Aktienfonds Welt Test

Aktienfonds Welt gehören zu den Basisanlagen eines ­Wertpapierdepots. Die Manager der Spitzenfonds mehren das Geld der Anleger mit sehr unterschiedlichen ­Anlageideen und Strategien. Finanztest sagt, welche Fonds für welchen Anlegertyp am besten sind.

Für Fondsmanager ist die Globalisierung ein alter Hut. Aktienfonds, die mit dem Geld der Anleger weltweit Unternehmensanteile kaufen, gab es schließlich schon vor dem Zweiten Weltkrieg.

Der niederländische Fonds Robeco wird zum Beispiel demnächst 77 Jahre alt, und der weltbekannte Templeton Growth hat auch schon über 50 Jahre auf dem Buckel. Doch seit der Jahrtausendwende wurde die Aktienwelt so stark durcheinandergewirbelt, dass selbst erfahrenen Börsenexperten Hören und Sehen verging.

Bis zum Börsencrash ab dem Jahr 2000 steckte bei den meisten Aktienfonds Welt der größte Teil des Vermögens in US-­amerikanischen Aktien. Das hat sich gründlich geändert. Die europäischen und asiatischen Märkte haben mächtig aufgeholt, und auch die Börsen-Entwicklungsländer (Emerging Markets) sind für Fondsmanager längst kein Tabu mehr. Sie kaufen inzwischen auch fleißig Aktien aus Südkorea, China oder Osteuropa.

Für Anleger ist dies zweischneidig. Einerseits können sie von der veränderten Börsenwelt profitieren, wenn sie auf die richtigen Fonds setzen. Andererseits sind die Perlen wegen der Vielfalt an Strategien und Konzepten schwer zu finden.

Finanztest bewertet Monat für Monat alle in Deutschland zugelassenen Aktienfonds Welt, die mindestens fünf Jahre alt sind. Dabei achten wir vor allem auf die Wertentwicklung, die wir für jeden Monat innerhalb der vergangenen fünf Jahre berechnen und mit dem Durchschnitt der Fondsgruppe vergleichen. Bewertet wird aber auch, wie stabil sich der Fonds in ­dieser Zeit entwickelt hat.

Alle Fonds, die in diesem Test eine ­Spitzenbewertung erzielten, haben wir noch genauer unter die Lupe genommen und können nun sagen, welche Ideen und Strategien hinter den Ergebnissen stecken und welcher Fonds sich am besten für ­welchen Anlegertyp eignet.

Renditekick durch Spezialkonzepte

Erfolgreich waren vor allem Aktienfonds Welt, die sich auf Aktien von Unternehmen in Europa oder Deutschland konzentrierten. So ist auch der UniValueFonds: Global A als aktueller Spitzenreiter unseres Fondstests stark in Deutschland und Europa engagiert. Doch beschränkt er sich nicht darauf, andere regionale Schwerpunkte zu setzen als der maßgebliche ­globale Aktienindex, der MSCI Welt. Im Vordergrund steht vielmehr die sogenannte Value-Strategie, die Suche nach Unternehmen mit einer hohen Substanz oder Werthaltigkeit.

Fündig wurden die Manager des Uni­ValueFonds zum Beispiel beim Handelskonzern KarstadtQuelle, bei dem zurzeit vor einer Fusion mit Mittal Steel stehenden Stahlproduzenten Arcelor, aber auch bei Südzucker und dem Maschinenbauer Gildemeister.

Auch bei vielen anderen Top-Fonds gaben bestimmte Themen oder Strategien der Wertentwicklung den entscheidenden Kick. Das gilt zum Beispiel für den M & G Global Basics A, der vor allem auf Roh­stoffe setzt. In diesem Fonds finden sich unter anderem Aktien des australischen Minenkonzerns Rio Tinto, der Platin­produzenten Lonmin und Impala, des Kohle­förderers Peabody Energy sowie der ­Ölfirmen Tullow und Chevron. Auch die Kali + Salz-Aktie aus dem deutschen MDax hat ihr Plätzchen im Portfolio.

Ein sehr spezielles Anlagekonzept verfolgt auch der Activest EcoTech C, dessen Fokus auf Umwelttechnologien und erneuerbaren Energien liegt. Vom Windkraftunternehmen Repower über den US-amerikanischen Recyclingspezialisten Aleris und die deutsche Solarworld bis zu den französischen Versorgern Suez und Veolia findet sich ein Potpourri aus Firmen, die – so Activest – „ihren innovativen Beitrag für eine saubere und gesunde Umwelt leisten“.

Da der Activest EcoTech C zu den Spitzenfonds seiner Gruppe gehört, ist er nicht nur eine Empfehlung für ökologisch orientierte Anleger. Jedoch sollten sie ihn nicht allein, sondern nur mit anderen Aktienfonds Welt ins Depot nehmen. In den ­Tabellen „Die besten der vergangenen fünf Jahre: Aktienfonds Welt im Detail“ und „Die Dachfonds unter den Spitzenreitern“ steht (siehe Spalte: Zum Kombinieren), welcher Fonds sich am besten zur Ergänzung eignet.

