Aktienfonds Meldung

Steckt die Zukunft in Algenpackungen? Nichts ist unmöglich, denkt sich auch die Fondsbranche, deren Marketing-Experten neue Fonds konstruieren.

"Ich will in Algen investieren." Diesen Entschluss fasst im Werbespot der Hypovereinsbank ein Mann, der sich in seiner grünen Schlammpackung scheinbar wohl fühlt. Er hält das für den neuen Trend und will daran verdienen. Die Fondsgesellschaft Activest, eine Tochter der Hypovereinsbank, verspricht ihm den richtigen Aktienfonds namens Lux TrendWorld. Denn in diesem Fonds sollen die Fondsmanager "fünf langfristige Megatrends" bei ihrer Aktienauswahl berücksichtigen. Die Marketing-Experten schmückten die Trends mit klingenden Namen: "Virtualisierung", "Ageing Society", "New Work", "Rational Overchoice". Dagegen wirkt die Aktienauswahl eher bieder. Den größten Anteil am Fondsvermögen bilden die amerikanische Bankengruppe Citigroup, der Softwaregigant Microsoft, der Handyhersteller Nokia, der Versicherungskonzern Axa und die in London ansässige Großbank Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC). Zu den zehn größten Positionen gehören weiterhin Colgate Palmolive, AOL und Mannesmann.

Diese Auswahl könnte in jedem anderen internationalen Aktienfonds auch stecken. Ob sich die "Trend-Idee" gegenüber einer traditionellen Anlagestrategie durchsetzen kann, muss sich noch zeigen. Das Marketing hat bereits funktioniert. Innerhalb von fünf Wochen hat Activest Fondsanteile für 1,3 Milliarden Mark verkauft. Das Geschäft mit den als "Zukunftsfonds" titulierten Produkten boomt auch bei anderen Fondsgesellschaften.

Mit einem guten europäischen oder internationalen Aktienfonds sind Anleger ebenfalls für die Zukunft gerüstet. Trends erkennen deren Fondsmanager meist ohne Anleitungen von Marketing-Experten. Drei Fondsporträts auf Seite 16 zeigen, dass bei traditionellen europäischen Aktienfonds Telekommunikations- und Internetanbieter einen großen Anteil am Fondsvermögen ausmachen. Deren Anleger profitieren also von Boombranchen. Das Risiko ist allerdings geringer, als wenn sie auf spezielle Trends oder Branchen gesetzt hätten, wie es einige Zukunftsfonds tun. Denn der Gesamtanteil einer Branche innerhalb eines breit gemischten Fonds bleibt klein.

TiPP: Wirkliche Trendfonds sind ­ anders als traditionelle Aktienfonds ­ keine langfristige Anlage. Wenn sich ein Trend durchsetzt, dann sollte der Anleger kurzfristig Gewinne mitnehmen und seine Anteile verkaufen. Bei kurzer Anlagedauer ist ein Fonds ohne Ausgabeaufschlag günstiger.

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