und welche Pantoffel­mischungen für welchen Anleger­typ infrage kommen, zeigt der Test Geldanlage im Zinstief. So gibt es trotzdem Rendite.

Strategien im Vergleich

Aktiv gemanagte Aktienfonds stellen immer noch die große Mehr­heit aller Fonds. Sie versuchen die Indexfonds zu über­treffen – meist mit geringem Erfolg. Die wenigen Erfolgs­fonds der vergangenen fünf Jahre filtert Finanztest regel­mäßig heraus. Anleger, die sich intensiver mit dem Börsen­geschehen und Fonds­anlagen beschäftigen, können aus den Top-Fonds diejenigen heraus­picken, deren Konzept und Zusammenset­zung ihren Vorstel­lungen am nächsten kommen. Damit verknüpft sich oft die Hoff­nung, noch bessere Renditen heraus­zuholen, als sie breite Aktienmärkte erzielen. Man kann damit aber auch spezielle Anlageideen umsetzen, indem mehrere Fonds kombiniert werden. Finanztest hat berechnet, wie sich solche Ideen im vergangenen Jahr bewährt hätten. In einem Depot wurden zum Beispiel die drei risikoärmsten Top-Fonds vereint, in einem anderen die drei Top-Fonds mit der besten Rendite des vergangenen Jahres. Die Variante mit den risikoarmen Fonds hat sich bewährt, das Kalkül der Renditejäger ging dagegen nicht auf. Die detaillierten Ergeb­nisse des Strategie­vergleichs finden Anleger im Produktfinder Fonds – im PDF zur Titel­geschichte aus Finanztest 3/2015 („Aktienfonds: Der bessere Dreh“).

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