Aktienfonds Europa Britische Aktien im Depot – was nun?

Aktienfonds Europa - Britische Aktien im Depot – was nun?
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Ob in der EU oder außer­halb – auf dem europäischen Aktienmarkt haben die Briten großes Gewicht, auch in den Fonds. Wie Anleger sich nun am besten aufstellen.

Inhalt

Zumindest eins stand die ganze Zeit fest: Zum europäischen Aktienmarkt werden die Briten weiterhin dazu­gehören – gleich, ob und zu welcher Art von EU-Austritt es kommt. Der britische Aktienmarkt ist in Europa der mit dem größten Gewicht. Anleger, die Aktienfonds Europa besitzen, haben oft einen beträcht­lichen Teil ihres Geldes in Papieren aus Groß­britannien liegen.

Viele Anleger sind verunsichert. Sie fragen sich, wie ihr Investment das Drama um den Brexit wegsteckt.

Derzeit steht zwar noch nicht fest, für welche Art von Ausstieg sich die Briten entscheiden werden, doch Finanztest hat sich die lang­fristigen Aussichten von Investments in den europäischen Markt genauer angeschaut. Wir analysieren, wie der europäische Markt zusammengesetzt ist und vergleichen ihn mit dem Welt­aktienmarkt. Außerdem zeigen wir, wie sich die Manager der aktiven Europafonds positioniert haben und auf welche Werte sie setzen.

Klar ist, dass ein No-Deal-Brexit die weitreichendsten Folgen haben dürfte. Es ist allerdings auch zu hören, es sei am wichtigsten, dass die ewige Unsicherheit ein Ende hätte. Sie bremst Investitionen und damit Wachs­tum in der Zukunft.

Der Aktienmarkt Europa

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© Stiftung Warentest / René Reichelt

Unser Rat

Brexit.
Keep calm, wie der Brite sagt, bleiben Sie ruhig. Als lang­fristiger Anleger müssen Sie Ihre Europafonds jetzt nicht verkaufen. Die Folgen des Brexits sind in den Kursen womöglich schon enthalten und die in den Aktienfonds am stärksten vertretenen Firmen sind oft global aufgestellt, also nur zum Teil vom Geschehen in Europa abhängig. Eine breitere Risiko­streuung erreichen Sie, wenn Sie Ihr Depot welt­weit aufstellen.

Absturz nach dem Referendum

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Der Einschnitt kam mit dem Referendum. Vorher besser, nachher schlechter: Nach dem Austritts­votum der Briten haben sich britische Aktien nicht mehr so gut entwickelt wie der europäische Gesamt­markt – aber nicht so schlecht, wie viele dachten. © Stiftung Warentest

Einen Schock gab es im Zusammen­hang mit dem Brexit schon: Nach dem Referendum am 23. Juni 2016 brachen die Börsen ein. Keiner hatte damit gerechnet, dass die Briten für einen EU-Austritt stimmen würden. Doch die Märkte erholten sich schnell. Nach wenigen Wochen waren die Verluste wett­gemacht.

Seitdem haben die Aktien­kurse in Europa zugelegt. Auch der britische Markt lief gut – was viele so nicht erwartet haben dürften.

Dank Pfund im Plus

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Der britisch-südafrikanische Rohstoff­riese Anglo American fährt trotz Brexit Gewinne ein. © Getty Images / Bloomberg, iStockphoto (M)

„Das Pfund hat den Schock teil­weise absorbiert“, sagt Vinay Sharma von Union Investment. „Viele der im Leit­index FTSE100 gelisteten Firmen sind interna­tional tätig und haben mit ihren Exporten vom schwachen Pfund profitiert.“

Die an der britischen Börse gelisteten Berg­baukonzerne sind ohnehin weit­gehend unabhängig von dem, was auf der Insel passiert. Ihr Wohl ist mit der Welt­konjunktur verknüpft. Die Nach­frage nach Rohstoffen war gut und bescherte Anglo American, BHP Billiton und Rio Tinto mit die höchsten Kurs­zuwächse an Europas Börsen.

