Anleihen in Osteuropa: Scharfe Renditen

Aktien und Anleihen in Osteuropa Meldung

Aufs richtige Pferd setzen private Anleger besser mit Fonds als mit Einzelpapieren.

In Osteuropa gibt es für Anleihen noch richtig Geld. Die EU-Beitrittsländer bieten Renditen bis zu 9,5 Prozent pro Jahr. Ungefährlich sind die Papiere allerdings nicht, denn sie bergen ein Währungsrisiko.

Laufende Anleihen erzielen Kursgewinne, wenn es für neue Anleihen weniger Zinsen gibt. Aus dieser Quelle sprudelt die so genannte Beitrittsfantasie. Denn in den Beitrittsländern sind die Zinsen noch deutlich höher als in der Europäischen Union (EU). Der Leitzins der Europäischen Zentralbank liegt zurzeit bei 2,0 Prozent.

Je näher der Tag rückt, an dem sich die osteuropäischen Länder der Gemeinschaft anschließen, desto mehr passen die Zinsen sich an – und die Kurse der Anleihen steigen.

Dieser Prozess läuft schon eine geraume Zeit. Die für Anleger entscheidende Frage ist, wie lange er noch dauert. Die Kapitalmärkte nehmen nämlich künftige Entwicklungen wie Zinsanpassungen zumindest teilweise vorweg.

Theoretisch dürften sich die Zinsen erst dann denen der Euro-Länder angeglichen haben, wenn die Beitrittsländer den Euro einführen und an der gemeinsamen Geldpolitik teilnehmen. Das ist frühestens 2007 der Fall.

In der Praxis sieht es zum Teil schon anders aus. In Tschechien liegen die Renditen für fünfjährige Zinspapiere bei 2,7 Prozent pro Jahr, deutsche Bundesanleihen bringen um die 3 Prozent. In der Slowakei und Polen betragen die Renditen 4,6 und 4,9 Prozent pro Jahr. In Ungarn sind es noch 7,1 Prozent.

Für kurz laufende Zinspapiere gibt es meist noch mehr. In der Slowakei bekommt man für Monatsgeld 6,3 Prozent pro Jahr, in Slowenien 6,9 und in Ungarn 9,5 Prozent pro Jahr. Zum Vergleich: Der Schnitt in Deutschland liegt bei 2,1 Prozent pro Jahr für Monatsgeld.

Reduziertes Risiko

Die Beitrittsfantasie speist sich allerdings nicht aus den Kursgewinnen allein. Für Anleihekäufer spielt auch die Kreditwürdigkeit der Schuldner eine Rolle. Eine Anleihe ist ja nichts anderes als ein Kredit, den der Anleger gibt.

Staaten, das zeigt Argentinien, können wie Unternehmen zahlungsunfähig werden. Dass das den EU-Anwärtern passiert, glaubt aber keiner. Schließlich bemühen sie sich seit Jahren um Anpassung an die Standards des Westens.

Für den Beitritt zur EU müssen die Länder die EU-Gesetze übernehmen und ihre Wirtschaft nach den Brüsseler Liberalisierungsideen ausrichten. Wenn sie den Euro haben wollen, müssen sie zudem die Kriterien der Währungsunion erfüllen: wenig Schulden, vergleichbare Zinssätze, geringe Inflationsraten. Pleiten passen da nicht ins Bild.

Der Fondsprofi weiß wie

Was an Risiken bleibt, können Anleger weiter reduzieren, indem sie in Rentenfonds investieren. Fonds bieten für wenig Geld eine gute Risikomischung. An viele Papiere käme der private Anleger selbst gar nicht heran oder er müsste hohe Gebühren in Kauf nehmen.

Anleihen der Beitrittsländer gibt es sowohl in Landeswährung als auch in Euro. In Polen, Ungarn oder Tschechien lohnen sich die Papiere in Euro nur noch bedingt. Sie gelten bereits als sehr solide und bieten daher nur einen kleinen Zinsaufschlag gegenüber Bundesanleihen, die als Maßstab gelten.

Michael Krautzberger von Union Investment investiert in den großen Märkten daher nur noch in lokaler Währung. Aus dem Baltikum, Slowenien und den beiden Nachzüglern Rumänien und Bulgarien bevorzugt er allerdings Papiere in Euro. „Das liegt daran, dass die Märkte in lokaler Währung nicht liquide sind“, sagt er. Die Umsätze sind äußerst gering.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch im Südosten Europas. „Malta und Zypern spielen auf den internationalen Kapitalmärkten eine untergeordnete Rolle.“ Die beiden Inselstaaten sind so klein, dass das Angebot nur für Ansässige reicht. Informationen über die Renditen dort sind so gut wie nicht verfügbar.

Anleihen aus Osteuropa versprechen hiesigen Anlegern nicht nur höhere Renditen, sie ergänzen auch ein bereits gut
gemixtes Depot. „Wer seinem Depot zwischen 10 und 15 Prozent osteuropäische Anleihen beigemischt hat, hat in den vergangenen zehn Jahren eine Überrendite von 2 Prozent pro Jahr gegenüber Bundesanleihen erzielt, und das bei geringerem Risiko“, sagt Andreas Gummich, Produktmanager von DWS, Fondstochter der Deutschen Bank. „Das kommt daher, dass sich die osteuropäischen Anleihen genau anders herum verhalten als die deutschen.“

Diskorrelation heißt das in der Fachsprache. Wenn Deutschland boomt, verlieren die Papiere im Osten, und umgekehrt. „Korrelieren werden die Märkte erst, kurz bevor die Beitrittsländer den Euro einführen“, schätzt Gummich. „Das konnten wir bei Spanien und Italien auch beobachten.“

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