Es gibt einen neuen Strohhalm, an den sich Anleger klammern können, die mit Aktienanleihen baden gegangen sind. Das Berliner Kammergericht hat eine Bank wegen fehlender schriftlicher Aufklärung über die Risiken von Aktienanleihen verurteilt, Schadenersatz in Höhe von 12.060 Mark zu zahlen (Az.29 U 7237/00).

Ein Bankmitarbeiter hatte einem Kunden 1998 am Telefon Volkswagen-Anleihen im Wert von 50.000 Mark verkauft. Dafür sollte er am Fälligkeitstag 10 Prozent Zinsen erhalten. Ein Jahr später ­ bei Fälligkeit der Anleihe ­ erhielt der Bankkunde statt der 50.000 Mark in bar 305 VW-Stammaktien zum damaligen Kurswert von nur noch 32.940 Mark. Denn die Bank darf bei Aktienanleihen statt des angelegten Geldes Aktien zurückgeben, wenn diese einen anfangs festgelegten Kurs unterschreiten. Doch damit hatte der Kunde nicht gerechnet. Da er sich über das Risiko zu wenig aufgeklärt fühlte, forderte er den Ersatz seiner Verluste. Den sprach ihm das Gericht zum größten Teil zu.

Wenn eine Bank derart spekulative Angebote mache, müsse sie zwingend schriftlich über die Risiken aufklären, argumentierten die Kammerrichter. Das gelte selbst für Anleihen auf Standardwerte wie VW oder Telekom. Eine telefonische Warnung vor möglichen Verlusten reiche genauso wenig aus wie das nachträgliche Zusenden eines "Verkaufsblatts", das über den Charakter des Geschäfts aufklärt.

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