Aktienfonds Emerging Markets Test

Peking und andere chinesische Metropolen sind bei Investoren beliebt. Sie rechnen mit starkem Wachstum.

Ländern wie China, Brasilien oder Indien gehört die Zukunft. Finanztest stellt die besten Schwellenländerfonds vor.

Die Wirtschaft läuft wie geschmiert, nur die Börsen hatten zuletzt eine Auszeit. In Shanghai und Rio ging es 2011 aus Sicht deutscher Anleger um rund 20 Prozent nach unten, der indische Aktienmarkt büßte sogar rund ein Drittel seines Wertes ein.

Seit Ende 2006 fuhren Anleger aber gut mit Fonds, die weltweit in Schwellenländern anlegen. Auf englisch heißen diese Länder „emerging markets“. Die Fonds für diese Märkte liefen besser als klassische Aktienfonds Welt.

Top-Fonds wie der First State Global Emerging Markets und der Global Emerging Leaders ragten sogar aus den Fonds aller Märkte heraus und brachten im Durchschnitt rund 9 Prozent pro Jahr.

Gute Gründe für Schwellenländer

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Die Zukunftsaussichten für Schwellenländer sind gut. Ihr größter Trumpf ist die junge Bevölkerung. Nach westlichen Maßstäben hat sie riesigen Nachholbedarf an Konsumgütern. In Verbindung mit einer zunehmenden Kaufkraft verheißt das Wirtschaftswachstum für viele Jahre. Da können die alternden Gesellschaften Westeuropas, Japans und der USA nicht mithalten.

Für einige Schwellenländer spricht auch ihr Rohstoffreichtum. In Südamerika, Russland und Afrika lagern enorme Bodenschätze. In der Vergangenheit haben vor allem Konzerne aus den Industrienationen an der Förderung von Erdöl und Edelmetallen verdient. Nun holen Energie- und Rohstoffkonzerne aus den Schwellenländern rasant auf.

Anleger, die in Aktienfonds Welt investieren, sollten sich nicht darauf verlassen, dass sie damit auch am Wachstum in den Schwellenländern teilhaben. Klassische Aktienfonds enthalten meist wenige oder gar keine Aktien aus Schwellenländern. Ausnahmen wie der Carmignac Investissement (siehe Produktfinder Investmentfonds) sind selten und bestätigen die Regel.

Die Manager der meisten Aktienfonds Welt orientieren sich am Weltaktienindex MSCI World. Der bildet nur die etablierten Aktienmärkte ab. China, Russland oder gar Indonesien? Fehlanzeige. Selbst das gar nicht mehr schwellenmäßige Südkorea mit dem Elektronikkonzern Samsung fand noch keine Aufnahme in die erste Börsenwelt.

Anleger müssen also meist zusätzliche Fonds kaufen, wenn sie an den Märkten der Zukunft mitmischen wollen. Finanztest hat aus 157 Schwellenländerfonds die empfehlenswerten herausgefiltert. Das sind alle Fonds mit einem herausragenden Chance-Risiko-Profil in ihrer Gruppe. Dazu kommen Fonds, die ein geringeres Risiko und eine bessere Renditechance als der Referenzfonds haben, und ausgewählte Indexfonds (siehe Produktfinder Investmentfonds).

MSCI-Index enthält über 800 Aktien

Aktienfonds Emerging Markets Test

Der brasilianische Ölkonzern Petrobras ist ein Schwergewicht im wichtigen Index MSCI Emerging Markets.

Unter den empfehlenswerten Fonds gibt es welche mit aktivem Management und Indexfonds, sogenannte ETF (Exchange Traded Funds). Letztgenannte müssen nicht so genau beobachtet werden, weil sie genau der Entwicklung eines Indexes folgen.

Der wichtigste Index für Schwellenländer ist der MSCI Emerging Markets, der von der US-Investmentbank Morgan Stanley berechnet wird. Wenn der breite Markt der Schwellenländer und damit der Index gut läuft, sind die Anleger mit ihren Indexfonds automatisch dabei.

Der Index ist eine Messlatte für die Fondsmanager und bietet mit mehr als 800 Titeln eine vorbildliche Streuung. Der Fonds iShares MSCI Emerging Markets ist unser Referenzfonds, weil er dem breiten Index folgt und dabei besser abschneidet als andere.

Der von der deutschen Börse berechnete Index DaxGlobalBRIC kommt mit weniger als einem Fünftel der Werte aus. Er beschränkt sich auf die vier wichtigsten Länder Brasilien, Russland, Indien und China.

ETF sind aber nicht gleich ETF, selbst wenn sie sich auf denselben Index beziehen. Die Fonds von db x-trackers und RBS enthalten nicht die Originalaktien aus dem Index, sondern bilden dessen Entwicklung mit anderen Aktien oder Finanzgeschäften nach (Swap-Fonds). Details zur Indexnachbildung zeigt die Tabelle.

Wer nicht nur die Entwicklung des Indexes, sondern auch seine Aktien kaufen will, liegt mit diesen Fonds falsch. Sicherheitsbedenken haben wir dagegen aber nicht. Auch hinter Swap-Fonds steht ein Sondervermögen. Sie sind also nicht weniger sicher als Indexfonds mit Originalaktien.

Nur sieben Fonds besser als Referenz

Unter den aktiv gemanagten Fonds gibt es einige Perlen, aber die sind für Anleger schwer zu finden. Nur 7 von 157 untersuchten Fonds brachten bessere Renditen als der Referenzfonds. Ihr Erfolgsrezept: die Suche nach Unternehmen mit Substanz und langfristigem Wachstum.

Finanztitel sind in den Erfolgsfonds deutlich niedriger gewichtet als im MSCI Emerging Markets, Aktien von Konsumgüterherstellern dafür meist höher. Vor allem die beiden First-State-Fonds setzen auf bodenständige Firmen wie Energieunternehmen und Getränkehersteller.

Die Ländermischung ist von Fonds zu Fonds sehr unterschiedlich und hat oft wenig mit dem Leitindex zu tun. Dort liegt China knapp vor Südkorea und Brasilien. Kein Land erreicht die 20-Prozent-Schwelle.

Im Robeco Emerging Star Equities hat Südkorea einen Anteil von fast 30 Prozent, im Vontobel-Fonds spielt das Land fast gar keine Rolle. Dessen Vermögen steckt zu einem Fünftel in brasilianischen Titeln.

Der in Deutschland beheimatete Keppler-Emerging Markets von LBB Invest engagiert sich weitaus stärker als der Index in Polen, Tschechien, Ungarn und in der Türkei. Dagegen halten die von der australischen Gesellschaft First State aufgelegten Fonds so gut wie keine Osteuropa-Aktien.

Anleger können die regionalen Schwerpunkte auch selbst setzen. In der Tabelle stellen wir Länderfonds für Brasilien, Russland, Indien und China vor.

Gemanagte Fonds sind nicht dabei, weil wir sie in den engen und schwankungsanfälligen Märkten für zu riskant halten. Anleger sollten hier nur Indexfonds nehmen. Mit einer Mischung lässt sich ein globaler Schwellenländerfonds ersetzen. Da die Wachstumsländer insgesamt nicht mehr als etwa 15 bis 20 Prozent im Depot ausmachen sollten, ist die eigene Mischung aber eher eine Lösung für Anleger mit viel Geld.

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