Aktienfonds Europa

Aktienfonds Europa: Krise als Chance

Aktienfonds Europa - Britische Aktien im Depot – was nun?
Schweden ist im MSCI Europe das größte skandinavische Land. Die Firma Sandvik ist ein interna­tional tätiger Hersteller von Werk­zeug­systemen. © Sandvik, iStockphoto (M)

Anleger sollten ihr Depot möglichst breit aufstellen. Erste Wahl sind markt­typische ETF. Aber auch einige aktiv gemanagte Fonds lohnen einen näheren Blick.

Inhalt

Drinbleiben oder aussteigen? Der ein oder andere Anleger hat im Hin und Her des Brexit vielleicht schon darüber nachgedacht, ob sein Depot gut aufgestellt ist. Mit einem allzu euro­palastigen Portfolio lässt es sich in diesen Zeiten womöglich nicht mehr so ruhig schlafen. Wer bisher sogar ausschließ­lich Aktienfonds Europa im Depot hat, der sollte ohnehin über eine bessere Mischung nach­denken. Ein Investment in den europäischen Markt ist zwar schon recht breit gestreut, aber weniger breit als eine globale Anlage. Der MSCI World umfasst 23 Länder, der MSCI Europe nur 15.

Unser Rat

Europa-ETF.
Erste Wahl für ein Investment sind markt­typische ETF, börsen­gehandelte Fonds. Für Europa empfehlen wir Ihnen drei markt­breite Indizes: MSCI Europe, Stoxx Europe 600 und FTSE Developed Europe (Markttypisch anlegen mit drei Indizes).
Depot­mischung.
Wenn Ihr Depot allzu euro­palastig ist, können Sie es mit Aktienfonds Welt breiter aufstellen. Erste Wahl sind auch hier ETF. Wollen Sie Ihr Depot aus Länder- und Regionenfonds zusammen­stellen, finden Sie passende Fonds in unserer großen Fondsdatenbank.
Gemanagte Europafonds.
Aktive Fonds mit Finanztest-Bewertung von fünf Punkten lagen zuletzt vor den Indizes. Sie finden gute Aktienfonds Europa in unserem Fondsvergleich. Ziehen Sie bei der Auswahl die Markt­orientierung sowie Kenn­zahlen zu Chance und Risiko heran. Die höchste Chance hat der Comgest Growth Europe Opportunities, das geringste Risiko der Uni-Global Equities Europe (Porträts).

Im Mix mit USA und Asien

Aktienfonds Europa - Britische Aktien im Depot – was nun?
USA größer als alles. Groß­britannien ist in Europa der größte Aktienmarkt, welt­weit aber nur ein kleiner Player. © Stiftung Warentest

Im europäischen Aktien­index MSCI Europe ist Groß­britannien mit einem Anteil von 27 Prozent der mit Abstand größte Aktienmarkt, welt­weit spielen die Briten eine weit kleinere Rolle. Im Welt­index MSCI World sind zum Beispiel noch USA und Kanada dabei. Fünf Länder stammen aus Asien und der Pazifik­region, auch das verbessert die Risiko­streuung. Zwar sind die USA im Welt­index mit einem Anteil von aktuell 62,1 Prozent der mit weitem Abstand größte Akteur, doch das entspricht der großen Bedeutung des amerikanischen Aktienmarkts in der Börsen­welt. Euro­land bringt es gerade mal auf 11 Prozent (siehe Grafik).

Die breitere Risiko­streuung zeigt sich am tatsäch­lich gemessenen Risiko: Welt­fonds zählen über­wiegend zur Risikoklasse 8, Europafonds zur Klasse 9 oder höher. Anleger, die ein euro­palastiges Depot haben, können sich durch Zukauf eines Weltaktienfonds breiter aufstellen. Oder sie bauen sich ihre eigene Welt, indem sie Fonds verschiedener Regionen mischen.

