An den Börsen in Schanghai, Rio und Mumbai gehts bergab. Geduldige Anleger lassen sich davon nicht abschre­cken.

Aktienfonds Schwellenländer Special

An den Börsen in Schanghai, Rio und Mumbai gehts bergab. Geduldige Anleger lassen sich davon nicht abschre­cken.

Gestern noch grenzenlose Euphorie, heute tiefer Pessimismus. Die Einschät­zung von Schwellenländern hat sich bei Aktien- und Fonds­anlegern inner­halb weniger Jahre komplett gedreht.

In den Wirt­schafts­meldungen über­wiegen die Hiobs­botschaften: hohe Inflation, schwache Währungen, nach­lassendes Wachs­tum, teil­weise Probleme im Immobilien- und Bankensektor. Ist die vielgerühmte Wachs­tums­story der Schwellenländer schon wieder Geschichte?

Anleger sollten sich bei aller berechtigten Skepsis nicht verrückt machen lassen. Auch Fonds­manager, die zurzeit vorsichtig mit den oft eng­lisch bezeichneten „Emerging Markets“ umgehen, bleiben lang­fristig eher positiv.

Die Fonds­gesell­schaft Carmignac will den stark reduzierten Schwellenländer­anteil in ihrem welt­weit anlegenden Fonds­flaggschiff Investissement nicht deutlich unter 20 Prozent sinken lassen, „solange uns die Wachs­tums­perspektiven in diesem Anlageuni­versum (...) attraktiv erscheinen.“

Die deutsche Gesell­schaft DWS sieht für die Bric-Staaten Brasilien, Russ­land, Indien und China „positive Perspektiven“ und speziell Brasilien „auf dem Reformweg“.

MSCI Emerging Markets oft ideal

Dass Schwellenländer auch künftig bessere Wachs­tums­aussichten als der etablierte west­liche Wirt­schafts­raum haben, ist unstrittig. Anleger tun gut daran, auf beiden Märkten vertreten zu sein – selbst­verständlich mit der gebotenen Vorsicht. Der Löwen­anteil eines Aktienfonds­depots steckt sinn­voller­weise in der ersten Börsen­welt, aber einen Schwellenländer­anteil von 10 bis 15 Prozent halten wir für vertret­bar.

Das Problem: Unternehmen aus Schwellenländern sind im Welt­aktien­index MSCI World nicht vertreten. Da sich die meisten Fonds­manager an diesem Index orientieren, findet man Unternehmen aus China, Brasilien, Indien, Russ­land oder aus Afrika in globalen Aktienfonds oft nur in homöo­pathischer Dosierung.

Anleger müssen also zukaufen. Am einfachsten geht das mit börsen­gehandelten Indexfonds (ETF), die alle wichtigen Schwellenländer abdecken.

Zuerst kommt die Entscheidung für einen Index, dann die Auswahl des passenden Fonds. In der Tabelle zeigen wir, welche Länder, Branchen und Unternehmen die wichtigsten Schwellenländerindizes dominieren. Die naheliegende und für viele wohl beste Wahl ist der MSCI Emerging Markets. Der Index enthält mehr als 800 Unternehmen aus 21 Ländern, deckt alle wichtigen Branchen ab und hat keine Einzel­aktie zu hoch gewichtet.

Größte Position ist der südkorea­nische Elektronik­konzern Samsung. Der Konzern, dessen Galaxy-Smartphones hart mit dem iPhone von Apple konkurrieren, ist außerdem ein führender Anbieter für Mikrochips und exportiert Elektronikgeräte aller Art in die ganze Welt. Dass Samsung als Schwellenländer­unternehmen läuft, ist eigentlich ein Witz und nur der Tatsache geschuldet, dass Indexanbieter MSCI den Firmensitz Südkorea nach wie vor als Schwellen­land einstuft.

In den vergangenen fünf Jahren war das für Emerging-Markets-Investoren ein Plus­punkt. Der südkorea­nische Aktienmarkt lief deutlich besser als der „echter“ Schwellenländer und hievte den MSCI Emerging Markets deutlich vor jene Indizes, die nur die Bric-Staaten enthalten. Der bekann­teste von ihnen, der FTSE Bric 50, büßte seit Ende 2007 gegen­über dem MSCI Emerging Markets etwa 4 Prozent pro Jahr ein.

Das Verhältnis war in anderen Markt­phasen auch schon mal umge­kehrt. Doch der breite MSCI-Index ist für Anleger, die ihr Depot möglichst selten umschichten wollen, besser geeignet. Seine Zusammenset­zung wird regel­mäßig angepasst. Wenn in Zukunft andere Länder an den Kapitalmärkten nach oben streben, sind sie irgend­wann in diesem Index dabei.

Viel Spielraum für spezielle Ideen

Aktienfonds Schwellenländer Special

Anleger können über Indexfonds aber auch gezielter welt­weit in Schwellenländer investieren, ohne die Streuung zu vernach­lässigen. Wem zum Beispiel der hohe Anteil an Finanz­aktien im herkömm­lichen MSCI-Index nicht geheuer ist, der kann sie mit einem Fonds auf den MSCI Emerging Markets Islamic weit­gehend vermeiden.

