Bisher besitzen nur wenige Anleger in Deutsch­land Aktienfonds. Das sollte sich ändern. Breit streuende Fonds bieten gute Chancen und sind weniger riskant, als viele befürchten.

Die Angst der Anleger vor allem, was mit Aktien zu tun hat, sitzt tief. Zu frisch sind die Erinnerungen an die Anfänge des neuen Jahres­tausends, als die Technologieblase platzte. Ausgerechnet in der größten Über­treibungs­phase der Börsen­geschichte hatten sich viele zum ersten Mal auf Aktien oder Aktienfonds einge­lassen – und prompt einen Reinfall erlebt.

Doch die Situation von damals ist mit der heutigen nicht vergleich­bar. Zwar ist ein Börsencrash immer möglich, aber eine Spekulations­blase gibt es zurzeit nicht. Und eine „Volks­aktie“ mit Massen­appeal ist auch nicht in Sicht.

Vor allem haben Anleger heute viel bessere Möglich­keiten, in Aktienfonds zu investieren als noch vor 10 oder 15 Jahren. Um spekulative Spezial­produkte können sie einen großen Bogen machen, denn es gibt genügend Fonds mit vernünftigen Konzepten.

Noch immer ist die Zahl der über­flüssigen Fonds allerdings viel größer als die der empfehlens­werten, wie unser aktueller Test zeigt: Wir haben mehr als 770 welt­weit anlegende Aktienfonds untersucht und dabei mehr Luschen als Perlen entdeckt. Nur jeder 25. Fonds ist empfehlens­wert.

Niemals blind zugreifen

Das Test­ergebnis zeigt, dass Anleger heute wie damals nie blind zugreifen oder ungeprüft der Empfehlung ihres Bank­beraters folgen sollten. Sonst laufen sie doch wieder Gefahr, den Einstieg in die Aktien­welt mit bitteren Verlusten zu erkaufen.

Aktienfonds Welt Test

Finanztest hat die Chancen und Risiken von Aktienfonds Welt analysiert. Die besten zehn sind in der Grafik schwarz hervorgehoben. Was sie eint, ist ihr vorbild­liches Chance-Risiko-Profil. Wir nennen solche Fonds „effizient“.

Unsere Test­methode haben wir im vergangenen Jahr neu einge­führt. Jetzt – nach einem Jahr – legen wir den Unter­suchungs­zeitraum neu fest. Er beträgt zunächst wieder fünf Jahre und beginnt nun Ende 2007 statt bisher 2006. In der Folge wird er jeden Monat um einen Monat verlängert.

Bei der alljähr­lichen Anpassung sind Wechsel in den Fonds­empfehlungen keine Über­raschung. In jeder Börsen­phase haben andere Konzepte bessere Karten. Selbst begnadete Fonds­manager schaffen es nicht, in allen Markt­phasen ganz oben zu bleiben.

Unmittel­bare Folge für unsere monatlichen Empfehlungen im Produktfinder Investmentfonds: Acht Fonds fielen seit dem vergangenen Monat aus der Liste heraus, fünf kamen hinzu.

Ein zweiter Grund für den regen Fonds­wechsel sind neue Fonds im Test. Sie erreichten erst kürzlich das für unsere Unter­suchung vorgegebene Mindest­alter von fünf Jahren. Ein altbewährter Fonds muss gar nicht schlechter geworden sein und kann dennoch von einem Neueinsteiger verdrängt werden (mehr dazu siehe „Was tun mit den alten Fonds?“).

Wir bewerten die Chancen und Risiken jedes Fonds nicht nur im Vergleich zur Fonds­gruppe, sondern auch im Vergleich zu einem Referenzfonds. Das ist immer ein Indexfonds, auch ETF genannt – für Exchange Traded Fund. Bei den welt­weit anlegenden Fonds ist das zurzeit der db x-trackers MSCI World. Er hat den wichtigsten Welt­aktien­index in den vergangenen fünf Jahren am besten nachgezeichnet.

