Aktienanleihen Special

Verspekuliert? Trotz hoher Zinsen können Anleger mit Aktienanleihen heftige Verluste machen. ­Darüber entscheidet die Kursentwicklung der zugrunde liegenden Aktie.

Aktienanleihen locken mit hohen Zinsen, doch sie sind riskant. Anleger haben schon viel Geld mit ihnen verloren.

Ein Name wie ein Versprechen: Aktienanleihen. Das klingt modern, verspricht Gewinn und vermittelt den Eindruck von Sicherheit. Doch der schöne Schein trügt. Im vergangenen Jahr haben Anleger mit Aktienanleihen teilweise hohe Verluste gemacht. Im Jahr davor sah es nicht besser aus.

Aktienanleihen bieten hohe Zinsen, und das ist der Grund, warum Anleger sie so gerne kaufen. Es ist schon ein Unterschied, ob man 2 Prozent pro Jahr für Bundesschatzbriefe bekommt oder 9,5 Prozent pro Jahr wie zum Beispiel für eine Aktienanleihe auf Eon (Isin DE 000 769 222 0). Meistens sind die Zinsen sogar zweistellig.

Für eine Aktienanleihe auf DaimlerChrysler (Isin DE 000 812 117 9) gibt es 11,5 Prozent pro Jahr. Die An­leihe auf Aktien der Allianz (Isin DE 000 769 218 8) bringt 13 Prozent, für Nokia (Isin DE 000 551 509 2) zahlt Sal. Oppenheim sogar einen Kupon von 16,5 Prozent.

Die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim hat die als Beispiel aufgeführten Papiere ausgegeben. Sie ist Marktführerin in Sachen Aktienanleihen. Auch die ING BHF Bank und die Commerzbank haben zahlreiche Angebote.

Hohe Rendite, hohes Risiko

Dass es für Aktienanleihen so viel mehr Zinsen gibt als für Bundeswertpapiere, liegt an der Konstruktion der Papiere. Aktienanleihen sind eine Kombination aus Anleihe und Optionsgeschäft und deshalb viel spekulativer als ein sicherer Bundesschatzbrief.

Das Optionsgeschäft spiegelt sich in den Rückzahlungsmodalitäten wider. Der Anleger gibt der Bank das Recht, sich die Art der Tilgung auszusuchen, entweder Geld oder Aktien. Dieses Recht ist in einem Put, einer Verkaufsoption, verbrieft. Dafür, dass der Anleger der Bank dieses Recht gibt, bekommt er eine Prämie. Diese Prämie ist der Grund, warum die Zinsen von Aktienanleihen höher sind als die herkömmlicher Anleihen.

Die Bank spielt mit offenen Karten

Was die Bank wann machen wird, steht schon am Ausgabetag der Anleihe fest, denn sie nennt ein Kursziel, den so genannten Basispreis. Stehen die Aktien bei Fälligkeit auf oder über diesem Kurs, bekommt der Anleger Geld zurück. Ist der Kurs am Fälligkeitstag niedriger, bucht die Bank dem Anleger die Aktien ins Depot.

Weil die Rückzahlung der Anleihe vom Kurs der zugrunde liegenden Aktie abhängt, sollte der Käufer einer Aktienanleihe sich die Aktie genau anschauen und sich mit ihrem Schwankungsverhalten befassen, der Volatilität.

Je stärker die Aktie schwankt, desto größer sind die Chancen, dass sie steigt. Umso größer ist aber auch das Risiko, dass die Aktie fällt und der Anleger einen Verlust macht. Deshalb ist auch das Recht der Bank, die Art der Rückzahlung zu wählen, viel wert. Der Anleger erkennt den Wert des Rückzahlungswahlrechts an der Höhe der Zinsen. Je höher sie sind, desto größer das Risiko.