Der Weltindex bleibt links liegen

Auch bei den ähnlich gemanagten FMM-und Astra-Fonds stand gewiss nicht der Aktienweltindex Pate. Der Astra-Fonds hat zurzeit knapp 50 Prozent, der FMM-Fonds sogar 70 Prozent in Deutschland angelegt. Ihre größten Positionen bestehen nur zum Teil aus deutschen Schwergewichten und enthalten auch viele Aktien aus der zweiten Reihe wie Kali + Salz, AMB Generali, IKB oder Rheinmetall.

Ähnliches gilt für den Albrech & Cie Optiselect, der herzlich wenig mit klassischen Aktienfonds Welt gemein hat. Seine Manager suchen nach Investments, bei denen Substanz und Wachstumsaussichten eines Unternehmens in angemessenem Verhältnis zum Börsenwert stehen.

Anscheinend passen exotische Aktien wie der chinesische Ölgigant Petrochina und der ungarische Arzneimittelkonzern Gedeon Richter sowie kleinere deutsche Unternehmen besser in dieses Raster als bekannte Bluechips. So haben US-Aktien mit knapp 10 Prozent im Fonds ein geringeres Gewicht als die deutschen Mittelstandsunternehmen Indus, Leoni und Krones, die rund 15 Prozent des Fondsvermögens auf sich vereinen.

Der Albrecht & Cie Optiselect hält insgesamt nur etwa 20 Positionen, gut 50 Prozent des Fondsvermögens stecken allein in seinen Top-10-Aktien. Wünschenswert ist eigentlich eine breitere Streuung, auch wenn es nicht gleich über 1 500 Aktien sein müssen wie im MSCI Welt. Allerdings hat dem Fonds die Konzentration auf wenige Positionen bisher nicht geschadet. In den vergangenen fünf Jahren hatte er sogar das geringste Risiko unter allen Top-Fonds.

US-Aktien hinken hinterher

Nur für Fondsmanager, die sich am MSCI Welt orientieren, sind US-Aktien immer noch erste Wahl, denn die USA spielen in diesem Index mit rund 49 Prozent nach wie vor die Hauptrolle. Und wer auf die Firmen mit dem größten Börsenwert setzen will, wie etwa Exxon, General Electric und Microsoft, kommt an der New Yorker Wall Street nicht vorbei.

Da sich US-Aktien in den vergangenen Jahren viel schwächer entwickelten als vergleichbare europäische Titel, sind die ­indexnahen Fonds mittlerweile aus der Spitzengruppe unseres Fondstests verschwunden. Eine zusätzliche Belastung war der schwache US-Dollar, der die Wertentwicklung aus Sicht deutscher Anleger nach unten zog.

Für Anleger, die sich wenig für Geldanlage und Börsen interessieren, aber auf die langfristigen Chancen von Aktien nicht verzichten wollen, ist der MSCI Welt dennoch eine hilfreiche Orientierung. Sie können zum Beispiel mit einem Indexfonds auf den MSCI Welt an der Marktentwicklung teilnehmen, ohne den Fonds regelmäßig kontrollieren zu müssen. Im Rückblick über mehrere Jahrzehnte hat der Weltaktienmarkt recht zuverlässig 9 bis 10 Prozent pro Jahr erzielt.

Wir haben berechnet, wie die Wertentwicklung unserer Top-Fonds mit der des MSCI Welt zusammenhängt. In den Tabellen „Die besten der vergangenen fünf Jahre: Aktienfonds Welt im Detail“ und „Die Dachfonds unter den Spitzenreitern“ steht, ob sich die Fonds ­wenig oder sehr stark vom Index unterscheiden. Zwar gibt es keinen Fonds, der sehr nah am Index läuft, aber beim Uni­ValueFonds: Global A und beim M & G Global Leaders A sind zumindest deutliche Parallelen sichtbar.

Jugend liegt vorn

Die meisten der aktuellen Spitzenfonds sind noch jung. Viele wurden erst im Jahr 2000 oder danach aufgelegt. Kein Wunder, dass sie noch nicht so viel Anlegergeld eingesammelt haben wie ihre jahrzehntealten Konkurrenten.

Der Templeton Growth hat als weltweit größter globaler Aktienfonds ein Volumen von über 30 Milliarden Euro. Alle 22 untersuchten Fonds verwalten zusammengenommen nicht einmal ein Viertel dieses Vermögens.

Zwar ist weder das Alter noch das Volumen ein Qualitätsmerkmal für einen Fonds, aber Anleger sind gut beraten, wenn sie die Entwicklung junger und zudem kleiner Fonds regelmäßig verfolgen.

Anleger, die altgediente Fonds wie Templeton Growth, UniGlobal, DWS Akkumula oder Vermögensbildungsfonds I besitzen, sind vielleicht beunruhigt, weil ihre Fonds nicht mehr in der Spitzengruppe auftauchen. Die Sorge ist unbegründet, denn diese und andere Klassiker haben immer noch eine überdurchschnittliche ­Finanztest-Bewertung und eine ansehnliche Wertentwicklung. Dass die Fonds nicht mehr ganz oben dabei sind, ist für Langfristanleger zweitrangig.

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