Einfach zukaufen

Aktienfonds Europa - Britische Aktien im Depot – was nun?
Europa einfach ergänzen. Schwer­punkt Europa und doch welt­weit aufgestellt – so gehts. © Stiftung Warentest

Eine Idee ist, je zur Hälfte auf Aktienfonds Europa und Aktienfonds Welt zu setzen: Europäische Aktien machen dann rund 60 Prozent des Depots aus, amerikanische Papiere etwa 30 Prozent (siehe Grafik).

Zum Vergleich: Im reinen Welt­portfolio ist der USA-Anteil doppelt so hoch. Um Über­schneidungen zu vermeiden, können Anleger statt eines ETF auf den MSCI World auch einen ETF beimischen, der welt­weit ohne Europa anlegt, wie zum Beispiel den ETF Amundi MSCI World ex Europe.

Eine andere Idee ist, sein Welt­depot aus verschiedenen Einzel­bausteinen zusammen­zusetzen. Einfach geht das mit Aktienfonds Europa, Aktienfonds USA und Aktienfonds Japan. Dann verzichtet man allerdings auf Länder wie Kanada, Australien, Hong­kong oder Singapur, die in den Regionenfonds Aktienfonds Nordamerika und Aktienfonds Asien/Pazifik beinhaltet sind, dort aber nur wenig Bedeutung haben.

Vorteil der Baustein­methode: Anleger können die Gewichtungen der einzelnen Länder oder Regionen dabei flexibel fest­legen. Der Nachteil ist, dass sie die Gewichtungen im Auge behalten sollten und gegebenenfalls öfter nach­justieren müssen.

ETF sind 1. Wahl

Heute kaufen viele Anleger ETF. Die Fonds sind günstig und bequem und liegen oft vor aktiv gemanagten Fonds. Wichtig ist, ETF auf markt­typische Indizes zu wählen, die den Markt wirk­lich breit abbilden und nicht etwa eine eigene Strategie verfolgen.

Anleger haben die Wahl zwischen drei verschiedenen markt­breiten Indizes: MSCI Europe, Stoxx Europe 600 und FTSE Developed Europe, die sich nur im Detail unterscheiden (Markttypisch anlegen mit drei Indizies). Passende ETF dazu zeigen wir in der Fondsgruppe Aktien Europa.

Aktiv gemanagte Fonds

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Die Geschäfte des deutschen Motoren- und Trieb­werk­herstel­lers MTU laufen gut: plus 124 Prozent seit Juni 2016. Die Aktie ist im MDax gelistet. © Getty Images / Johannes Simon, iStockphoto (M)

Bei ETF lassen sich die Gewichtungen der einzelnen Länder und Branchen für Anleger leicht nach­voll­ziehen: alles wie im Index. In aktiv gemanagten Fonds hingegen kann es ganz anders aussehen. Außerdem verfolgen die Manager unterschiedliche Strategien, mal defensiv auf möglichst wenig Risiko bedacht, mal offensiv auf Chancensuche.

Europas Fonds­manager haben schon die Eurokrise gut gemeistert, und zumindest bisher kommen viele auch mit dem Brexit klar. Je nach Ausgang des Dramas könnte der Markt stärker unter Druck geraten. „Für einen aktiven Manager bieten sich in einem solchen Umfeld aber durch­aus Chancen“, sagt Joachim Schall­mayer von Deka.

Fonds von UniGestion und Invesco

Der Fonds Uni-Global Equities Europe von UniGestion zum Beispiel zeichnet sich durch einen defensiven Anla­gestil und ein geringes Risiko aus.

Das UniGestion-Management hat sich auf den Brexit vorsichtig einge­stellt und britische Aktien deutlich unterge­wichtet. Der Anteil Groß­britanniens im Portfolio beträgt nur 8 statt 27 Prozent wie im MSCI Europe. „Die höhere Volatilität“ nannte Alexei Jourovski als Grund, die größere Schwankungs­anfäl­ligkeit der britischen Aktien (Porträts).

Ähnlich bewertet auch Fonds­managerin Manuela von Ditfurth von Invesco die Lage. Die Risiko­einschät­zung britischer Aktien habe sich erhöht, weshalb der Anteil Groß­britanniens im Invesco Europa Core Aktienfonds bereits reduziert wurde. Auch bei Invesco ist die Strategie defensiv.

