Aktienfonds Welt Test

Global anlegende Aktienfonds gibt es wie Sand am Meer. Die wenigsten lassen Anlegerherzen höherschlagen. Doch Finanztest präsentiert die Fondsperlen und verrät, wo sie günstig zu haben sind.

Fondsanleger brauchen dieses Jahr gute Nerven. Die Aktienmärkte sind weiter launisch, fast alle notieren im Vergleich zum Jahresbeginn zweistellig im Minus.

Dennoch besteht für weitblickende Anleger kein Anlass zur Sorge. Mit Aktienfonds können sie sich eine breitgestreute Aktienanlage sichern und haben bessere Renditechancen als mit jeder anderen seriösen Geldanlage. Rückschläge ändern nichts an der langfristigen Perspektive.

Das gilt aber nur, wenn die Fonds etwas taugen. Überlässt der Käufer seine Fondsauswahl dem Zufall, wird die Geldanlage zum Glücksspiel.

Davor will Finanztest mit seinem Dauertest schützen. Wir prüfen Monat für Monat alle Fonds, die mindestens fünf Jahre alt sind, auf ihre Wertentwicklung und Stabilität.

Die besten 15 Vertreter der wichtigsten Kategorie, der Aktienfonds Welt, stellen wir diesmal genauer vor: Trotz des Börseneinbruchs kommen sie für die vergangenen fünf Jahre noch auf stolze Renditen von gut 14 bis 24 Prozent pro Jahr. Besonders erfreulich: Anleger können fast alle Fonds ohne den teuren Ausgabeaufschlag kaufen.

Kein Klima für klassische Konzepte

Unter unseren Top-Fonds sind klassische Aktienfonds Welt kaum noch zu finden. Klassisch soll heißen, dass ein Fonds die Kräfteverhältnisse der globalen Aktienmärkte widerspiegelt. Das schafft er, indem er sich an einem breitgestreuten Börsenindex wie dem MSCI Welt der Investmentbank Morgan Stanley orientiert. Damit wäre zum Beispiel ein hoher Anteil an US-Aktien verbunden, der im MSCI Welt derzeit bei etwa 48 Prozent liegt.

Davon sind die aktuellen Erfolgsfonds meilenweit entfernt. Die meisten haben einen US-Anteil von unter 20 Prozent, bei manchen liegt er sogar unter 5 Prozent.

Der geringe US-Anteil kam der Wertentwicklung zugute, denn in den vergangenen Jahren liefen viele europäische und asiatische Märkte deutlich besser als der US-amerikanische. Außerdem litten solche Fonds nicht so stark unter dem extrem schwachen Dollar.

Mit Jens Erhardt auf Erfolgskurs

Vier der fünf besten Fonds werden von der Dr.-Jens-Erhardt-Gruppe (DJE) gemanagt, darunter auch der von der Fondsgesellschaft DWS vertriebene Astra-Fonds. Zusätzlich wird der achtplatzierte FI Alpha Global (DWS) von DJE beraten.

Das Management der DJE-Fonds setzt stark auf einheimische Aktien. Nicht nur im Astra-Fonds sind die Gewichtungen des Weltaktienindexes auf den Kopf gestellt. Der Astra-Fonds hat einen Deutschland-Anteil von fast 50 Prozent und einen US-Anteil unter 2 Prozent.

Dazu kommt eine eigenwillige Titelauswahl: Unter den größten Positionen der DJE-Fonds sind neben Dax-Titeln wie Allianz, BASF oder RWE auch MDax-Aktien wie Kali + Salz. Als Sicherheitspuffer halten die Fonds unterschiedlich hohe Anteile an Bundeswertpapieren.

Besonders auffällig ist aber ihr hoher Kassenbestand. Rund ein Drittel ihres Vermögens ist zurzeit am Geldmarkt geparkt. „In schwierigen Marktphasen sind wir eher vorsichtig“, sagt DJE-Vorstand Eberhard Weinberger.

Der Erfolg gibt DJE recht. Ihre hohen Renditen erzielten die Fonds unter sehr geringen Rückschlägen. Mit dem Astra-Fonds hätten Anleger in den vergangenen fünf Jahren selbst beim ungünstigsten Zeitpunkt für den Kauf und den Verkauf nicht mehr als 9,8 Prozent verlieren können.

