Aktien und Fonds Test

Im Zins­tief sind Aktien mit hoher Dividende sehr attraktiv. Viele Titel mit verläss­lichen Ausschüttungen verstecken sich in der zweiten Reihe.

Deutsche Konzerne verdienen Geld wie Heu, und davon profitieren auch ihre Aktionäre. Im laufenden Jahr werden die 30 Dax-Unternehmen wohl mehr Dividenden ausschütten als jemals zuvor. Etwa 30 Milliarden Euro sollen insgesamt auf die Konten der Aktionäre fließen.

Mit der Dividende beteiligen die Unternehmen ihre Anteils­eigner am Geschäfts­erfolg. Angesichts des lausigen Zins­niveaus sind die Ausschüttungen attraktiver denn je. Während die jähr­liche Rendite für Bundes­anleihen mit zehn Jahren Lauf­zeit aktuell bei nur rund 0,3 Prozent liegt, winkt für Dax-Aktien eine durch­schnitt­liche Dividendenrendite von etwa 2,7 Prozent.

Die Dividendenrendite ergibt sich, indem man die Dividende durch den aktuellen Kurs teilt. In der Tabelle: Die Dividende der Dax-Konzerne haben wir die Rendite auf Grund­lage der 2014 gezahlten Dividenden angegeben.

Die Dividenden des Jahr­gangs 2015 stehen meist noch nicht fest, aber die meisten Dax-Konzerne haben angekündigt, ihre Ausschüttung zu erhöhen. So will zum Beispiel die Allianz ihren Aktionären 6,85 Euro zahlen, nachdem es im vergangenen Jahr noch 5,30 Euro waren. Es winkt eine Rendite von fast 5 Prozent.

Anleger sollten aber nicht nur auf die Dividendenhöhe schauen. Wichtig ist vor allem ihre Nach­haltig­keit. Finanztest hat die lang­fristige Dividenden­politik von 160 Aktien aus der Dax-Familie untersucht und die verläss­lichsten Zahler ermittelt.

Kontinuität ist entscheidend

In der Tabelle: Die zuverlässigsten Dividendenaktien stehen nur Aktien, deren Dividenden einen kontinuierlichen Aufwärts­trend zeigten. Maximal drei Erhöhungs­pausen waren erlaubt. Nur etwa jedes zehnte Unternehmen erfüllte diese Voraus­setzung.

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Der im MDax notierte Agrar­konzern Baywa macht zum Beispiel Geschäfte mit Getreide. Er ist aber auch ein führender Anbieter von Tafel­obst.

Unter den deutschen Dividenden­perlen sind viele Aktien von Firmen aus der zweiten Reihe – von mittel­stän­dischen Unternehmen wie dem Agrar­dienst­leister Baywa, dem Medizin­technikspezialisten Stratec Biomedical und dem Schmier­stoff­hersteller Fuchs Petrolub.

Oder Fielmann: Die Optikerkette ist nicht nur Millionen von Fehlsichtigen ein Begriff. Auch Anleger mit Durch­blick haben längst ein Auge auf das Unternehmen geworfen. Die Fielmann-Aktie hat sich seit dem Börsengang im Jahr 1994 als sehr beständiges und verläss­liches Investment erwiesen und brachte Anlegern neben einer guten Kurs­entwick­lung stets eine attraktive Dividende. Im vergangenen Jahr­zehnt wurde sie sogar Jahr für Jahr erhöht.

Neben der Fielmann-Aktie haben wir elf weitere Unternehmen gefunden, die in den vergangenen zehn Jahren ihre Dividenden fast durch­gängig steigerten. Dass ihnen das selbst während der Finanz­krise gelang, spricht für ihre robusten Geschäfts­modelle. Oft handelt es sich um sogenannte defensive Aktien aus Branchen wie Pharma oder Konsum. Sie leiden nicht so sehr unter Wirt­schafts­flauten wie Auto- und Maschinenbaufirmen.

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Günther Fielmann, Gründer der gleichnamigen Optikerkette, ist immer noch ihr größter Aktionär.

