Aktienfonds Europa Test

Aktienfonds Europa sind eine gute Grundlage für ein Fondsdepot, weil sie das Geld breit streuen. Wir haben geprüft, wo die besten aus unserem Test investieren. Es sind vor allem Unternehmen in den westlichen Ländern, kaum im Osten.

Bulgarien und Rumänien sind die Mitglieder Nummer 26 und 27 der Europäischen Union. Sie gehören seit Jahres­beginn dazu und setzen den vorläufigen Schlusspunkt hinter eine historische Vereinigung, die Europa wieder zusammenführen und den Frieden sichern soll.

In den Köpfen der Manager europaweit anlegender Aktienfonds scheint dagegen die Grenze nach Osten immer noch dicht zu sein. Nahezu unbeeindruckt von der politischen Annäherung investieren sie das Geld der Anleger weiter überwiegend im Westen. Wer Osteuropa haben will, muss eigene Fonds kaufen. Das ist das auf­fälligste Ergebnis unserer Analyse der Fonds­portfolios.

Im Westen streuen die Aktienfonds Europa das Geld der Anleger breit. Sie eignen sich deshalb als Grundlage für den Aktienanteil in einem Depot.

Unser Spitzenreiter, der JPM Strategic Value, hat in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt eine Rendite von 12,4 Prozent pro Jahr erzielt (Stand 31. Januar 2007). Der zweitplatzierte First Private Europa Aktienfonds ULM hat sogar 15,5 Prozent pro Jahr geschafft.

Auch der Crash Anfang März änderte ­daran nicht viel.

Alle 23 in der Tabelle aufgeführten Fonds sind empfehlenswert. In unserem monatlichen Dauertest schneiden sie in der Gruppe von insgesamt 233 Europafonds „stark überdurchschnittlich“ ab. Für die Auswahl eines Fonds ist die Finanztest-Bewertung aber nur ein Kriterium. Es kommt auch auf die Strategie des Fonds an. Welche Länder und Branchen bevorzugt ein Fondsmanager? Wie gewichtet er sie?

Was die Manager machen

Wir haben uns die größten Positionen ­angeschaut. In den Top-Ten-Aktien finden sich überwiegend Großkonzerne wie die Ölfirmen Shell und Total. Am häufigsten gezählt haben wir den britischen Telekomkonzern Vodafone, die Schweizer Pharmafirma Novartis und die spanische Banco Santander Central Hispano. Wir stellen sie in kurzen Porträts vor.

Bei ihren Anlageentscheidungen orientieren sich die Fondsmanager häufig am Marktindex MSCI Europa. Sie kaufen vor allem Aktien aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz.

Im MSCI zählt nicht die Größe eines Landes, sondern der Wert der Firmen an der Börse. Die britischen Ölkonzerne Shell und BP und die Bank HSBC, ebenfalls aus Großbritannien, sind die Schwergewichte. Zusammen bringen sie fast eine halbe ­Billion Euro auf die Waage.

Im JPM Europe Strategic Value ist Shell die stärkste Position. 4,5 Prozent des Vermögens, knapp 440 Millionen Euro, hat Manager Chris Complin in den Ölkonzern investiert. HSBC steht im Fonds JPM Europe Dynamic an erster Stelle.

Andere Länder, andere Branchen

In den meisten der untersuchten Fonds nehmen britische Aktien den größten Raum ein. Einige Fonds lassen die Insel dagegen außen vor, zum Beispiel der Fonds Gartmore Continental European.

In seinen Top-Positionen finden sich statt britischer Werte die Schweizer Börsenriesen Nestlé, ein Lebensmittelkonzern sowie die Bank UBS. Ebenfalls nur auf dem Kontinent unterwegs ist der Schroder European Equity. Sein Top-Wert ist Total, der französische Ölgigant.

Andere Fondsmanager nehmen sich die Freiheit, die Branchen anders zu gewichten, als es der Index vorgibt. Einer von ihnen ist der Manager des Finter European Equities, Placido Albanese. In seinem Portfolio findet sich kein Ölkonzern, dafür ist der Anteil des Finanzsektors höher als im MSCI (siehe Porträt).

Tobias Klein, der Manager des First Private Europa Aktienfonds ULM, bestückt sein Portfolio mit 45 Werten, und die ­gewichtet er alle etwa gleich – egal, wie groß die Firma ist. Aber auch er sucht sich diese 45 aus dem MSCI heraus.

Zwei Manager, die sich gar nicht um den MSCI Europa und seine Länder- und Branchenaufteilung scheren, sind David Loggia und Jordan Cvetanovski. Ihr Fonds Carmignac Grande Europe ist der einzige Aktienfonds Europa, der die innereuro­päische Grenze konsequent überschreitet.

Die größte Position im Fonds besetzt der türkische Lebensmittelhändler Bim Birlesik Magazalar. Ebenfalls unter den Top Ten steht der tschechische Versorger CEZ. Gleichwohl zählt der Carmignac zu den weniger riskanten unter den Aktienfonds Europa.

Mischen senkt das Risiko

Ein wirklich großes Risiko gehen Anleger mit keinem der untersuchten Fonds ein. Jeder Einzelne von ihnen eignet sich als alleiniges Aktieninvestment. Sichere Anlagen gehören immer zusätzlich ins Depot.

Noch besser als nur ein Aktienfonds Europa sind allerdings zwei oder drei aus dieser Gruppe. Mit einem solchen Mix können sich Anleger verschiedene Strategien einkaufen. Sollte die eine nicht aufgehen, kann die andere ihre Stärke ausspielen.

Wir haben untersucht, welche Fondskombinationen die besten sind. Dabei hat sich gezeigt, dass der Fonds Baring European Growth als Partner am besten taugt. Auch er investiert nur auf dem europäischen Kontinent. Er lässt sich mit den meisten anderen Fonds problemlos kombinieren, zum Beispiel mit dem Spitzen­reiter JPM Europe Strategic Value.

Ebenfalls zu vielen anderen Fonds passt der Gerling Europa Aktien, und auch der Finter-Fonds lässt sich gut kombinieren.

Dagegen präsentiert sich ausgerechnet der Spitzenreiter von JPM in vielen Fällen als schlechter Partner. Auch der Nordea-1 European Value BP ist wenig teamfähig.

Mehr Risiko im Osten

Selbst wenn die Manager von Aktienfonds Europa kaum einen Schritt in den Osten wagen, die Anleger können die Grenze problemlos passieren – indem sie sich Osteuropa gezielt ins Depot holen „Aktienfonds Osteuropa“.

Das ist von den Fondsgesellschaften oft so gewollt. „Wir trennen beide Regionen bewusst“, sagt zum Beispiel Chris Complin von JPMAM. „Aktienfonds Europa sollen als Basisinvestment für eine breite Anlegerschicht dienen, Schwellenländer sind dafür zu riskant.“

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