Schwieriger ist die Lage für lokale Betriebe, Versorger oder Tele­komgesell­schaften beispiels­weise, die in erster Linie in Groß­britannien tätig sind. Kurs­verluste erlitten haben nach dem Referendum zum Beispiel die Baumarkt­kette Kingfisher und der Einzel­händler Marks & Spencer – die an der Börse aber vergleichs­weise Leicht­gewichte sind.

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Die zwei Seiten des schwachen britischen Pfunds Das schwache Pfund minderte die Gewinne hiesiger Anleger, sorgte aber für gute Geschäfte britischer Global Player – weshalb der dortige Aktienmarkt stieg. © Stiftung Warentest

Hinterm Horizont gehts weiter

Trotzdem: Lohnt es sich noch, sein Geld in Europa anzu­legen? Wäre es nicht besser, sich welt­weit zu orientieren? Schließ­lich bereitet nicht nur der Brexit Sorgen. Auch die Eurokrise ist noch nicht ganz ausgestanden – wobei die aktuelle Wachs­tums­schwäche Italiens nur mehr für kurz­fristige Irritationen sorgt, wie Manuela von Ditfurth von Invesco meint.

Joachim Schall­mayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der Deka, sagt: „Die schlechten Nach­richten sind einge­preist, der Kapitalmarkt schaut nach vorn.“ Und am Horizont zeichnet sich ein Licht­streif ab. „Die Wachs­tums­aussichten bessern sich.“ Auch Vinay Sharma von Union Investment sieht Potenzial auf dem europäischen Markt, jedoch weniger in einem über­bordenden Gewinn­wachs­tum, als vielmehr in der gezielten Einzel­titel­auswahl.

„Es spricht nichts gegen globale Aktienfonds“, sagt Schall­mayer, „aber auch nichts gegen Deutsch­land oder die Eurozone.“ Im Gegen­teil: „Die europäischen Aktien sind güns­tiger bewertet als der US-Markt.“

Welt­markt­führer vom alten Kontinent

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Aktienmärkte Welt und Europa im Vergleich. Auch Europa bietet umfassende Branchen­streuung. Im Vergleich zum Welt­markt sind IT und Kommunikation allerdings nur schwach vertreten. Die Briten steuern eine fette Energiebranche bei, zudem sind Konsum und Finanzen stark. © Stiftung Warentest

Es spricht noch mehr für Europa. „Es gibt eine Vielzahl europäischer Firmen – gerade auch in Deutsch­land – die Welt­markt­führer sind“, sagt Klaus Papenbrock von Allianz Global Investors (AGI). Auch wenn die IT-Giganten wie Apple, Facebook oder Alibaba aus den USA und China stammen, hat Europa auf vielen Technologie­feldern wie Auto­matisierung, Maschinenbau, Bio- oder Umwelt­technologie einiges zu bieten (siehe Grafik).

Fonds­manager Thorsten Winkelmann, auch AGI, nennt die deutsche SAP als Beispiel und den nieder­ländischen Halb­leiter­hersteller ASML, „ohne den vieles auf diesem Planeten gar nicht mach­bar wäre“. Winkelmann denkt dabei an künst­liche Intelligenz, Industrie 4.0 oder auto­nomes Fahren, wofür immer leistungs­fähigere Halb­leiterchips nötig sind. Welt­markt­führer sind auch der dänische Insulin­hersteller Novo Nord­isk und die spanische Firma Amadeus, die die Welt mit Reise­buchungs­software für Flüge, Hotels und Kreuz­fahrt­schiffe ausrüstet.

Auch Winkelmann steht hinter einem Investment in Europa, stellt aber klar: „Es geht nicht um Europa als Region, es geht um die richtigen Unternehmen.“ Mit richtig meint er die, die so inno­vativ und stark positioniert sind, dass politische Unwäg­barkeiten ihnen nichts anhaben können.