Nur wenige gemanagte Fonds können mit dem Indexfonds mithalten. Wenn es schlecht läuft, verlieren Anleger mit einem gemanagten Fonds Jahr für Jahr 3 bis 5 Prozent Rendite gegen­über dem Referenzfonds. Ein Grund dafür ist, dass er als Indexfonds kein aufwendiges Management benötigt und dadurch pro Jahr etwa 1 bis 2 Prozent an Kosten spart.

Indexfonds als bequemste Lösung

Es spricht also einiges dafür, gleich den Referenzfonds oder einen anderen Indexfonds zu kaufen und gemanagte Fonds generell links liegen zu lassen. Für Anleger ist das allemal die bequemste Lösung.

Es ist allerdings wichtig, den richtigen Index zu erwischen. Mit dem MSCI World, der von der US-Bank Morgan Stanley errechnet wird, sind Anleger auf der sicheren Seite. Er ist mit etwa 1 600 Aktien sehr breit aufgestellt und dient Fonds­managern in aller Welt als Mess­latte.

Fonds­manager, die diesen Index dauer­haft über­treffen wollen, haben einen schweren Job und müssen schon viel Erfahrung, Gespür und Expertise mitbringen. Doch immer wieder gelingt einigen eine deutlich bessere Wert­entwick­lung als dem Index: Der Pictet Security-P, von dem später noch die Rede sein wird, lag in den vergangenen fünf Jahren mehr als 5 Prozent vor dem Referenzfonds – pro Jahr. Fonds­picking kann sich also durch­aus lohnen.

Allerdings sollten sich Anleger nur dann darauf einlassen, wenn sie bereit sind, dauer­haft etwas Zeit und Mühe aufzuwenden. Die Top-Fonds von heute stehen nicht zwangs­läufig auch morgen noch ganz oben.

Im Produktfinder Investmentfonds stellen wir jeden Monat die besten Aktienfonds Welt vor und bieten monatlich aktualisiert ausführ­liche Informationen zu weiteren 30 empfehlens­werten Fonds.

Mit Sicherheit gute Renditen

Der Weg zum Erfolg führt fast immer über spezielle Strategien. Die Manager von gleich zwei der aktuellen Top-Fonds setzen auf den globalen Trend zu Sicherheit. Der Begriff ist weit gefasst und reicht vom Schutz vor Computerviren über Gebäudesicherheit und Gesund­heits­schutz bis zur Verkehrs­sicherheit. Wichtig für Anleger ist vor allem, dass sich zu diesem Thema viele inno­vative, wachs­tums­starke Aktiengesell­schaften finden lassen.

Den Managern des CS EF (Lux) Global Security B USD und des Pictet Security-P ist das in den vergangenen fünf Jahren gut gelungen. Viele der von ihnen ausgewählten Unternehmen sind, obwohl deutschen Anlegern vielleicht nicht geläufig, Markt­führer in ihrem Segment. Zu den größten Positionen gehört die britische Intertek Group, eines der welt­größten Unternehmen für Produkttests. Auch der US-Konzern Thermo Fisher Scientific ist in beiden Fonds prominent vertreten. Er hat eine hervorragende Markt­position als Hightech-Ausstatter für wissenschaftliche Labors.

Spezial­konzepte brauchen Kontrolle

Auch wenn die beiden Fonds in den vergangenen Jahren deutlich besser liefen als der MSCI World, eignen sie sich nicht für Anleger, die auch in Bezug auf ihr eigenes Depot Sicher­heits­fanatiker sind.

Von den unver­meidlichen Wert­schwankungen des Gesamt­markts ganz abge­sehen, sind spezielle Anlage­konzepte noch anfäl­liger für Abstürze als solche Fonds, die alle Branchen abdecken. Regel­mäßige Kontrolle der Wert­entwick­lung ist in jedem Fall unerläss­lich.