Nicht alles auf eine Karte setzen

Dennoch sind Anleger gut beraten, nicht alles auf eine Karte zu setzen. In ein Depot gehören mehrere Aktienfonds Welt mit unterschiedlicher Strategie. Die Kombination verschiedenartiger Fonds kommt der Stabilität des Depots zugute.

Mancher langfristig orientierte Anleger hat eine Scheu vor kleinen Fonds. Die Größe eines Fonds ist zwar kein Qualitätsmerkmal, aber das Risiko einer Fondsschließung ist bei sehr kleinen Fonds höher als bei den Flaggschiffen der Branche.

Dann muss sich der Anleger nach einer neuen Anlage umsehen und oft wieder Gebühren zahlen. Außerdem ist es vor dem Hintergrund der Abgeltungsteuer günstig, wenn ein noch 2008 gekaufter Fonds dauerhaft im Depot bleibt (siehe „Abgeltungssteuer“).

Von den aktuellen Top-Fonds aus der Weltliga zählen nur der M&G Global Basics (fast 4 Milliarden Euro) und der Lingohr-Systematik-LBB-Invest (über 2 Milliarden Euro) zu den ganz Großen. Die meisten anderen haben ein akzeptables Volumen. Nur drei Fonds fallen mit unter 50 Millionen Euro deutlich aus dem Rahmen.

Beim Fondskauf sparen

Die Wertentwicklung seiner Fonds kann der Anleger nicht beeinflussen, die Kaufkosten schon. Ausgabeaufschläge von 5 Prozent oder mehr sind nicht mehr zeitgemäß. Fast alle Fonds gibt es heute mit hohen Rabatten oder sogar ohne Kaufgebühren.

Allen Anlegern offen steht der Fondskauf über die Börse. Sie müssen dazu kein neues Depot eröffnen und können meist selbst beim Kauf über die Hausbank deutlich sparen. Die Alternative ist ein neues Depot bei einem preiswerten Anbieter.

Wir haben bei Fondsdiscountern und Direktbanken ermittelt, wo es die 15 Fondsperlen aus unserem Test am günstigsten zu kaufen gibt. Von den Direktbanken bieten nur comdirect oder ING-Diba einige der Fonds mit 100 Prozent Rabatt. Bei den anderen sind Rabatte zwischen 25 und 50 Prozent üblich.

An den Fondsvermittlern im Internet kommen wirklich sparsame Anleger daher kaum vorbei. Hier gibt es fast alle aufgelisteten Fonds ohne Ausgabeaufschlag.

Die Fondsvermittler bieten keine eigenen Depots an, sondern bilden die Schnittstelle zwischen Fondsgesellschaft und Anleger. Die gekauften Fondsanteile wandern ins Depot einer Fondsbank und sind dort ebenso sicher verwahrt wie bei jeder anderen Bank oder wie bei der Fondsgesellschaft selbst.

Auf den persönlichen Kontakt, den ihre Hausbank bietet, müssen Anleger allerdings verzichten. Auch stört es manch einen, Fonds und Wertpapiere in verschiedenen Depots zu lagern. Bei normalen Banken ist die gemeinsame Aufbewahrung kein Problem, im Depot einer Fondsbank ist für Aktien oder Anleihen kein Platz.

Da viele Anleger ein Depot bei der Fondsbank zusätzlich eröffnen müssen, sollten sie auch auf geringe laufende Kosten achten. Bei Depots mit großen Fondsposten sind die jährlichen Gebühren zwar oft zweitrangig, bei kleinen Depots können sie die Rendite aber empfindlich schmälern. Das gilt besonders für Depots, die eigens zur Verwahrung eines Sparplans für vermögenswirksame Leistungen (VL) vom Arbeitgeber eingerichtet werden.

Dass es VL-Sparpläne ohne Zusatzkosten gibt, ist erfreulich. Allerdings sind jährliche Gebühren von 23,90 Euro, wie sie bei der Fondsbank ebase fürs Depot anfallen, im Verhältnis zu den kleinen Sparraten recht hoch. In diesem Fall kommt der Anleger nicht billiger weg als bei einem Sparplan mit vollem Ausgabeaufschlag und kostenloser Verwahrung der Fondsanteile.

Wenn der Anleger aber ohnehin ein Depot bei einer Fondsbank unterhält, bietet ihm der kostenlose VL-Fonds eine weitere Sparmöglichkeit und damit noch bessere Renditeaussichten.

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