Aktienfonds China Special

Soll Glück bringen: der traditionelle Löwentanz bei Festen in China.

China ist groß und will noch größer werden. Die Wirt­schaft wächst, wenn auch lang­samer, Unternehmen legen interna­tionale Rekord­börsengänge aufs Parkett. Die Experten von Finanztest erklären, wie Investieren im Reich der Mitte funk­tioniert, was A-Aktien und P-Chips sind – und warum die Aktie von Tsing Tao in Hong­kong teurer ist als in Shanghai.

Alibaba sammelte 25 Milliarden Dollar ein

Aktienfonds China Special

A-Aktien, H-Aktien, Red-Chips – wer chinesische Papiere kaufen will, muss sich erst einmal mit der einschlägigen Terminologie vertraut machen

Superlative über­all. Klar, dass Anleger sich angezogen fühlen von China – dem Land, in dem 1,4 Milliarden Menschen leben. Bereits vor fünf Jahren hat China Deutsch­land als Export­welt­meister über­holt. Mitt­lerweile ist das Reich der Mitte auch der welt­größte Importeur. Nur zur größten Volks­wirt­schaft hat es bisher nicht gereicht, noch liegen die USA vorn. Auch auf dem Kapitalmarkt sorgen die Chinesen für Rekorde. Die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) ist gemessen an der Bilanz­summe die größte Bank der Welt. Und den welt­größten Börsengang legte im September 2014 der Onlinehändler Alibaba hin: Er sammelte 25 Milliarden Dollar ein, rund 9 Milliarden mehr als etwa Facebook zwei Jahre zuvor.

Die chinesische Wirt­schaft wächst inzwischen lang­samer

Keinen Rekord erzielten zuletzt indessen Aktienfonds, die in China investieren. Zwar legten sie in den vergangenen fünf Jahren gemessen am Aktien­index MSCI China im Schnitt um 7,3 Prozent pro Jahr zu, doch der Welt­index MSCI World war mit 15,8 Prozent pro Jahr rund doppelt so gut (Stichtag 30. November 2014). Die chinesische Wirt­schaft wächst, wenn auch lang­samer als zuvor. Die Aktienmärkte haben zuletzt angezogen, was Analysten unter anderem auf Zins­senkungen der Noten­bank zurück­führen. Finanztest gibt einen kleinen Über­blick über die verschiedenen Investitions­möglich­keiten im Reich der Mitte, das nicht immer leicht zugäng­lich ist.

Wichtige chinesische Unternehmen sind in Hong­kong gelistet

Wer chinesische Aktien kaufen will, bekommt sie oft nicht direkt dort, sondern in der früheren britischen Kronkolonie Hong­kong. Wichtige chinesische Unternehmen sind hier gelistet – als H-Aktien, Red-Chips oder P-Chips (siehe Grafik). Dazu passend zählen die dort investierenden Fonds zur Gruppe Aktienfonds China/Hong­kong. Einige in China investierende Fonds tragen sogar ausschließ­lich die Bezeichnung Hong­kong im Namen, wie der Schroder ISF Hong Kong Equity Fonds. Anleger, die noch breiter im Reich der Drachen investieren wollen, sind bei den Aktienfonds China/Hong­kong/Taiwan gut aufgehoben. In Frage kommen zum Beispiel der First State Greater China Growth und der Invesco Greater China Equity, siehe auch unsere Fondsportraits. Die genauen Finanztest-Bewertungen erfahren Sie, wenn Sie den Produktfinder Fonds frei­schalten.

In China gibt’s für Ausländer nur B-Aktien

Die großen Börsen Chinas in Shanghai und Shenzhen stehen fast nur den Einheimischen offen. Zwar können Investoren aus dem Ausland dort sogenannte B-Aktien kaufen, doch der Markt ist klein. Inzwischen haben ausländische Banken und Fonds­gesell­schaften auch Zugang zum bedeutenderen A-Aktienmarkt. Ende 2011 begannen die Chinesen, den Markt über das sogenannte RQFII-Programm schritt­weise nach außen zu öffnen – bislang sind die erlaubten Anla­gebeträge allerdings begrenzt.

ETF auf A-Aktien

Die Deutsche Bank hat das zum Anlass genommen, einen börsen­gehandelten Indexfonds, ETF, auf A-Aktien aufzulegen, der den Index CSI 300 mit echten Aktien nach­bildet. Einen ETF mit künst­lichem Nach­bau über einen Swap gab es schon – dabei kauft der ETF-Anbieter beliebige Aktien und tauscht deren Wert­entwick­lung mit der des Indexes. Einen ETF mit echten A-Aktien auf den Index MSCI China A bietet ETF Securities, siehe Überblick Indexfonds China. Aus Sicht von Finanztest sind diese Investments noch mit ein wenig Vorsicht zu genießen: Wegen der beschränkten Anlagesummen können die Preise der ETF mit den echten Aktien mitunter stark vom Index abweichen. Und ETF mit Swaps sind teuer. Der A-Aktienmarkt ist ohnehin nichts für ängst­liche Naturen. Die Schwankungen sind extrem. Der CSI 300 machte im Dezember 2014 einen Satz um 28,4 Prozent, der FTSE A 50 legte um 38,6 Prozent zu. Die anderen Indizes stiegen weit weniger.

Warum eine Aktie in Shanghai teurer sein kann als in Hong­kong

Folge können Preis­unterschiede zwischen A-Aktien und H-Aktien ein- und derselben Firma sein, wie das Beispiel der Brauerei Tsing Tao zeigt. So kostet in Shanghai eine Aktie von Tsing Tao 5,11 Euro, in Hong­kong dagegen 5,53 Euro (Stand 30. November). Auch bei anderen Unternehmen gibt es solche Unterschiede. Sie rühren daher, dass auf den Märkten unterschiedliche Anleger unterwegs sind. In Hong­kong investieren Groß­investoren aus aller Welt, die Blue-Chip-Werte bevor­zugen. Auf dem Fest­land beherr­schen Privat­anleger den Markt.

Manche gehen gleich in London oder New York an die Börse

Einige chinesische Firmen verlassen sich lieber gleich auf ausländische Kapitalmärkte und gingen in London oder New York an die Börse. Die Aktie von Alibaba beispiels­weise ist an der New York Stock Exchange gelistet, die des chinesischen Google-Konkurrenten Baidu an der Nasdaq. Baidu ist im Index Nasdaq-100 enthalten. Wer einen ETF auf den MSCI China, den Hang Seng Index oder den CSI 300 hat, wird keine Alibaba- oder Baidu-Aktien im Fonds finden. Gelistet sind die Papiere im Dow Jones China Off­shore 50. Auf den hat iShares einen ETF aufgelegt, siehe Überblick Indexfonds China. Anders als die Börsen der west­lichen Industrienationen haben sich Chinas verschiedene Aktienmärkte vom Einbruch der Finanz­krise noch nicht wieder erholt. Das heftige Auf und Ab der Kurse zeigt die Schattenseite eines Schwellen­land­investments – und noch zählt China dazu.

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