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Luxus läuft: Die französische Firma Kering (Gucci, Saint Laurent, Balenciaga) hat seit Juni 2016 im Index MSCI Europe am besten abge­schnitten: plus 250 Prozent. Auch Renn­wagenbauer Ferrari aus Italien hat einen Spitzen­platz einge­fahren: plus 200 Prozent. © Getty Images, iStockphoto (M)

Damokles­schwert Handels­krieg

Mit Ausnahme eines ausufernden Handels­kriegs zwischen den USA und China vielleicht. „Das ist die große Unbe­kannte“, sagt Joachim Schall­mayer. Für ihn hat ein Handels­konflikt mit gegen­seitigen Zöllen und Import­beschränkungen größeres Bedrohungs­potenzial als der Brexit. „Das hätte stärkere real­wirt­schaftliche Auswirkungen und beträfe dann nicht nur Europa, sondern die ganze Welt.“ Allerdings leuchtet auch hier ein Fünk­chen Hoff­nung, dass sich Amerikaner und Chinesen bald doch einigen könnten.

Tipp: Über die Folgen des Brexits auch für andere Lebens­bereiche wie Reisen, Rente oder Versicherungen halten wir Sie in unserem Special Brexit: Das müssen Sie jetzt wissen auf dem Laufenden.

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6 Kommentare Diskutieren Sie mit

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rwegemann am 30.10.2019 um 09:54 Uhr
Chancen auch durch Brexit

Wieder ein sehr guter Artikel, der zum Denken anregt. Sicher tun sich auch durch den Brexit wieder neue Chancen auf. Es hat den Anschein, dass sich seit dem Brexit wieder viel auf den verschiedenen Märkten getan hat. Besonders für Menschen die ihr Geld in Fonds anlegen.
Was mir aufgefallen ist, ist das ungemeine Potenzial das in nachhaltigen Investmentfonds liegt. Mir scheint es, dass diese seit dem Brexit eine besondere aufmerksamkeit verdienen. Doch diese scheinen sich am besten mit dem richtigen Fondsvermittler auszuzahlen. Ich empfehle interessierte Anleger einfach einmal nach ""Nachhaltigkeitsfonds ohne Ausgabeaufschlag kaufen"" zu googeln. Zudem gibt es auch weitere europäische Aktienfonds, die ohne britische Aktien eine gute Performance hergeben.

LUCKyFinger am 23.10.2019 um 11:34 Uhr

Kommentar vom Administrator gelöscht. Grund: Schleichwerbung

TorBor am 24.06.2019 um 09:02 Uhr
Was denken wohl die Briten?

@Hanna-1984: Versuche das einmal aus der Perspektive der Briten zu sehen. Vielleicht denken diese: "Sollte man nach dem Brexit europäschie Wertpapiere abstoßen?"
Wenn sich deine britischen Fonds immer noch ausszahlen, dann behalte diese. Achte einfach darauf, dass du einen günstigen Fondsanbieter hast, bei dem du nicht zu hohe Gebühren zahlst wenn du Anpassungen an deiner Geldanlage vornimmst. Wenn deine Ausagben für Transaktionen oder andere Orders zu hoch sind, dann google am besten einmal nach: "Cashback-Fondsplattform". Dort wirst du fündig, um Fondsvermittler mit guten und fairen Konditionen zu finden.

Profilbild Stiftung_Warentest am 04.06.2019 um 14:04 Uhr
Was tun mit Fonds aus Großbritannien?

@Hanna-1984: Unsere erste Antwort bezog sich auf den Fall, dass Sie Fonds mit GB-Isin meinten. Falls Sie aber Fonds meinen, die auf britische Aktien setzen (zwei völlig verschiedene Dinge), dann empfehlen wir wie im Text beschrieben eine breitere Streuung. (dda)

Profilbild Stiftung_Warentest am 04.06.2019 um 10:24 Uhr
Was tun mit Fonds aus Großbritannien?

@Hanna-1984: Tipps die auf "jeden Fall" gelten sind rund um den Brexit kaum möglich - zu viel ist nach wie vor ungewiss. Vielleicht gibt es keinen Brexit und Ihr Fondstausch hätte unnötig Geld gekostet? Unser Tipp deshalb: Prüfen Sie, welche Fonds die Alternativen wären. Prüfen Sie, welche Kosten ein Tausch mit sich bringen würde. Dann sind sie vorbereitet für Zeitpunkt X. (dda)