Als vergangenes Jahr am deutschen Aktienmarkt die Kurse stark ausschlugen, brachten die Banken Aktienanleihen mit noch höheren Zinsen heraus als die eingangs genannten.

Beispielsweise stattete Sal. Oppenheim eine Aktienanleihe auf Allianz (Isin DE 000 785 252 7) im Oktober 2002 mit einem Kupon von 21 Prozent aus. Im selben Monat kam eine Anleihe auf Aktien von Infineon auf den Markt, die 28 Prozent Zinsen brachte (Isin DE 000 785 436 6).

Zwei wichtige Regeln

Wer sich für Aktienanleihen interessiert, sollte zwei Ratschläge beherzigen. Erstens: Er sollte eine Aktienanleihe nur kaufen, wenn er tatsächlich der Ansicht ist, dass die der Anleihe zugrunde liegende Aktie nicht oder nur geringfügig fällt. Zweitens: Er sollte darauf achten, welchen Basispreis die Bank für diese Aktie angesetzt hat.

Liegt der Basispreis ungefähr dort, wo die Aktie bereits bei Ausgabe der Anleihe notiert, hat der Anleger sowohl eine aussichtsreiche Gewinnchance als auch einen Risikopuffer: Die Aktie kann leicht ansteigen, ohne dass dem Anleger Gewinn entgeht. Fällt die Aktie, kompensieren zunächst die Zinsen mögliche Verluste. Erst wenn der Kursverlust größer ist als der Kupon, macht der Anleger Miese.

Liegt der Basispreis weit unter dem aktuellen Kurs, hat der Anleger von vornherein einen großen Risikopuffer. Die Aktie kann weit fallen, ehe er einen Verlust macht. Im Gegenzug ist der mögliche Höchstgewinn gering.

Liegt der Basispreis weit über dem aktuellen Aktienkurs, ist die Gefahr hoch, dass der Anleger am Ende auf den Aktien sitzt. Für das hohe Risiko erhält der Anleger eine hohe Gewinnchance. Bis die Aktienanleihe die Gewinnobergrenze erreicht, ist viel Spielraum.

Zwei Papiere für denselben Zweck

Das Prinzip von Aktienanleihen gleicht dem der Discountzertifikate. In beiden Fällen überlässt es der Anleger der Bank, sich die Art der Rückzahlung auszusuchen, und in beiden Fällen bekommt der Anleger dafür eine Prämie. Bei der Aktienanleihe zahlt die Bank diese Prämie in Form von Zinsen, beim Discountzertifikat gewährt sie dem Anleger einen Rabatt. Beide Papiere eignen sich für dieselbe Strategie, nämlich dann, wenn der Anleger leicht steigende oder leicht fallende Aktienkurse erwartet.

Rechnerisch sind die Käufer von Aktienanleihen und Discountzertifikaten gleichgestellt. Steuerlich gibt es allerdings Unterschiede und die können zum Erfolg oder Misserfolg der Anlage durchaus beitragen.

Aktienanleihen sind nach Ansicht der Steuerbehörden so genannte Finanzinnovationen. Sämtliche Erträge unterliegen der Einkommensteuer. Es spielt keine Rolle, wie lange der Anleger die Aktienanleihe hält. Gewinne aus Discountzertifikaten sind dagegen nach einem Jahr steuerfrei.

Ein weiterer Vorteil von Discountzertifikaten ist, dass die Kursverläufe leichter nachzuvollziehen sind, weil Prämie und Aktie im Kurs der Zertifikate enthalten sind und nicht auch noch im Zinskupon auftauchen.

Trotzdem kaufen die meisten Anleger Aktienanleihen. Das mag daran liegen, dass der Name, anders als Discountzertifkate, Sicherheit verspricht. Für die Banken ist dieser fatale Irrtum ein einträgliches Geschäft, für ihre Kunden nicht selten ein finanzielles Desaster, zumal in schlechten Börsenzeiten.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2718 Nutzer finden das hilfreich.