Aktienmärkte wie China, Brasilien oder Indien lassen die klassischen Börsen alt aussehen. Finanztest zeigt ihre Chancen und Risiken und sagt, wie Anleger investieren können.

An sogenannten „Emerging Markets“ führt für Anleger kein Weg mehr vorbei. Während die Börsen Westeuropas, Japans und der USA auf Zehnjahressicht meist Verluste brachten, gab es an vielen Märkten in Asien, Osteuropa oder Südamerika gute Renditen. Der breiteste Index, der MSCI Emerging Markets, fasst diese Märkte zusammen. Er legte in dieser Zeit um durchschnittlich 7 Prozent pro Jahr zu.

Zumindest die großen Schwellenländer haben sogar die Finanz- und Wirtschaftskrise vergleichsweise glimpflich überstanden. Und Experten sind sich einig, dass die Emerging Markets auch in Zukunft stärker wachsen werden als die Märkte der klassischen Industrienationen.

Das garantiert aber nicht, dass auch ihre Aktienmärkte boomen. In der Vergangenheit gab es keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Börsenkursen. So wuchs die chinesische Wirtschaft bereits in den 1990er-Jahren rasant – ohne nachhaltige Folgen für den Aktienmarkt. Erst nach der Jahrtausendwende begann seine große Rallye.

Zweifelhafte Trennung

Was einen entwickelten Aktienmarkt von einem „Emerging Market“ unterscheidet, ist nicht einheitlich definiert und weitgehend Ansichtssache. Die meisten Fondsmanager und Börsenprofis folgen der Einteilung der Investmentbank Morgan Stanley, deren MSCI-Indizes die Basis vieler Fondsportfolios bilden.

Zu den entwickelten Märkten zählt Morgan Stanley neben den USA, Japan und großen Teilen Europas auch Australien, Hongkong und Singapur, nicht jedoch Südkorea oder Taiwan. Dabei beherbergt Südkorea eine Vielzahl modernster Technologie- und Elektronikkonzerne, von denen Samsung nur der bekannteste ist. Unter einem Entwicklungsland stellt man sich gemeinhin etwas anderes vor.

In den meisten Aktienfonds Welt spielen Aktien aus Schwellenländern dennoch kaum eine Rolle (siehe Tabelle: Indexfonds Schwellenländer). Anleger müssen die Sache also selbst in die Hand nehmen. Dafür haben wir die Börsenentwicklung der vergangenen 20 Jahre analysiert und berechnet, wie sich die Beimischung von Schwellenländer-Aktien auf ein Depot ausgewirkt hat (siehe Tabelle: Bessere Depotchancen mit Schwellenländern). Wir empfehlen eine Emerging-Markets-Quote von 10 bis 20 Prozent. Damit durften sich Anleger bei nur geringfügig höheren Wertschwankungen bessere Renditechancen ausrechnen.

Bevor sie einen Emerging-Markets-Fonds kaufen, sollten Anleger den Schwellenländer-Anteil ihrer Aktienfonds Welt ermitteln und diesen vom ursprünglichen „Bedarf“ abziehen. In Zweifelsfällen hilft die Nachfrage bei der Fondsgesellschaft.

Schwere Aufgabe für Fondsmanager

Bei aktiv gemanagten Schwellenländer-Fonds ist Vorsicht angebracht. Nur wenige können sich auszeichnen (siehe „Gemanagte Fonds“).

Wir empfehlen für diese Märkte deshalb Indexfonds. Ein Indexfonds läuft streng parallel zu seinem Bezugsindex. Ganz erreichen kann er ihn meist nicht, denn auch er hat laufende Kosten. Mit rund einem dreiviertel Prozent pro Jahr sind sie bei den untersuchten Fonds aber weit geringer als bei aktiv gemanagten Fonds. Den hohen Aufwand für die Betreuung von Schwellenländer-Fonds lassen sich deren Anbieter meist mit 1,5 bis 2 Prozent pro Jahr honorieren.

Indexfonds kauft man normalerweise über die Börse. An die Stelle des Ausgabeaufschlags tritt hier der Abstand zwischen An- und Verkaufskurs, der sogenannte Spread. Bei Indexfonds auf Dax, Euro Stoxx 50 und Co. ist der Spread meist minimal. Bei Fonds auf exotische Indizes kann er aber bis auf 5 Prozent hochgehen.

