Aktienfonds Meldung

Deutschland? Europa? USA? Bevor der Anleger sich in die Fondssuche stürzt, muss er sich zunächst für die Märkte entscheiden, in denen er sein Geld arbeiten lassen möchte.

Geld anlegen ist keine einfache Sache. Es gibt haufenweise verschiedene Produkte, von denen nicht einmal die Fachleute alle kennen, geschweige denn, die sie Anlegern genau erklären können. Empfohlen werden meistens dieselben Anlageformen und nicht selten entscheidet der Zufall über das, was am Ende im Depot landet.

„Nehmen Sie doch einfach einen Fonds“, sagen die Bankberater oft. Sie liegen damit gar nicht unbedingt falsch: Ob jemand Geld kurzfristig parken, für ein neues Auto oder fürs Alter sparen oder die Ausbildung seiner Kinder sicherstellen will oder ob jemand schon über eine beträchtliche Summe verfügt, die jetzt für ihn am Kapitalmarkt arbeiten und sich vermehren soll – Fonds passen im Grunde immer.

Bloß – welcher Fonds passt für welche Gelegenheit? Für kurz- bis mittelfristige Anlagen eignen sich Geldmarkt- und Rentenfonds. Wer längere Zeit auf sein Geld verzichten kann oder zunächst Vermögen aufbauen will, ist mit Aktienfonds am besten bedient. Sie haben die größten Renditechancen. Und bei einer langjährigen Anlagedauer reduzieren sich ihre höheren Verlustrisiken.

Die Welt für Bequeme

Aktienfonds also. Doch auch das bringt den Anleger noch nicht viel weiter. Soll er einen deutschen Aktienfonds nehmen? An den deutschen Börsen kennt er sich aus. Oder ist ein europäischer besser, der breiter anlegt? Oder eine ­Mischung aus verschiedenen Fonds? Kommt darauf an, lautet die – zugegebenermaßen zunächst wenig befriedigende – Antwort.

Finanztest empfiehlt allen, die nicht weiter überlegen wollen, und allen, die noch kein Geld gespart haben, sondern ein Vermögen erst aufbauen möchten, internationale oder europäische Aktienfonds.

Die internationalen Aktienfonds investieren in die wichtigsten Märkte der Welt, allen voran die USA, die mit über 50 Prozent im Weltaktienindex der Investmentgesellschaft Morgan Stanley Capital International, MSCI World, vertreten sind.

Die Anteile in den Fonds müssen denen im Index nicht entsprechen, doch viele Fondsmanager orientieren sich daran. Europäische Aktien machen in diesem wichtigen Börsenbarometer noch gut 30 Prozent aus, Unternehmen aus dem pazifischen Raum sind mit 10,7 Prozent gewichtet.

Die Gewichtungen im Index ergeben sich unter anderem aus der Entwicklung der Vergangenheit. Die Aktiengesellschaften, deren Kurse am stärksten steigen, nehmen natürlich auch entsprechend mehr Platz im Index ein. Daher rührt der vergleichsweise geringe Anteil an japanischen Aktien, die in den vergangenen Jahren fast nur gefallen sind.

Die internationalen Aktienmärkte haben in den vergangenen 20 Jahren um durchschnittlich 12,7 Prozent pro Jahr zugelegt. Das hat die Langfristanalyse von Finanztest ergeben. Doch der Wertzuwachs erfolgt nicht regelmäßig, sondern mit teilweise heftigen Rückschlägen. Anleger, denen das Unwahrscheinliche widerfahren ist, nämlich auf dem Höhepunkt ein- und dem Tiefpunkt wieder auszusteigen, konnten 35,3 Prozent ihres Geldes verlieren.

Einfach Europa

Sowohl was die Verlustgefahr als auch was die Rendite angeht, hat der europäische Markt aus deutscher Sicht in der Vergangenheit besser abgeschnitten als der internationale. Hier waren 14,1 Pro­zent pro Jahr möglich, bei einem maximalen Verlust von 31,1 Prozent.

Europäische Aktienfonds investieren vor allem in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Andere Euroländer sind oft noch von geringer Bedeutung. Das kann sich aber ändern, etwa wenn die EU-Osterweiterung Wachstumsimpulse bringt.

Nordamerika im Topf

Doch nichts geht wirklich auf dem alten Kontinent, wenn die führende Wirtschaft der Welt, die der Vereinigten Staaten, nicht brummt. Anders als die internationalen und europäischen Fonds sollte man die stark USA-lastigen nordamerikanischen Aktienfonds allerdings nicht allein ins Depot legen. Zwar gab es in den vergangenen 20 Jahren in den USA Traumrenditen von im Schnitt 15,1 Prozent pro Jahr, doch dafür wa­ren die Pechvögel auch ärger dran als ­anderswo: 36,4 Prozent Verlust bei schlechtem Timing waren möglich.

Japan Sorgenkind

Schlimmer war es nur in Japan. 60,4 Prozent war hier der größtmögliche Verlust in der Vergangenheit, und das bei lausigen 7 Prozent pro Jahr. Die Aussichten sind nicht besser: Der Bankensektor ist so gut wie pleite, der Staat hoch verschuldet und etwas hilflos angesichts der großen Krise. Niemand weiß so recht mit der Deflation umzugehen, dem fortlaufenden Preisverfall, der Investitionen verhindert und Schulden anwachsen lässt.

Nichtsdestotrotz ist Japan die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, die, wenn sie wieder anspringt, wahrscheinlich schnell zu alter Form aufläuft. Anleger, die in Investmentfonds mit Anlageschwerpunkt Japan/Pazifik investieren, können außerdem von den wirtschaftlichen Entwicklungen in Australien und in Hongkong profitieren. Trotzdem mahnt Finanztest zur Vorsicht und empfiehlt Pazifikfonds derzeit nur zur Beimischung mit einem Anteil von höchstens 40 Prozent im Depot.

Der Mix machts

Mischungen gibt es viele, doch nur wenige sind wirklich sinnvoll. Internationale und europäische Aktienfonds sind, wie gesagt, eine gute Grundlage. Man kann sie allein ins Depot legen oder gemeinsam oder zusammen mit deutschen, amerikanischen oder schweizerischen Aktienfonds.

Wer drei Fondsgruppen mischen will, kann beispielsweise Europa, Nordamerika und Japan/Pazifik wählen oder Deutschland, Schweiz und Großbritannien. Das alles zusammen bildet dann den Aktienfondsanteil im Depot. Dazu kommt dann – je nach Sicherheitsbedürfnis und Anlagedauer – ein Anteil Rentenfonds.

Allerdings sollten An­leger auch bei Fonds nicht alles auf eine Karte setzen und das Geld innerhalb jeder Fondsgruppe auf mindestens zwei bis drei Fonds verteilen, vorausgesetzt der Anlagebetrag ist hoch genug.

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