Comgest setzt auf Wachs­tum

Wie die beiden Fonds von Invesco und Uni-Global zählte auch der Comgest Growth Europe Opportunities in den vergangenen Jahren fast durch­gehend zu den Europafonds mit unserer Bestbewertung von fünf Punkten. Er verfolgt eine andere Strategie. Sein Schwer­punkt liegt auf Unternehmen, die hohes Wachs­tum versprechen.

Zum Brexit sagt Wolfgang Fickus vom Comgest-Investment-Komitee: „Wir schalten den durch Politiker verursachten Lärm einfach aus, wenn wir Investment­entscheidungen treffen.“ Das ist bislang ganz gut gelungen. Der Fonds hat auf Drei­jahres­sicht jähr­lich um 11,9 Prozent zugelegt, der MSCI Europa um 7,5 Prozent (Porträts).

Dividenden­politik bei Siemens

Das Fonds­management des Siemens Qualität & Dividende Europa verfolgt einen quantitativen Ansatz: Aktien werden nach Kenn­zahlen ausgesucht, nach dem Gewinn, dem Cashflow, dem Verschuldungs­grad oder nach der Rentabilität. „Britische Unternehmen verzeichnen über Jahre hinweg eine stabile Dividenden­politik – also genau das, was wir suchen“, heißt es. Solange die Zahlen stimmen, passen auch britische Firmen ins Portfolio – derzeit beträgt ihr Anteil 33 Prozent.

Union, Deka und Allianz

Aktienfonds Europa - Britische Aktien im Depot – was nun?
Nestlé kennt jedes Kind, viele mögen seine Süßig­keiten. Die Wasser­geschäfte des Schweizer Konzerns sind gerade unter nach­haltig orientierten Anlegern jedoch umstritten. © Getty Images / Robin Marchant, iStockphoto (M)

Von den Fonds großen deutschen Gesell­schaften hat derzeit nur einer fünf Punkte: der UniDynamikFonds Europa von Union Investment, der Fonds­gesell­schaft der Volks- und Raiff­eisen­banken. Er kauft Wachs­tums­werte, größter Titel ist der Schweizer Lebens­mittel­riese Nestlé. Infrage kommen ebenso kleine Werte. Auch was die Ländergewichtung angeht, ist der Fonds nicht fest­gelegt.

Einige Fonds finden sich unter den Vier-Punkte-Fonds. Viele sind ebenfalls besser als ein reines Markt­investment, etwa der Fonds Deka Europa Select von Deka, dem Fondsanbieter der Sparkassen – auch er ein Wachs­tums­fonds, auch hier Nestlé stark vertreten. Die Schweiz ist das stärkste Land, britische Aktien machen knapp 18 Prozent aus.

Ein weiterer Wachs­tums­fonds mit Vier-Punkte-Bewertung ist der Allianz Europe Equity Growth. „Ich investiere auf die lange Sicht, am liebsten kaufe ich Firmen, die ich auch in zehn Jahren noch im Depot haben kann“, sagt Manager Thorsten Winkelmann.

Auch nach­haltige Fonds vorn

Unter den aktiv gemanagten Europafonds, die den Markt geschlagen haben, sind auch zwei nach­haltige: der Pictet European Sustainable Equities und der RobecoSam Sustainable European Equities.

ETF-Anleger können den iShares MSCI Europe SRI kaufen. Er bildet die nach­haltige Variante des MSCI Europe ab. SRI steht für „socially responsible investment“. Der ETF ist derzeit nicht bewertet, weil er den Index erst seit Oktober 2016 nach­bildet. Davor bezog er sich auf einen anderen Nach­haltig­keits­index. 2018 lag der MSCI SRI mit 5,3 Prozent vor dem herkömm­lichen MSCI Europe-Index mit 1,9 Prozent. Über drei Jahre entwickelten sich beide etwa gleich.