Anleger, die über eine Direktbank selbst ordern, sollten den Spread eine Weile beobachten, zum Beispiel über www.boerse-stuttgart.de, ehe sie einen Kaufauftrag erteilen. Filialbankkunden sollten ihren Berater anweisen, dass er zu einem möglichst günstigen Spread kauft.

Am bequemesten mit dem Weltindex

Die bequemste Lösung für Anleger ist ein Fonds auf den Weltindex, den MSCI Emerging Markets. Er enthält rund 750 Aktien und bietet eine breite Streuung über alle Regionen von Südostasien bis Osteuropa.

Allerdings gibt es keinen Fonds, der all diese Titel gekauft hat. Die Gesellschaft ishares begnügt sich mit 320 Aktien, um den Index abzubilden. Bei ihren Konkurrenten db x-trackers und Lyxor spielt die Titelanzahl ohnehin keine Rolle, da diese Fonds den Index künstlich nachzeichnen.

Das ist in der Praxis weniger abenteuerlich als es klingt. Auch die Swap-Fonds halten Aktien, eben nur andere als der Index. Durch Tauschgeschäfte, sogenannte Swaps, sichern sie sich die Wertentwicklung der Indizes, ohne deren Aktien kaufen zu müssen.

Auch Swap-Fonds bieten die Sicherheit eines Sondervermögens, das bei einer Pleite der Fondsgesellschaft nicht angetastet wird. Die Swap-Konstruktion bringt zwar theoretisch ein etwas höheres Ausfallrisiko mit sich. Es ist aber gesetzlich auf 10 Prozent des Fondsvermögens begrenzt. Wie die Anbieter einhellig versichern, ist das tatsächliche Restrisiko weitaus geringer.

Bei db x-trackers und Lyxor haben alle Fonds diese Swap-Konstruktion. Dagegen setzt die Gesellschaft iShares auf eine Auswahl tatsächlicher Indexmitglieder. Zumindest im vergangenen Jahr ging dieses Konzept gut auf. Einige Fonds von iShares waren sogar besser als „ihr“ Index.

Manche Risiken werden unterschätzt

Anleger mit speziellen Ideen können es auch mit Fonds auf einzelne Regionen versuchen. Das ist allerdings riskanter als ein breit gestreutes Investment.

Auf Fünfjahressicht brachten südamerikanische Schwellenländer mehr als doppelt so viel Rendite wie asiatische. Mit den Börsen in Osteuropa und Russland war in dieser Phase gar kein Staat zu machen. Wählt man einen anderen Zeitraum, sieht das Ergebnis mitunter ganz anders aus.

Wer auf einzelne Regionen oder gar Länder setzen möchte, sollte sich darüber informieren, welche Branchen dort besonders stark sind. So steht und fällt der russische Aktienmarkt mit seinen Energieaktien, in Indien sind Computer- und Softwarekonzerne besonders wichtig, und die chinesische Börse hängt maßgeblich von ihren Banken und Finanztiteln ab.

Anleger tun gut daran, die Marktentwicklung regelmäßig zu verfolgen und auch Wirtschaftsnachrichten zu lesen.

Die Euphorie für die jungen Wachstumsregionen verführt zum Leichtsinn. Überall liest und hört man von ihren Chancen, von Risiken ist dagegen kaum die Rede.

Dabei lauern sehr wohl Gefahren: Wie sich Chinas Börse nach einer Demokratisierung entwickeln würde, kann niemand vorhersagen. Ebenso wenig, ob sich die mit dem Wirtschaftsboom verbundenen Umweltsünden ökonomisch rächen werden. Und was passiert mit den Börsen in den Schwellenländern, wenn ihre Bevölkerung ähnliche soziale Standards einfordert, wie sie in der „Ersten Welt“ gelten? Außerdem sind viele Märkte wieder so stark gestiegen, dass ein heftiger Rückschlag nicht überraschend käme. Anleger sollten sich all diese Fragen durch den Kopf gehen lassen, ehe sie in Schwellenländer investieren.

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