Das zeigte sich besonders zwischen 2007 und 2009, als die Industrie­produktion in Deutsch­land um knapp ein Fünftel einbrach und nicht nur die Gewinne und Aktien von BMW, Continental und Daimler unter die Räder kamen.

Dividendenrendite oft trügerisch

Die aktuelle Dividendenrendite hat für Anleger eine magische Anziehungs­kraft, nach dem Motto: je höher, desto besser. Viele unserer Perlen erscheinen dagegen beim Blick auf die aktuelle Rendite nicht so attraktiv.

Das Rätsel löst sich auf, wenn man neben der Dividende die Entwick­lung des Aktien­kurses betrachtet. Bei vielen Erfolgs­firmen ist die Dividendenrendite deshalb relativ nied­rig, weil ihre Aktien­kurse so stark gestiegen sind. Ob die vorzügliche Wert­entwick­lung einer Aktie stärker auf Dividenden oder auf Kurs­gewinne zurück­zuführen ist, dürfte den meisten Anlegern egal sein.

Vorsicht ist im umge­kehrten Fall geboten, wenn eine Aktie nur aufgrund der miesen Kurs­entwick­lung eine hohe Dividendenrendite bietet. Oft sind akute geschäftliche Probleme für den Kurs­verfall verantwort­lich, und in diesem Fall sollten Dividendenjäger die Hatz besser abblasen.

Kein Ersatz für Anleihen

In Presseartikeln werden dividenden­starke Aktien in letzter Zeit gern mit den Anleihen der betreffenden Firmen verglichen. Beispiel BASF. Auch wenn das welt­weit größte Chemie­unternehmen nicht zu den Perlen in unserer Tabelle zählt, gewährte es seinen Aktionären in der Vergangenheit fast immer eine sehr ansehnliche Dividende.

Enorm ist der aktuelle Unterschied zwischen Dividenden- und Anleihenrendite: Während eine BASF-Anleihe mit neun Jahren Rest­lauf­zeit weniger als 0,8 Prozent Rendite pro Jahr bringt, können sich Aktionäre des Konzerns über mehr als 3 Prozent Rendite freuen. Also lieber die Aktie als die Anleihe kaufen?

Der Vergleich hinkt, Aktien sind kein Ersatz für Anleihen. Die Anleihenrendite ist zwar äußerst nied­rig, aber kalkulier­bar, sofern das Unternehmen keine ernst­haften Probleme bekommt. Dagegen ist unklar, wo der Aktienkurs von BASF in ein paar Jahren stehen wird. Auch die Höhe künftiger Dividenden lässt sich nicht sicher vorher­sagen. Wer eine Aktie kauft, muss mit dieser Unsicherheit leben.

Die echten Dividenden­perlen

Aus unserer Sicht sollten Unternehmen an Aktionäre nur Geld ausschütten, das die Firma verdient hat. Die Ausschüttungs­quote gibt an, welcher Prozent­satz des jähr­lichen Nettogewinns an Anleger zurück­fließt.

Bei den Dividenden­perlen ist die Quote sehr unterschiedlich, sie reicht je nach Unternehmen von 26 bis 90 Prozent. Ein Patent­rezept für die richtige Quote gibt es nicht. Einer­seits soll der Unter­nehmens­erfolg den Anteils­eignern möglichst direkt zugute kommen, anderer­seits genügend Geld für Investitionen übrig bleiben.

Bei Fielmann lag die Ausschüttungs­quote in der Vergangenheit oft über 80 oder gar 90 Prozent. Recht­fertigen lässt sich das, weil die Optikerkette nahezu schuldenfrei ist und über genügend Bares verfügt.

Anders sieht die Sache bei der Deutschen Telekom aus, jahre­lang groß­zügiger Dividendenzahler. Das Geld stammte nicht immer aus Firmengewinnen, sondern wurde zum Teil der Substanz entnommen.