In unserer großen Fonds­daten­bank finden Sie weitere nachhaltige ETF und aktiv gemanagte Fonds.

Markt­typisch bleibt erste Wahl

Aktuell sind in der Fonds­gruppe Aktien Europa ein Viertel der aktiv gemanagten Fonds besser als der beste markt­typische ETF. Damit schneiden sie besser ab als zum Beispiel die Verwalter von Welt­fonds. Hier schlagen nur rund 10 Prozent den Markt.

Das heißt für Aktienfonds Europa aber auch: Drei Viertel aller aktiv gemanagten Fonds gelang es nicht, einen markt­typischen ETF zu schlagen. Letztere sind deshalb erste Wahl. Viele aktive Fonds bleiben nicht dauer­haft gut, oft ändert sich auf längere Sicht ihre Qualität. Ein lang­fristiges ETF-Investment ist verläss­licher.

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6 Kommentare Diskutieren Sie mit

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rwegemann am 30.10.2019 um 09:54 Uhr
Chancen auch durch Brexit

Wieder ein sehr guter Artikel, der zum Denken anregt. Sicher tun sich auch durch den Brexit wieder neue Chancen auf. Es hat den Anschein, dass sich seit dem Brexit wieder viel auf den verschiedenen Märkten getan hat. Besonders für Menschen die ihr Geld in Fonds anlegen.
Was mir aufgefallen ist, ist das ungemeine Potenzial das in nachhaltigen Investmentfonds liegt. Mir scheint es, dass diese seit dem Brexit eine besondere aufmerksamkeit verdienen. Doch diese scheinen sich am besten mit dem richtigen Fondsvermittler auszuzahlen. Ich empfehle interessierte Anleger einfach einmal nach ""Nachhaltigkeitsfonds ohne Ausgabeaufschlag kaufen"" zu googeln. Zudem gibt es auch weitere europäische Aktienfonds, die ohne britische Aktien eine gute Performance hergeben.

LUCKyFinger am 23.10.2019 um 11:34 Uhr

Kommentar vom Administrator gelöscht. Grund: Schleichwerbung

TorBor am 24.06.2019 um 09:02 Uhr
Was denken wohl die Briten?

@Hanna-1984: Versuche das einmal aus der Perspektive der Briten zu sehen. Vielleicht denken diese: "Sollte man nach dem Brexit europäschie Wertpapiere abstoßen?"
Wenn sich deine britischen Fonds immer noch ausszahlen, dann behalte diese. Achte einfach darauf, dass du einen günstigen Fondsanbieter hast, bei dem du nicht zu hohe Gebühren zahlst wenn du Anpassungen an deiner Geldanlage vornimmst. Wenn deine Ausagben für Transaktionen oder andere Orders zu hoch sind, dann google am besten einmal nach: "Cashback-Fondsplattform". Dort wirst du fündig, um Fondsvermittler mit guten und fairen Konditionen zu finden.

Profilbild Stiftung_Warentest am 04.06.2019 um 14:04 Uhr
Was tun mit Fonds aus Großbritannien?

@Hanna-1984: Unsere erste Antwort bezog sich auf den Fall, dass Sie Fonds mit GB-Isin meinten. Falls Sie aber Fonds meinen, die auf britische Aktien setzen (zwei völlig verschiedene Dinge), dann empfehlen wir wie im Text beschrieben eine breitere Streuung. (dda)

Profilbild Stiftung_Warentest am 04.06.2019 um 10:24 Uhr
Was tun mit Fonds aus Großbritannien?

@Hanna-1984: Tipps die auf "jeden Fall" gelten sind rund um den Brexit kaum möglich - zu viel ist nach wie vor ungewiss. Vielleicht gibt es keinen Brexit und Ihr Fondstausch hätte unnötig Geld gekostet? Unser Tipp deshalb: Prüfen Sie, welche Fonds die Alternativen wären. Prüfen Sie, welche Kosten ein Tausch mit sich bringen würde. Dann sind sie vorbereitet für Zeitpunkt X. (dda)