Das gilt erst recht für Fonds, die einen breiten Markt mit nur wenigen Aktien beackern. Rekord­verdächtig ist in dieser Hinsicht der DWS Interna­tionale Aktien Typ O, der zurzeit weniger als 30 unterschiedliche Titel hält. Da es sich fast ausschließ­lich um welt­bekannte Unternehmen wie BASF, Samsung, Roche oder Royal Dutch handelt, ist das Risiko über­schaubar. Doch Anleger tun gut daran, diesen Fonds nicht längere Zeit aus den Augen zu lassen.

Ähnliches gilt für den BL Equities Dividend A, einen klassischen Vertreter der Dividenden­strategie. Das Fonds­management sucht nach Aktien, die aktuell und in der Zukunft eine attraktive Dividendenrendite bieten. Zusätzlich ziehen die Manager für ihre Auswahl die Qualität der Unternehmen heran und kommen unterm Strich zu einer sehr speziellen Zusammen­stellung.

Der Fonds besteht zu fast zwei Dritteln aus europäischen Aktien, hat einen verschwindend geringen US-Anteil, dafür aber mehr als 20 Prozent Unternehmen aus Schwellenländern, die im Vergleichs­index MSCI World gar nicht vertreten sind.

Die Manager des bekannten DWS-Fonds Top Dividende (siehe Tabelle „Fonds im Schnell-Check“) kommen beim gleichen Thema zu einer völlig anderen Mischung.

Auch bei den Vertretern von „Value“-Konzepten gibt es kein einheitliches Vorgehen. Das zeigt der direkte Vergleich des Vontobel Global Value Equity A USD mit dem Warburg Value A. Beide stützen sich auf Substanz­werte, also Aktien, deren Markt­wert im Verhältnis zum wahren Wert des Unter­nehmens günstig erscheint.

Da eine exakte Definition von Substanz­stärke fehlt, bleibt Fonds­managern ein gewisser Spielraum, wenn sie Bilanz- und Geschäfts­zahlen interpretieren.

Der Vontobel-Fonds setzt vor allem auf welt­bekannte amerikanische und europäische Stan­dard­werte wie Coca-Cola, die Tabak­konzerne BAT und Philip Morris oder den Lebens­mittel­konzern Unilever.

Der Warburg Value schickt dagegen vorwiegend kleinere und mitt­lere Unternehmen ins Rennen, nur wenige davon aus den USA, gern auch aus Schwellenländern (siehe Porträt „Der Konstante: Warburg Value A“).

Auch der Amundi Interna­tional Sicav AU (C) sucht sein Heil in Aktien, die seine Manager für unterbe­wertet halten. Dabei kommt wieder eine völlig andere Auswahl zustande als beim Vontobel- und beim Warburg-Fonds. Auffällig ist wie auch bei Warburg-Fonds der hohe Anteil japa­nischer Aktien. Die Manager des Amundi haben einen relativ großen Spielraum und können auch Anleihen und Gold­werte beimischen.

Sparpläne für den richtigen Zeit­punkt

Viele Anleger fragen sich, ob jetzt wirk­lich ein guter Zeit­punkt zum Einstieg in den Aktienmarkt ist. Schließ­lich hat sich der Welt­aktien­index nach dem Einbruch im Zuge der Finanz­krise seit Früh­jahr 2009 schon wieder mehr als verdoppelt.

Die Antwort kennt keiner, doch es gibt eine einfache Strategie gegen das Risiko des falschen Zeit­punkts: Anleger können ihr Geld gestaffelt investieren – zum Beispiel in vier Tranchen auf ein Jahr verteilt. Die beste Verteilung bietet ein monatlicher Fonds­sparplan. Er eignet sich auch hervorragend für junge Leute, die nach einer rendite­starken Alters­vorsorge suchen.

Fonds­sparpläne sind äußerst flexibel und verpflichten den Sparer zu nichts. Bei Internet-Fonds­vermitt­lern, teils auch bei Direkt­banken gibt es Angebote ohne oder mit sehr geringen Neben­kosten. Dieser sanfte Einstieg in den Aktienmarkt ist selbst für ängst­liche Anleger eine Option.

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