Dividende schützt nicht vor Verlusten

Mit einer Rendite von rund 4 Prozent auf Basis der 2014 gezahlten Dividende gehört die Münchener Rück­versicherung zu den attraktivsten deutschen Dividenden­aktien. Die Rendite für 2015 lässt sich erst ermitteln, wenn die Dividende von der Aktionärs­versamm­lung beschlossen wurde.

Die hohe Ausschüttung bei der Münchener Rück ist umso bemerkens­werter, als sie nicht einmal 40 Prozent des Jahres­gewinns aufzehrt. Die soliden Gewinne des Versicherungs­konzerns haben auch den US-Star­investor Warren Buffet über­zeugt, der sich mit rund 11 Prozent an dem Unternehmen beteiligt hat.

Anleger sollten Risiken kennen

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Der Dax-Konzern Fresenius Medical Care verdient sein Geld vor allem mit der Behand­lung von Dialysepatienten.

Die Münchener Rück illustriert aber auch die enormen Risiken, die Aktionäre auf sich nehmen. Bis zum Jahr 2000 galten Versicherungs­aktien als Aktien­anlagen mit über­schaubarem Risiko. Doch das Undenk­bare ist einge­treten: Für Aktionäre der Münchener Rück gab es selbst nach zehnjäh­riger Haltedauer im schlimmsten Fall ein Minus von mehr als 62 Prozent.

Wer in Aktien investieren möchte, sollte die Risiken kennen. Selbst wenn wir bei Dividenden­perlen wie Fielmann, Fresenius Medical Care und Bayer keinen Zehn­jahres­zeitraum fanden, der für Anleger im Verlust geendet hätte, gilt grund­sätzlich: Wer sich an einer Firma beteiligt, muss die Gefahr eines Total­verlustes zumindest im Hinterkopf haben.

Über die Grenzen blicken

Erfahrene Dividendenjäger nehmen nicht nur deutsche Aktien ins Visier. Interes­sant sind für sie auch ausländische Papiere, vor allem einige der welt­bekannten US-Unternehmen.

So hat Procter & Gamble, unter anderem bekannt für Pampers-Windeln und Gillette-Rasierer, seine Dividende seit mehr als 50 Jahren kontinuierlich erhöht. Gleiches gilt für Coca-Cola und den Pharma- und Gebrauchs­güter­konzern Johnson & Johnson.

Wir haben bei der Suche nach ausländischen Dividenden­perlen die zurzeit besten global anlegenden Investmentfonds mit Dividenden­strategien analysiert (siehe auch Mit Dividendenfonds bequem kassieren und Aktienfonds Welt im Produktfinder Fonds). Vier Aktien sind darin besonders oft und stark vertreten: der US-Software­pionier Microsoft und die drei größten Schweizer Börsen­konzerne Nestlé, Novartis und Roche.

Haken bei Dividenden­jagd im Ausland

Nestlé ist als welt­größter Lebens­mittel­konzern eine Ausnahme am Aktienmarkt. Seit mehr als 15 Jahren steigt seine Dividende stetig, 2015 winkt voraus­sicht­lich eine ansehnliche Rendite von etwa 3 Prozent.

Zudem stieg der Aktienkurs in den vergangenen Jahr­zehnten ohne dramatische Unter­brechungen. Für deutsche Anleger gab es seit 1993 keinen Zehn­jahres­zeitraum, der im Verlust endete.

Allerdings sollten sich deutsche Anleger darüber klar sein, dass die Dividenden­jagd im Ausland aus steuerlicher Sicht nicht ohne Haken ist. In den meisten Ländern wird ihnen zusätzlich zur deutschen Abgeltung­steuer eine Quellen­steuer abge­zogen. Das Geld können sie sich zwar zurück­holen, aber der dafür notwendige Aufwand ist nicht zu unterschätzen.

Wer sich damit lieber gar nicht befasst, wählt besser von vorn­herein eine Fonds­lösung. Im Unter­artikel Mit Dividendenfonds bequem kassieren erklären wir, wie man Dividenden­strategien bequem im Paket kaufen kann.

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