Beim Fondsanbieter iShares heißt es: „Dieser Fonds wurde für konform mit den Grund­sätzen der Scharia befunden und richtet sich an isla­mische Anleger. Die Zeichnung ist jedoch auch für andere Anleger offen.“ Der Fonds verzichtet auf Firmen, die mit Rüstung, Alkohol oder Tabak ihr Geld verdienen. Herkömm­liche Banken sind nicht dabei, weil der Islam keine Zins­geschäfte erlaubt.

Eine gezielte qualitative Auswahl von Unternehmen aus Schwellenländern verspricht das Rafi-Konzept, das Kriterien wie die Dividendenrendite, den Buch­wert, Geld­zufluss (Cashflow) und die Umsätze von Firmen berück­sichtigt. Erstaunlicher­weise kommt dabei im globalen Index FTSE Rafi Emerging Markets ein ebenso hoher Anteil an Finanz­titeln heraus wie im normalen MSCI Emerging Markets.

Indexfonds gezielt auswählen

Wie die Tabelle zeigt, haben Anleger bei einigen Indizes keine großen Wahl­möglich­keiten, da es bisher nur einen Fonds gibt, der sie nach­bildet.

Der wichtigste Index, der MSCI Emerging Markets, ist dagegen von vielen Anbietern zu haben. Was sollten Anleger bei der Auswahl ihres Fonds beachten?

Sie müssen sich entscheiden, ob sie unbe­dingt einen Indexfonds (ETF) wollen, der die Aktien des Indexes enthält. Oder darf es auch ein Fonds sein, der die Index­entwick­lung mit ganz anderen Titeln und der Hilfe von Tausch­geschäften (Swaps) nach­zeichnet? Die Swap-Variante liefert manchmal sogar bessere Ergeb­nisse als ein Fonds mit Original­aktien.

Was die Sicherheit für den Anleger angeht, sieht Finanztest keinen Unterschied zwischen beiden Fonds­konstrukten. So oder so handelt es sich um Sonder­vermögen, das auch dann vor dem Zugriff von Gläubigern geschützt wäre, wenn die Fonds­gesell­schaft pleiteginge. Wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt, ist die Swap-Nach­bildung aber kein Garant für bessere Renditen. Die Emerging-Markets-Fonds von iShares mit Original­aktien brachten seit Ende 2007 ein deutlich besseres Ergebnis als das Swap-Produkt der Deutsche-Bank-Tochter db x-trackers.

Übrigens enthalten auch diese nicht alle Index­aktien, sondern nur eine repräsentative Auswahl von knapp der Hälfte der Titel. Bei kluger Zusammen­stellung reicht das, um die Index­entwick­lung nach­zuzeichnen. Eine voll­ständige Nach­bildung mit allen Index­aktien ist kaum möglich, da es in Ländern wie China, Indien oder Russ­land für ausländische Aktionäre oft Handels­beschränkungen gibt.

First State ist zu erfolg­reich

Deutlich höhere Kosten als bei Indexfonds müssen Anleger bei aktiv gemanagten Fonds hinnehmen. Dafür können sie auf deutlich höhere Renditen hoffen, wenn der Fonds­manager gute Arbeit leistet.

Die mit Abstand besten Ergeb­nisse erzielt seit vielen Jahren die australische Fonds­gesell­schaft First State. Bei ihren beiden Top-Fonds Global Emerging Markets und Global Emerging Lead­ers (test.de/fonds) setzt sie auf ein indexfernes Anlage­konzept, das weder vor Bluechip-Firmen aus der etablierten Börsen­welt noch vor kleineren Unternehmen aus den Schwellenländern zurück­scheut.

First State ist so erfolg­reich, dass die Gesell­schaft für beide Fonds zu normalen Bedingungen kein Geld mehr annimmt. Wie ein Unter­nehmens­sprecher sagt, könne man es inner­halb des bestehenden Anlage­konzepts nicht mehr sinn­voll investieren.

Wenn First State noch Anteile der Fonds ausgibt, dann nur mit einem Aufschlag von 4 Prozent auf den Nettoinventar­wert des Fonds. Das dient quasi als Abschre­ckung.

Anleger können die Fonds zwar nach wie vor über einige Börsen oder Fonds­platt­formen kaufen, sollten dabei aber gut acht­geben. Beim Börsenkauf ist es wichtig, ein Limit zu setzen, um bei den äußerst geringen Umsätzen keinen allzu hohen Preis zu zahlen. Beim Kauf über Fonds­vermittler sollten sie über­prüfen, ob die ansonsten üblichen Rabatte gewährt werden.

Für Sparplan­besitzer ändert sich nichts. Wer einen der First-State-Fonds seit Jahren bespart, wird von der Fonds­gesell­schaft ganz normal mit neuen Anteilen versorgt.

Neben den First-State-Fonds gibt es mit dem Danske Global Emerging Markets und dem Raiff­eisen Emerging-Aktien (A) zwei weitere Fonds, die sich als Alternative zu Indexfonds anbieten. Vor allem der Danske-Fonds ist mit seiner recht ausgewogenen Länder­mischung eine Über­legung wert. Seit Ende 2007 brachte er pro Jahr eine um etwa 7 Prozent höhere Rendite als der Index.

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